Squealer-Rocks.de CD-Review
Jeff Scott Soto - One Night In Madrid

Genre: Hard Rock
Review vom: 28.11.2009
Redakteur: Eric
Veröffentlichung: 04.12.2009
Label: Frontiers Records



Jeff Scott Soto live – da geht dem unwürdigen Schreiberling schon beim puren Anblick des Covers das Herz auf. Einer der besten Rock-Sänger wo gibt, nebenbei noch am Mikro bei Talisman und damit einer der, ihr ahnt es, unterbewertetsten Bands wo gibt, gleich auf zwei Silberlingen livehaftig: Das muss ein großartiges Album werden!

Und, im Gegensatz zum Cinderella-Livenachweis, der vor einem Monat dann doch einen schalen Beigeschmack hinterließ, erfüllt „One Night In Madrid“ alle Erwartungen, die man in den Mann und sein Können setzen darf.

Obwohl: So ganz frei von Skepsis war die Vorfreude dann doch nicht, schließlich tendiert Soto gerade auf seinen letzten Solo-Outputs eher in die funkig-soulige Ecke und dürfte damit zumindest diejenigen, die ihn als Frontmann beispielsweise von Axel Rudi Pell in Erinnerung haben, etwas ratlos zurücklassen. Ich spann euch nicht weiter auf die Folter: Seid entwarnt, ihr Rocker, auf „One Night In Madrid“ gibt’s die Vollbedienung, und zwar die Rock-Vollbedienung, bestenfalls aufgewertet durch funkige und soulige Nebentöne, vorzugsweise in den großartigen Balladen.

Im Grunde lässt sich die Setlist in drei Teile gliedern. Zum einen haben wir da natürlich die Solo-Songs des Herrn Soto, wo er das Augenmerk auf das neueste Album „Beautiful Mess“ legt und, wie angedeutet, auch diese Songs erstaunlich rockig rüber bringt. Daneben lässt er es sich natürlich nicht nehmen, grandiose Talisman-Songs ins Programm einzustreuen, wo insbesondere bei „I'll Be Waiting“ die Südeuropäer aber so was von steil gehen. Zuletzt bemächtigt sich der Meistersänger einiger Fremdkompositionen, wobei man sicher über die Neu-Interpretationen von Seals' „Crazy“ und insbesondere „Frozen“ von Madonna sicher gerne verschiedene Meinungen haben darf. Keine zwei Meinungen gibt’s bei dem Heavy-Brecher „Stand Up“, der vom Soundtrack zu „Rock Star“ stammt, auch dort von Soto eingesungen wurde und somit im Grunde gar nicht als Cover zählt. Und der, ganz nebenbei, beweist, dass Soto über die Jahre nichts von seiner Klasse eingebüßt hat, den Brüller zu Beginn der Nummer bringt er live noch heute so kraftvoll wie vor fast 10 Jahren.

Zum guten Schluss, wenn die Spanier schon völlig aus dem Häuschen sind, setzt Soto mit einem (dann doch) funkigen und höchst abenteuerlichen Medley einen gelungenen Schlusspunkt. Von „We Will Rock You“ über „I Love Rock'n'Roll“ bis hin zu „Staying Alive“ (ja genau, diese Schwuchtel-Nummer der Bee Gees, und Leute: Soto macht sogar dabei eine großartige Figur) knallt der Meisterbarde uns einen Mix von gut einem Dutzend Songs vor den Latz und treibt damit nicht nur die Stimmung endgültig in Richtung Siedepunkt, sondern zeigt seine ganze Klasse als Sänger.

Bei alldem entpuppt sich Soto nicht nur (natürlich) als großartiger Sänger, sondern als perfekter und höchst sympathischer Entertainer, dem die Interaktion mit dem Publikum mühelos gelingt. Lasst uns noch ein Wort über den Sound verlieren, denn er sollte Vorbild sein für andere Produktionen: Rau, erdig und kraftvoll, ungekünstelt und mit Publikumsreaktionen, die Stimmung erahnen und erhören lassen, ohne zwanghaft zur Stadionlautstärke gemischt zu sein: Besser geht das nicht!

Was bleibt, am Ende des Tages und zwei CD's? Das Live-Album des Jahres? Vielleicht, mir jedenfalls ist anno 2009 keine authentischere Live-Scheibe untergekommen, „One Night In Madrid“ ist Live-Konserve wie aus dem Lehrbuch. Kann man nach dem Hören eines Live-Albums ein größeres Kompliment aussprechen als „ich wünschte, ich wäre dabei gewesen?“ Kaum … aber so wird es euch gehen, bei einer bemerkenswerten Nacht in Madrid!

Tracklist:

CD 1:

01. Intro
02. 21st Century
03. Colour My XTC
04. Soul Divine
05. Our Song
06. Drowning
07. Edu Drum Solo
08. Funky Jam
09. Jorge Guitar Solo
10. Mountain
11. Eyes Of Love
12. Testify
13. Band Introductions
14. Broken Man

CD 2:

01. Hey
02. Frozen / Crazy
03. Piano Medley: If This Is The End / Holding On / Nobody Said It Was Easy / 4 U / Just Between Us
04. Gin & Tonic Sky
05. JSS/Jorge Workshop
06. I'll Be Waiting
07. Stand Up
08. Funky Medley: We Will Rock You / I Love Rock & Roll / Play That Funky Music / Jungle Boogie / The Roof Is On Fire / Brick House / Shake Your Booty / Kung Fu Fighting / Yo Baby Yo / Macho Man / The Right Stuff / Ice Ice Baby / Stayin' Alive / Another One Bites The Dust / Walk This Way

DISCOGRAPHY:

1995 - Jeff Scott Soto Presents Love Parade
2002 - Prism
2002 - Holding On (EP)
2002 - Live At The Gods (CD/DVD)
2003 - Live At Queen International Fan Club Convention (DVD)
2004 - Believe In Me (EP)
2004 - Lost In Translation
2006 - Essential Ballads
2009 - Beautiful Mess
2009 - Prims (Re-Release)
2009 - Lost In Translation (Re-Release)
2009 - One Night In Madrid (Doppel-CD)
2010 - Live At Firefest 2008

SQUEALER-ROCKS Links:

Jeff Scott Soto - Essential Ballads (CD-Review)
Jeff Scott Soto - Beautiful Mess (CD-Review)
Jeff Scott Soto - Prism (Re-Release) (CD-Review)
Jeff Scott Soto - Lost In Translation (Re-Release) (CD-Review)
Jeff Scott Soto - One Night In Madrid (CD-Review)
Jeff Scott Soto - Live At Firefest 2008 (CD-Review)

Jeff Scott Soto von Soul Sirkus (Interview)
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