Squealer-Rocks.de CD-Review
Nazareth - Big Dogz

Genre: Rock
Review vom: 12.04.2011
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: 15.04.2011
Label: e-a-r music



Glänzende Zeiten für Classic Rock Fans: Zwei Urgesteine gehen in den nächsten 2 Monaten gemeinsam auf Gastspielreise und veröffentlichen am selben Tag ihr neustes Machwerk. Am 15. April stehen sowohl das neue Uriah Heep Meisterwerk „Into the Wild“, wie auch der aktuelle Nazareth Output „Big Dogz“ in den Regalen. Zum famosen Heep Album hat sich schon Kollege Bombenleger ausgelassen und die einzige Frage für den Rocker mit Geschmack lautet heute nur: Kann die schottische Institution der englischen etwas Gleichwertiges entgegen setzen? Mal abgesehen davon, dass man die Musik der beiden Bands absolut nicht vergleichen kann, dürfte das neue Naz Album zwar kein Klassiker werden, aber zumindest ich zerbreche mir seit Tagen darüber den Kopf, ob „Big Dogz“ nun besser, genauso gut oder doch einen kleinen Tick schwächer als der grandiose Vorgänger „The Newz“ ist.

Um die ultimative Antwort zu finden, werden wohl noch einige Liter Bier, bzw. schottischer Single Malt durch die Kehlen der treuen Fangemeinde fließen müssen. Fakt ist: „Big Dogz“ ist ein weiterer Rückschritt. Natürlich nicht in punkto Qualität - wir reden hier schließlich von Nazareth! -, sondern in die Vergangenheit. Diese Tendenz war schon auf „The Newz“ erkennbar, der neue Dreher treibt diese Rückbesinnung jedoch auf die Spitze.

Das ist in erster Linie ein Verdienst der wirklich perfekten Produktion, die der Schweizer Yann Rouiller gemeinsam mit Gitarrist Jimmy Murrison im eidgenössischen Basel hingezaubert hat. Die in Prag aufgenommenen Tracks klingen so staubtrocken und authentisch, old – school, aber nicht alt, dabei erstaunlich dicht und intensiv, dass man glaubt, man sitzt neben der Band im Proberaum und man hört im Hintergrund noch die alten 8 – Spur Bänder laufen. Für so einen Klang würden angesagte Supergroups wie Them Crooked Vultures töten.

Doch was nützt mir ein warmer Sound mit frühem 70s Flair, wenn das Feeling nicht echt wäre? Und hier ist den Herren um Pete Agnew wirklich ein kleiner Geniestreich gelungen: „Big Dogz“ ist das mit Abstand lockerste Album der Schotten und mit einer unglaublichen Leichtigkeit gesegnet. Der Hörer bekommt den Eindruck, alle 11 Songs wurden in einem Take durchgespielt und man merkt der Platte zu jeder Sekunde an, dass Nazareth nur noch das machen, was sie wirklich wollen. Die brauchen keine Radio Hits mehr, die müssen nichts mehr beweisen.

Dementsprechend ist nahezu jegliche Hardrock - Attitüde verschwunden. Es gibt reinen, knarzigen Rock mit ordentlich Blues, Folk – und, man höre und staune, Psychedelic - Schlagseite.
Was nicht heißen soll, dass die sympathischen Altrocker es nicht noch ordentlich krachen lassen können. „Sleeptalker“ ist das Paradebeispiel: Die Nummer rockt ordentlich nach vorne und wird dann mit einem Part abgeschlossen, der irgendwie nach “ Pink Floyd auf Drogen“ klingt. Die Ballade „When Jesus Comes To Save The World Again“ dagegen, mit fantastischer Blues - Gitarre, besitzt eine beinahe bedrohliche Atmosphäre und ist dabei höchst episch. Der zwote ruhige Track, „Butterfly“, ist mit seinem dezenten Piano ein echter Tränentreiber, klingt aber niemals kitschig, sondern nach verrauchter Kneipe. Hut ab, so etwas können wirklich nur die ganz Großen.

Überhaupt ist das Tempo zu des Albums meist eher im ersten Gang zu Hause. Selbst das mega – eingängige „Radio“, sehr folkig, das fröhliche „Lifeboat“, mit extrem verzerrten Bass, und das sehr harte „No Mean Monster“, bei dem sich Dan Mc Cafferty die Seele aus dem geschundenen Leib brüllt, kommen nicht über Midtempo hinaus. Einen Makel stellt dies natürlich nicht dar.

Unbedingt erwähnen möchte ich noch den saugeilen, schleppenden Opener „Big Dog‘s Gonna Howl“, der es locker mit dem Classic „Miss Misery“ aufnehmen kann (was Mr. Agnew hoffentlich bei der Zusammenstellung des aktuellen Live Sets berücksichtigen wird…). Ihren trockenen Humor und ihre Selbstironie stellen Naz bei „The Toast“ unter Beweis. Die schnellste Nummer der CD versprüht nur gute Laune, ist gesegnet mit einem kultig / schiefen Gitarren – Solo, und schließlich verlangt eine Stimme aus dem Off am Ende des Liedes nach einem Taxi für Mr. McCafferty; nicht ohne vorher ein saftiges „Cheerio“ in die trinkfreudige Runde zu schleudern. Geil!

Das ist auch das Stichwort fürs Fazit: „Big Dogz“ ist nicht das Album, was man erwarten konnte. Und das ist eben geil. Begriffe wie Zeitgeist oder Trends waren in den 80ern mal eine Option für Nazareth. Heute machen die Gentlemen nur noch Musik, weil es ihnen Spaß macht – und das hört man!
Wir sehen uns auf der Tour mit Uriah Heep? Wir sehen uns.

Tracklist:
01. Big Dog's Gonna Howl
02. Claimed
03. When Jesus Comes To Save The World Again
04. Radio
05. No Mean Monster
06. Time And Tide
07. Lifeboat
08. The Toast
09. Watch Your Back
10. Butterfly
11. Sleeptalker

Line Up:
Pete Agnew – Bass
Dan McCafferty – Vocals
Jimmy Murrison – Guitar
Lee Agnew - Drums

DISCOGRAPHY:

1971 - Nazareth
1972 - Exercises
1973 - Razamanaz
1973 - Loud'N'Proud
1974 - Rampant
1975 - Hair of the Dog
1976 - Close Enough for Rock'n'Roll
1977 - Playin' the Game
1977 - Expect no Mercy
1979 - No Mean City
1980 - Malice in Wonderland
1981 - The Fool Circle
1981 - It's Snaz (live)
1982 - 2XS
1983 - Sound Elixir
1984 - The Catch
1986 - Cinema
1989 - Snakes'N'Ladders
1991 - No Jive
1994 - Move Me
1998 - Boogaloo
2001 - Home Coming (live)
2008 - The Newz
2009 - The Anthology
2011 - Big Dogz
2011 - The Naz Box

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Nazareth - The Newz (CD-Review)
Nazareth - The Anthology (2 CD) (CD-Review)
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