Squealer-Rocks.de CD-Review
Various Artists - Ost Rock Klassik - Gold Edition, Live (Doppel CD + Doppel DVD)

Genre: Deutsch Rock
Review vom: 26.01.2011
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: Bereits veröffentlicht
Label: Polydor (Universal)



Zugegeben: Ich habe wenig bis Null Ahnung über die Rock – Szene der ehemaligen DDR. Ich muss ebenfalls zugeben, dass ich den Titel „Ost Rock Klassik“ wenig ansprechend finde. Das hat irgendwie den Flair einer Grabbeltisch - CD für 3 Euro. Da wir aber leider keinen Schreiberling aus dem Osten in unseren Reihen haben, verfasst nun jemand diese Rezension, der gerade mal die berühmten „7 Brücken“ kennt – und die eigentlich auch nur vom ollen Maffay und nicht von den Urhebern Karat.
Schade, denn diese tolle Veröffentlichung hätte einen Experten verdient, der die Protagonisten etwas besser kennt und mehr dazu sagen könnte. So bleibt mir nur als Vorab - Fazit: „Ost Rock Klassik“ ist ohne Zweifel eine Sternstunde des Deutsch Rocks und zumindest ich werde mich nun näher mit der Szene der einstigen Diktatur beschäftigen.

Zunächst muss man wissen, dass es sich bei diesem Paket um keinen Sampler, sondern um einen Live - Mitschnitt handelt. Zudem wurde auf der Bühne ein absolutes Mammut – Projekt aufgefahren, ähnlich den „Night of the Proms“ Events. Die bekanntesten Kapellen der „Ostzone“ gaben jeweils einige wenige Songs zum Besten und im Hintergrund fungiert das Deutsche Filmorchester Babelsberg mit sinfonischen Klängen.
Herausgekommen ist dabei ein herrliches Klangerlebnis, das absolut live klingt, aber dennoch keine Wünsche in Sachen Soundqualität offen lässt und auch unterm Kopfhörer KEINEN Vergleich mit den ganz großen internationalen Veröffentlichungen gleicher Ausrichtung zu scheuen braucht.


Den Anfang macht das Orchester aus Babelsberg mit einer grandiosen „Ouvertüre“. Dramatik pur, diese Mischung aus Klassik und progressivem Rock. Gänsehaut!

Als erste Band entern Rockhaus die Bühne und die Musik lebt vor allem von der tollen Stimme des Sängers, incl. starken Texten, sowie absolut hymnischen Melodien. Den Stil würde ich anhand der drei Songs als intelligenten Deutsch - Rock mit dezentem Hang zum AOR, und auch zum Kitsch, gleichzeitig aber auch zu progressiven Tunes bezeichnen. Sozusagen Pur auf hart und mit Niveau. Klasse.
Nur 2 Songs lang ist der Gig von Karat. Das man bei den Altmeistern von einer qualitativ hochwertigen Band sprechen kann, hat sich selbst bis zu mir rumgesprochen. Dennoch ist die Performance mit dem dramatischen Brocken „Jede Stunde“ (tragender Beginn, schliesslich die Mutation zum Rock’n’Roll mit Jam Charakter) und dem unvermeidlichen „Über 7 Brücken musst du gehn‘“ schlicht zu kurz.

Als nächstes steigen Pankow in den Ring und bilden einen netten Gegenpol zu Karat. Die Burschen bieten sehr bluesigen, teils minimalistischen Rock, der - um mal westdeutsche Parallelen zu nennen – an Stoppok oder alte Westernhagen Sachen erinnert. Nett, mehr nicht.
Für nur einen Track betritt Tino Eisbrenner die Bühne und sein schwülstiges „Mama“ hat schon etwas von Heintje. Leider nur peinlich…
Ebenfalls nur ein Lied gibt Angelika Mann zum Besten. Ihr „Champus – Lied“ übertrifft in punkto Fremdschämen leider selbst noch die Ode an die Mutter ihres Vorgängers. WDR 4 Alarm! AUA!

Gottlob wird das Niveau mit den 2 Songs von Electra wieder in einigermaßen verträgliche Dimensionen gehievt. Die Mischung aus Prog (man beachte die Jethro Tull Parts!) und Gewerkschaftsliedern klingt zwar etwas unausgegoren, ist aber allemal hörbar und in jedem Fall exotisch.
Mit Silly gibt dann eine absolute Supertruppe der Szene ihr zwei Tracks starkes Gastspiel. Wenn man wissen will bei wem Rosenstolz ihre Ideen klauen, sollte man hier mal reinhören. „Mont Klammott“ ist schleppend, dramatisch und dabei schweinehart mit absolut rohen Gitarrenklängen. Ein wirklich großes Stück Rock, exzellent intoniert von Neu - Sängerin Anna Loos. Die bombastische Ballade „Warum ich“ kann den Vorgänger, mit brachialer Unterstützung des formidablen Orchesters, sogar noch toppen. Grandios!
Den Abschluss auf CD 1 bestreiten Laura und Günther Fischer mit „Solo Sunny“. Ich neige gerne zu Übertreibungen, aber dieses Stück Musik, diese Mixtur aus Soul, Saxophon und Orchester ist OHNE Übertreibung eine Offenbarung. Nüchtern gesagt, hört man hier den Unterschied zwischen gehypten Träller – Elsen und wirklich guten GUTEN Sängerinnen.

Die Scheiblette Numero Zwo beginnt mit einem Dreier – Pack von Renft, die wirklich überzeugen können. Lange, sehr gefühlvolle Gitarrensoli betten die melancholische Nummer „Wer die Rose ehrt“ in ein Pink Floyd Gewand, während „Zwischen Liebe und Zorn“ auf eindrucksvolle Weise deutlich macht, weshalb es Subway To Sally gibt. Leute, das ist harter Rock bis hin zum Metal, angereichert mit Folk und Mittelalter Einflüssen. Wegweisend, zweifellos! Und in der Orchester - Version nur noch geil, geil, geil! Das „Gänselieschen“ ist auch nur vom Titel her harmlos und nett. Einen weiteren treibenden epischen Brocken kredenzen uns die Männer hier. Keine Frage, die beste Band des Abends.
Zum Ende kommen logischerweise die bekanntesten Namen auf die Stage. Den Anfang vom Finale bestreiten City mit 3 Songs, nebst einem sehr geilen Intro. Ihr Smasher „Amerika“ (Stil: Folkig angehauchter Rock, vergleichbar mit den Hooters) sorgt für Stimmung, das naiv klingende „z.B. Berlin..“ mit gar nicht naiven Lyrics, als Referenz gelten ebenfalls die Hooters oder Runrig, und das mit präsenter Geige – und somit Kansas Parallele – etwas schwermütige, weil inhaltsschwere, „Am Fenster“ ist voller Ideen, höchst intelligent und verdient das Prädikat „absolut wertvoll“.

Dagegen können die Puhdys natürlich nicht anstinken. Und mal ganz ehrlich: Wer so heisst, der klingt auch so. Das oberpeinliche Intro - deutsche Hymne! – macht es nur noch schlimmer. Dazu schmerzende Lyrics wie „..hier bin ich geboren, das ist mein Land…“, gepaart mit einer Musik, die nach CVJM -Grillabend klingt: Das hat schon Zillertaler Schürzenjäger Niveau.
Trotz drei Totalausfällen bleibt immer noch genügend gut- bis erstklassiger Stoff, der eine unbedingte Kaufempfehlung rechtfertigt.

Gleiches gilt auch für die DVD, die zeitgleich veröffentlicht wurde. Imposant ist die extrem geschmackvolle Lightshow auf der riesigen Bühne, die mangelndes Stageacting bei mancher Band schnell vergessen lässt. Der Hammer ist aber die technische Umsetzung des visuellen Longplayers. Das exzellente Bild verwandelt selbst die älteste Telefunken Glotze in einen HD Boliden, der Sound, wahlweise 2.0 Stereo oder 5.1. Surround, ist hochklassig und sowohl bei Bildregie und Kameraführung merkt man zu jeder Sekunde, dass hier absolute Vollprofis am Werk waren, die wissen, wie man ein Konzert filmisch umzusetzen hat.
Top!
Tracklist:
CD 1:
1. DEUTSCHES FILMORCHESTER BABELSBERG - ORK 2010 Ouvertüre
2. ROCKHAUS - Mich zu lieben
3. ROCKHAUS - I.L.D.
4. ROCKHAUS - Bleib cool
5. KARAT - Jede Stunde
6. KARAT - Über sieben Brücken musst du gehn
7. PANKOW - Langeweile
8. PANKOW - Inge Pawelczik
9. PANKOW - Wetten du willst
10. TINO EISBRENNER - Mama
11. ANGELIKA MANN - Champus-Lied
12. ELECTRA - Einmal ich, einmal du, einmal er...
13. ELECTRA - Nie zuvor
14. SILLY - Mont Klamott
15. SILLY - Warum ich
16. LAURA UND GÜNTHER FISCHER - Solo Sunny
CD 2:
1. RENFT - Wer die Rose ehrt
2. RENFT - Zwischen Liebe und Zorn
3. RENFT - Gänselieschen
4. CITY - Intro
5. CITY - Amerika
6. CITY - z.B. Susann (Berlin)
7. CITY - Am Fester
8. PUHDYS - Intro
9. PUHDYS - Ich will nicht vergessen
10. PUHDYS - Perlenfischer
11. PUHDYS - Geh zu ihr


DVD:

DVD 1:
1. ORK 2010 Ouvertüre - Deutsches Filmorchester Babelsberg
2. Mich zu lieben - Rockhaus
3. I.L.D. - Rockhaus
4. Bleib cool - Rockhaus
5. Jede Stunde - Karat
6. Über sieben Brücken musst du gehn - Karat
7. Langeweile - Pankow
8. Inge Pawelczik - Pankow
9. Wetten du willst - Pankow
10. Mama - Tino Eisbrenner
11. Champus-Lied - Angelika Mann
12. Einmal ich, einmal du, einmal er... - Electra
13. Nie zuvor - Electra
14. Mont Klamott - Silly
15. Warum ich - Silly
16. Solo Sunny - Laura und Günther Fischer
17. Wer die Rose ehrt - Renft
18. Zwischen Liebe und Zorn - Renft
19. Gänselieschen - Renft
20. Intro - City
21. Amerika - City
22. z.B. Susann (Berlin) - City
23. Am Fenster - City
24. Intro - Puhdys
25. Ich will nicht vergessen - Puhdys
26. Perlenfischer - Puhdys
27. Geh zu ihr - Puhdys

DVD 2:
1. Dokumentation Ost-Rock Klassik: Proben - Soundchecks - Interviews - Various








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