Squealer-Rocks.de CD-Review
Nazareth - Rock'n'Roll Telephone

Genre: Rock
Review vom: 05.06.2014
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: 06.06.2014
Label: Soulfood Music



Es war abzusehen, dennoch traf die Nachricht im Herbst 2013 mitten ins rockende Herz: Dan McCafferty verlässt Nazareth – aus gesundheitlichen Gründen!
So weit, so schlimm – aber nachvollziehbar. Mit 67 Jahren darf man sich gerne zur Ruhe setzen.

Somit schien uns Hardcore Fans klar: Das ist das Ende der Band. Man freute sich auf ein schönes Abschiedskonzert im schottischen Dunfermine und man träumte schon davon, mit Tränen in den Augen eine Legende, die unser Leben begleitet hat und zweifellos zu den wichtigsten Rockbands überhaupt gehört, stilvoll zu Grabe zu tragen.

Doch dann kam alles anders: Die Ankündigung, ein weiteres Album mit Dan am Gesang zu veröffentlichen, ist noch vertretbar gewesen. Doch die Tatsache, dass man nun mit – dem zweifellos guten – Linton Osborne einen neuen Sänger verpflichtet hat, raubt dieser Band enorm viel von ihrer Magie. Schließlich hat Bandboss Pete Agnew noch 2010 im Interview mit unserem Magazin wortwörtlich behauptet, Nazareth lösen sich dann auf, wenn „Dan oder ich krank werden“.
Man munkelt, es müssen bestehende Verträge erfüllt werden – mag sein.
Doch, wenn wir mal ehrlich sind: Naz ohne Dan sind wie KISS ohne Paul Stanley.
Pete muss verdammt aufpassen, dass die anstehende Tour - trotz hochwertigem Ersatz – nicht zur Selbstdemontage verkommt – das wäre schrecklich und dieser Band schlicht unwürdig.

Bei so vielen negativen Gedanken, lagen die Erwartungen an Dan's Abschiedsalbum natürlich hoffnungsvoll entsprechend hoch. Doch leider ist am anderen Ende der Leitung vom „Rock'n'Roll Telephone“ nicht das zu hören, was man sich gewünscht hätte.
Ich muss es so sagen, wie es ist, und das tut mir nach 35 Jahren Fandasein fast körperlich weh:
Der aktuelle Dreher ist das schwächste Naz Album seit „Malice in Wonderland“ - wenn nicht gar das Schlechteste in der Geschichte dieser – auch im hohen Alter! - einst so glänzenden Truppe.

Dabei fängt es noch gut an: „Boom Bang Bang“ ist zwar keine Großtat, kann aber mit geilem Riffing, angenehmer Härte und toller Slide – Guitar überzeugen und wächst bei jedem Durchlauf. Das folgende „Set of Bones“ fällt schon deutlich ab. Man spürt die Handschrift von Gitarrist Jim Murrrison in punkto Songwriting und Produktion. Das Ganze tönt schön Retro und Dan schreit sich die Raucherlunge aus dem Leib, nur die kompositorische Klasse der Vorgängeralben, die fehlt.
Auch der Titelsong ist Langeweile pur.
„Hole in the Sky“ - das wie Krokus für Arme klingt ist sogar nur noch peinlich!

Leider wird es nicht mehr besser, eher schlechter. Ein Klopper wie das flotte „Speakeasy“ kommt zwar nett daher, aber nach dem dritten Durchlauf bleibt eben nur „nett“ übrig.
Neben noch zwei bis drei „netten“ Tracks gibt es gar Totalausfälle zu vermelden: Das mit tiefer gestimmter Gitarre gezockte „Just a Ride“ ist einfach nur Scheisse und völlig uninspirierte Hippie – Balladen wie „The Right Time“ oder „Winter Sunlight“ wirken dermaßen öde, dass man sich voller Verzweiflung Simon and Garfunkel wünscht – und DAS soll was heissen!

Wie schon gesagt, es bereitet mir echt Schmerzen, so etwas über Naz zu schreiben. Doch man hört dieser Platte zu jeder Sekunde an, dass hier kein Spirit, keine Lust mehr vorhanden ist.
Nach meiner Theorie handelt es sich hier um ein Jim Murrison Solo Album und der Mann kann Gitarre spielen, gute Songs schreiben, das kann er nicht.
Von einem Nazareth Album ist das Teil hier weit entfernt.

Pete Agnew wird bald 70, er ist einer der wichtigsten Männer im Hardrock und ein unheimlich lieber Kerl.
Bitte, lieber Pete, zerstöre nicht Dein eigenes Denkmal...
Zudem: Es ist sooo schade, dass Dan McCafferty sich mit einem dermaßen schwachen Album verabschieden muss.


Tracklist:

1. Boom Bang Bang
2. One Set Of Bones
3. Back 2B4
4. Winter Sunlight
5. Rock 'n' Roll Telephone
6. Punch A Hole In The Sky
7. Long Long Time
8. The Right Time
9. Not Today
10. Speakeasy
11. God Of The Mountain


Line Up:
Dan McCafferty - Vocals
Jimmy Murrison - Guitar
Pete Agnew - Bass
Lee Agnew - Drums

DISCOGRAPHY:

1971 - Nazareth
1972 - Exercises
1973 - Razamanaz
1973 - Loud'N'Proud
1974 - Rampant
1975 - Hair of the Dog
1976 - Close Enough for Rock'n'Roll
1977 - Playin' the Game
1977 - Expect no Mercy
1979 - No Mean City
1980 - Malice in Wonderland
1981 - The Fool Circle
1981 - It's Snaz (live)
1982 - 2XS
1983 - Sound Elixir
1984 - The Catch
1986 - Cinema
1989 - Snakes'N'Ladders
1991 - No Jive
1994 - Move Me
1998 - Boogaloo
2001 - Home Coming (live)
2008 - The Newz
2009 - The Anthology
2011 - Big Dogz
2011 - The Naz Box

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