Squealer-Rocks.de CD-Review
Rammstein - Rosenrot

Genre: (Gothic) Industrial Rock
Review vom: 01.08.2005
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label:



Rammstein veröffentlichen innerhalb kürzester Zeit zwei Alben. Diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn gewohnt ist man so etwas von den sechs Ostdeutschen mitnichten. In der Vergangenheit dauerte es immer gute zwei bis drei Jahre bis neues Material gesichtet wurde. Nun ja, anno 2005 ist alles anderes. Das Songwriting zu REISE, REISE im Vorjahr war so ergiebig, dass die Band die damals unpassenden Ansätze nicht unter den Tisch fallen lassen wollte und deshalb mit ihnen ein neues Album kreierte. Ob dies ein lohnenswerter Schritt war? In Kürze werden wir es wissen.

Erster Durchlauf, zweiter Durchlauf, dritter Durchlauf, vor lauter Enttäuschung schaltet der Hörer seinen CD Player ab oder wechselt zu den ach so grandiosen Vorgängeralben von ROSENROT. Wo sind die Merkmale hin, die Rammstein berühmt gemacht haben und ihre Einzigartigkeit auszeichnet? Nichts mehr davon übriggeblieben? Zumindest nur wenig. Die ulkige, kurzweilige Eröffnungsnummer „Benzin“ weist immerhin ansatzweise diese Elemente auf, die REISE, REISE oder MUTTER das Prädikat „Überalbum“ verpasst haben und mit „Spring“ versuchen sich Till Lindemann und Co. auch wieder erfolgreich an kritischen Texten, die musikalisch akzeptabel und ohne großen Schnickschnack verpackt wurden. „Mann Gegen Mann“, „Zerstören“ und „Feuer Und Wasser“ bieten hingegen nichts anderes als uninspiriertes, unterdurchschnittliches Rammstein-Liedgut, das schon um einiges besser zu hören war.

Ansonsten regieren auf ROSENROT im Gothic verhedderte, melancholische Tracks, die in dieser Jahreszeit mit Sicherheit nicht deplaziert sind, aber sich weit aus dem eigentlichen Rammstein Fenster hinauslehnen. Reden wir Tacheles: Wer der Platte keine Chance gibt und die Vergangenheit nicht Vergangenheit sein lässt und sich nicht auf das aktuelle beschränkt, wird von dieser Enttäuschung, die sich wie oben in den ersten drei Durchläufen festsetzte, nicht wegkommen. Ich sprach von der Einzigartigkeit von Rammstein. Auf diese muss man sich berufen, damit aus der Enttäuschung eine etwas positive Überraschung wird. Klingt komisch, ist aber so. Rammstein sind einzigartig, aufgrund ihres Klangspektrums und ihrem Hang das zu tun auf das sie Lust haben. Anno 2005 heißt diese Lust über weite Strecken nun mal traurige Balladen. Ja, warum denn nicht. Bei Entfernen der eigens angefertigten Rammstein-Vereinsbrille wird einem deutlich, welche Perlen sich nämlich in der Trackliste verstecken („Rosenrot“, „Wo Bist Du“, „Stirb Nicht Vor Mir“ und „Ein Lied“).

Auf REISE, REISE war es „Moskau“, auf ROSENROT ist es „Te Quiero Puta!“ ... Rammsteins Suche nach neuen Horizonten wird in der spanisch-mexikanischen Sprache erfolgreich abgeschlossen. Dieser Punsch aus traditioneller Musik aus dem „Land der Kakteen“ und bekannten Rammstein Hooklines fällt extrem aus dem rosenroten Rahmen, vertröstet einen und zeigt, dass Rammstein mit ihrem eigenen Latein noch nicht am Ende sind, auch wenn einige Songs (siehe oben) diesen Anschein erweckt haben.

Fazit: „Immer wenn ihr traurig seid, spielen wir für euch ... ein Lied!“ Schön wär’s, werden sich die Enttäuschten unter den Rammsteinfans denken. Mit ROSENROT bringt das Dresdener Sextett sein ungewöhnlichstes, wenn auch bestimmt nicht bestes Werk auf den Markt, welches sich für den gewillten Hörer als große Herausforderung darstellt. Viele Songs passen zur besinnlichen und kalten Jahreszeit wie die Faust auf‘s Auge. Rammstein zeigen sich heuer von ihrer gefühlvollen Seite, die mit „Ohne Mich“ auf REISE, REISE schon mal kurz durchgeschimmert ist. Ein mutiger Schritt, dem ich Beifall schenken kann. Zu den lauwarm aufgewärmten Industrial Rock/Metal Songs auf ROSENROT kann ich das größtenteils nicht...


Tracklist:
1. Benzin
2. Mann Gegen Mann
3. Rosenrot
4. Spring
5. Wo Bist Du
6. Stirb Nicht Vor Mir
7. Zerstören
8. Hilf Mir
9. Te Quiero Puta!
10. Feuer Und Wasser
11. Ein Lied

Anspieltipps: Spring, Wo Bist Du, Stirb Nicht Vor Mir, Ein Lied

Band Line-Up:
Till Lindemann – Gesang
Paul H. Landers – Gitarre
Richard Z. Kruspe – Gitarre
Oliver Riedel – Bass
Christoph Schneider – Schlagzeug
Christian „Flake“ Lorenz – Keyboards

DISCOGRAPHY:

1995 – Herzeleid
1997 – Sehnsucht
1999 – Live Aus Berlin
2001 – Mutter
2004 – Reise, Reise
2005 – Rosenrot
2006 - Völkerball (CD/DVD)

SQUEALER-ROCKS Links:

Rammstein - Mutter (CD-Review)
Rammstein - Reise, Reise (CD-Review)
Rammstein - Rosenrot (CD-Review)

Rammstein und Combichrist - Köln, Lanxess-Arena (Live-Review)

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