Squealer-Rocks.de CD-Review
Primal Fear - New Religion

Genre: Power Metal
Review vom: 13.09.2007
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: 21.09.2007
Label: Frontiers



Reden wir nicht lange um den heißen, metallisch aufbereiteten Brei herum und nehmen das Fazit ausnahmsweise vorweg. Denn mit rhetorischen Fragen als lukrative Stilmittel müssen wir im Falle der schwäbischen Power Metal Institution Primal Fear beileibe nicht aufwarten. Und so wird zum weiß ich wievielten Mal das Unmögliche möglich gemacht und die exorbitant hohe Hürde des Vorgängers übertroffen. Ja, richtig gelesen. Der neue Rundling des Quintetts, NEW RELIGION, erfüllt nicht nur die Erwartungshaltung, sondern übertrifft diese bei Weitem. Von etwaigen Priest-Parallelen redet hier keiner mehr...

Jener vor Urzeiten zum „Metal God“ geschlagene Rob Halford mag zwar zusammen mit dem restlichen Priester-Clan eine feine Comeback-Scheibe (ANGEL OF RETRIBUTION) eingezimmert und -geschrieen haben, gegen den inbrünstigen, alles einnehmenden, die Strophen von „Sign Of Fear“ einleitenden Schrei von Ralf Scheepers passt jede „Judas is Rising“ Bekundung allenfalls in eine, am Tupperabend erkämpfte Vesperbüchse. Klingt frech, entspricht jedoch auch zweifelsohne der Wahrheit. Man muss nicht immer ehrfürchtig ein Blatt vor den Mund nehmen.

Womit wir wieder beim mehr als aufmüpfigen, das mit SEVEN SEALS gewonnene Selbstvertrauen problemlos konservierenden NEW RELIGION angelangt wären. Ob das dein Gedächtnis zu 100 Prozent einnehmende „Face The Emptiness“ oder die als Duett gebrandmarkte, höchstemotionale Ballade „Everytime It Rains“, bei der sich Simone Simons von Epica, die bereits mit Kamelot zusammengearbeitet bzw. -gesungen hat, an der Seite des sich auf dem ruhigen Sektor neue Fundamente aufbauenden Herrn Scheepers beweisen darf, alleine anhand des ersten guten Viertels weiß man bereits Bescheid, wohin die als „neue Religion“ ausgewiesene Reise gehen wird... und zwar geradewegs an die Spitze des Power Metal Metiers. Der doch sehr überraschende Labelwechsel von Nuclear Blast zum italienischen Hard Rock Vorzeige-Label Frontiers ändert nichts an dieser Tatsache.

Dabei erscheint einem das Rezept der Schwaben doch so einfach. Simple, vordergründige Gitarrenriffs, ein treibendes, zum Besten dieser Welt gehörendes Schlagzeugspiel (Hello Randy!) und eingängige Passagen, die keinen zweiten Anlauf benötigen, um vollends zu zünden. Nicht zu vergessen die von Ronald Prent (Rammstein, Iron Maiden, Manowar) getätigte Produktion, die geradezu Wörter wie „druckvoll“ definiert. Warum Stücke wie der schnörkellose Titeltrack, „Blood On Your Hands“ (es lebe das Mid-Tempo), das flotte „Too Much Time“ und das giftige „Psycho“ absolut jedem Freund des kernigen Power Metals einen Hörorgasmus verpassen, erklärt sich von selbst.

Die Annahme SEVEN SEALS und NEW RELIGION seien siamesische Zwillinge liegt da nahe. Nur, heuer haben Primal Fear mit „Fighting The Darkness“ und dem sphärischen Rausschmeißer „The Man (That I Don’t Know)“ noch zwei andächtige Meisterwerke auf Lager. Ersteres erstreckt sich auf, für Primal Fear Verhältnisse surreal erscheinende, neun Minuten und entführt einen in drei Parts in die Welt der metallischen Besinnlichkeit und instrumentalen Virtuosität.

Fazit: Die beste Power Metal Scheibe des Jahres – was auch sonst!?

Tracklist:
1. Sign Of Fear
2. Face The Emptiness
3. Everytime It Rains
4. New Religion
5. Fighting The Darkness
6. Blood On Your Hands
7. The Curse Of Sharon
8. Too Much Time
9. Psycho
10. World On Fire
11. The Man (That I Don’t Know)

Anspieltipps: Face The Emptiness, Fighting The Darkness, Too Much Time

Band Line-Up:
Ralf Scheepers – Gesang
Stefan Leibling – Gitarre
Tom Naumann – Gitarre
Mat Sinner – Bass, Gesang
Randy Black – Schlagzeug

DISCOGRAPHY:

1998 - Primal Fear
1999 - Jaws Of Death
2001 - Nuclear Fire
2001 – Horrorscope
2002 - Black Sun
2003 - The History Of Fear
2004 - Devil's Ground
2005 - Seven Seals
2006 - Metal Is Forever (Best Of)
2007 - New Religion
2009 - 16.6 (Before The Devil Knows You're Dead)
2010 - Live In The USA
2012 - Unbreakable
2014 - Delivering The Black
2016 - Rulebreaker

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