Squealer-Rocks.de CD-Review
Black Sabbath - Born Again (DeLuxe Edition)

Genre: Heavy Metal
Review vom: 16.06.2011
Redakteur: Bombenleger
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label: Sanctuary



1983 nehmen Black Sabbath ihr einziges Album mit Ian Gillan auf. Sicher mag es etwas seltsam anmuten, daß der ehemalige Sänger von Deep Purple bei deren einstigen Rivalen anheuerte. Und sicher könnte man Bände darüber schreiben, warum es überhaupt dazu gekommen war.

Klar war, daß Ritchie Blackmore und Roger Glover ihren vertraglichen Verpflichtungen (Tour und Album) mit Rainbow noch nachkommen mußten, als Gillan im Winter 1982 versuchte, die alte Stammbesetzung von Deep Purple wieder unter einem Hut zu bringen. Klar war auch, daß es bei Black Sabbath nach dem Ausstieg von Ronnie James Dio irgendwie nicht weiterging. Aber wenn ein Ian Gillan, ein Tony Iommi und ein Geezer Butler nach einem gemeinsamen, mehrstündigen Trinkgelage allesamt rotzbesoffen unter dem Tisch liegen wird klar, daß irgendwann eine solch Liaison dabei herauskam. Ur-Drummer Bill Ward, der die Band im August 1980 während der Heaven and Hell Tour verlassen hatte, stand ebenfalls auf der Matte, so daß Black Sabbath zu ¾ in der Originalbesetzung wieder beisammen waren.

Born Again ist ohne Zweifel das härteste und düsterste Album, welches unter dem Black Sabbath Banner je erschienen ist und orientiert die Band auch stilistisch wieder an die alten Tage mit Ozzy Osbourne zurück. Die beiden Instrumentalnummern „Stonehenge“ und „The Dark“ sowie das dämonische „Disturbing The Priest“ lassen einem so richtig den Schauer dem Buckel heruntergleiten. Mit dem speedigen „Trashed“ (wo Ian Gillan über einen Autounfall singt, den er während der Albumaufnahmen im Vollrausch verursacht hatte) befindet sich eine weitere echte Perle auf dem Album. Ebenso das ungemein zähflüssige „Zero The Hero“ (an dessen Riff sich bekanntlich Guns n’Roses bei „Paradiese City“ Jahre später bedient haben) und die Powerballade „Born Again“ sowie die Midtempo Nummern „Digital Bitch“ und „Hot Line“ definierten 1983 neue Härtegrade, mit denen sich in jenem Jahr sogar jene hochkarätige Bands wie Iron Maiden, Saxon, Motörhead oder Krokus mit ihren aktuellen Alben nicht messen konnten.

Zwar ist der Bass von Geezer Butler aufgrund der etwas schlampigen Produktion teilweise etwas übersteuert, aber die ultra brutalen Gitarrensoli von Tony Iommi gepaart mit der Gewaltröhre von Ian Gillan mit dem typisch schrillen Kreischen lassen hier unweigerlich Erinnerungen an Deep Purple’s Meisterwerk Deep Purple In Rock von 1970 hochkommen – auch wenn der Vergleich hier etwas gewagt sein mag.

Da es sich bei der DeLuxe Ausgabe von Born Again um eine Doppel CD handelt, gibt es auch genügend Bonus Stuff. CD Nummer Zwei beinhaltet mit „The Fallen“ einen Studio Outtake, der schon 2004 auf dem Bootleg „Unmixed Demos & The Fallen“ aufgetaucht ist. Desweiteren „Stonehenge“ in der Single Version, die 1983 erschien und mit ihrer fünfminütigen Spielzeit deutlich länger ausfiel als die Version auf der LP.

Eine weitere Perle ist sicher das Konzert vom Reading Festival, wo Black Sabbath am 27. August 1983 (mit u. a. Marillion, Magnum, Suzi Quatro, Anvil) als Headliner auftraten und das in Bootleg Kreisen schon längst von der Vinyl LP Paranoid In Reading hinreichend bekannt ist. Da es sich um eine Radio Aufnahme von BBC handelt, ist der Sound wirklich excellent. Allerdings wurde durch die Digitalisierung so ziemlich der Druck genommen, was sich etwas negativ auswirkt, wenn man das Bootleg Album kennt. Gillan kreischt sich hier wunderbar durch die alten Ozzy Osbourne Klassiker „War Pigs“, „Black Sabbath“ (Watches Those Flames Get Higher And Higher And Hiiiigheeer“) und „Paranoid“ und bringt die Nummern wesentlich besser rüber als sein Vorgänger (Gott hab ihn selig) Ronnie James Dio.

Ebenfalls erwähnenswert ist die Digipack Ausführung und das umfangreiche Booklet mit ausführlichen Infos und zeitgenössischen Fotos der Born Again Ära. Auch wenn ich etwas voreingenommen bin, Born Again ist definitiv das beste Sabbath Album der Post Ozzy Ära und bei weitem nicht so schlecht, wie vielfach angenommen wird. Aufgrund der ansehnlichen Bonus CD sollte man hier unbedingt zuschlagen.

Triviales

Nach den Albumaufnahmen verläßt Drummer Bill Ward die Band erneut und wird für die Tournee von ELO Drummer Bev Bevan vertreten

Mit Nr. 4 ist Born Again das bestplazierteste Black Sabbath Album in den UK Charts seit Sabbath Bloody Sabbath (ebenfalls Nr. 4 im Dezember 1973)

Auf Verlangen von Ian Gillan spielen Black Sabbath jeden Abend im Zugabenteil den Deep Purple Klassiker „Smoke On The Water“

Angeblich ist „Digital Bitch“ eine Anspielung auf Sharon Osbourne, Tochter des damaligen Black Sabbath Managers Don Arden

„Trashed“ landet in den USA auf einer von der PMRC verfassten Liste mit den schlimmsten bzw. unanständigsten Songs, die jemals veröffentlicht wurden

Es existieren Videoclips zu „Zero The Hero“ und „Trashed“

Die Tour besteht aus vier unterschiedlichen Setlisten – bis auf „Trashed“ wird anfangs noch das komplette Born Again Album live vorgestellt, obwohl es erst Wochen später nach Tourstart in den Läden steht


Line Up
Ian Gillan (voc)
Tony Iommi (guit)
Geezer Butler (bass)
Bill Ward (dr)
All Keyboards By Geoff Nichols

Bev Bevan – Drums On CD 2 Track 3 - 11

Trackliste

CD 1:
01. Trashed
02. Stonehenge
03. Disturbing The Priest
04. The Dark
05. Zero The Hero
06. Digital Bitch
07. Born Again
08. Hot Line
09. Keep It Warm

CD 2:
01.The Fallen (Previously Unreleased Studio Outtake)
02. Stonehenge (Extended Version)

Live At Reading Festival 27. August 1983 (BBC Friday Rock Show Broadcast)
03. Hot Line
04. War Pigs
05. Black Sabbath
06. The Dark
07. Digital Bitch
08. Iron Man
09. Smoke On The Water
10. Paranoid






DISCOGRAPHY:

1970 - Black Sabbath
1970 - Paranoid
1971 - Master of Reality
1972 - Vol. 4
1973 - Sabbath Bloody Sabbath
1975 - Sabotage
1975 - We Sold Our Soul For Rock'n'Roll (Best of)
1976 - Technical Ecstasy
1978 - Never Say Die
1980 - Heaven and Hell
1981 - Mob Rules
1983 - Live Evil
1983 - Born Again
1986 - Seventh Star
1987 - Eternal Idol
1989 - Headless Cross
1990 - TYR
1992 - Dehumanizer
1994 - Cross Purposes
1995 - Cross Purposes Live
1995 - Forbidden
1996 - The Sabbath Stones (Best of)
1998 - Reunion
2002 - Past Lives
2002 - Symptom of the Univers (Best of)
2004 - Black Box
2007 - The Dio Years (Best of)

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