Squealer-Rocks.de CD-Review
Moonsorrow - Tulimyrsky EP

Genre: Progressive Epic Folk Metal
Review vom: 03.05.2008
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: 09.05.2008
Label: Spikefarm



Wer bislang glaubte, dass Moonsorrow eine ganz gewöhnliche Band seien, die ab und an mit ihren Liedlängen etwas über die Strenge schlagen, der wird sich bei der neusten Veröffentlichung der Finnen um die beiden Cousins Ville und Henry Sorvali verwundert die Augen reiben, denn was sich auf der schlicht mit TULIMYRSKY EP betitelten Scheibe zusammenbraut, ist alles andere als gewöhnlich. Wer Moonsorrow und deren Hang zum epischen, mit Black Metal verwobenen Stil, den sie selbst als Epic Heathen Metal bezeichnen, kennt, dem steht wohl bereits seit den Verlautbarungen auf der Homepage der „Feuersturm“ in den Augen. Auf in die Schlacht!

Stand beim letzten Longplayer VIIDES LUKU: HÄVITETTY bereits die Frage im Raum, ob es verrückt oder genial sei ein Album zu veröffentlichen, das einzig und alleine aus zwei Songs besteht, welche eine Spielzeit von zusammen einer Stunde erreichen, so stellt sich heuer eine ähnliche Frage, denn welche Band veröffentlicht eine EP, deren Spielzeit die meisten Alben kurz erscheinen lässt? Richtig, das tun nur Moonsorrow.
Was die EP augenscheinlich aber von einem Album unterscheidet ist die Tatsache, dass sich einzig ein neuer Track darauf befindet, der jedoch knapp die Hälfte der Spielzeit von 68 Minuten einnimmt. Den Rest bilden die Neueinspielungen zweier alter Demosongs und zweier Coversongs – zu dieser B Seite aber später mehr. Wenden wir uns lieber voller Vorfreude dem Streich mit dem klangvollen Namen „Tulimyrsky“ zu.

Einem Fan der Finnen brauche ich eigentlich nur sagen, dass das Stück alle Stärken Moonsorrows beinhaltet, die von klassischen Songstrukturen, über episch melodische Passagen, bis hin zu gewalttätigen Black Metal Attacken reichen, jedoch diese wohlbekannten Elemente in einem ganz neuen Licht erstrahlen lässt. Für alle Fans gilt alleine schon wegen dieses Liedes: Zugreifen!
Für alle anderen, denen klassische Epik und rabiater Black Metal nicht Gänsehautschauer über den Rücken jagen lassen, sollte man vielleicht einwenig mehr ins Detail gehen, wenngleich man kaum ein Stück dieser Art in Worten vollständig wieder zu geben in der Lage ist – aber ich will es dennoch versuchen.

Das Lied „Tulimyrsky“ beginnt mit sanftem Meeresrauschen und dem Tosen von Brandungswellen, zu welchen sich das Geräusch von Wind mischt. Von der ersten Sekunde an spürt man, dass sich hier etwas Gewaltiges aufbaut. Als würde man einem Hörbuch lauschen, erscheint zwischen diesen die Stimme eines Erzählers Turkka Mastomäki, der in ruhigen, fast melancholisch feierlichen Worten wohl die Geschichte erzählt – manchmal wünscht man sich wirklich die Lyrics zu den Promo CDs, denn so gut sind meine Finnischkenntnisse nicht.
In diese friedliche Stimmung bricht plötzlich der erste Hauptteil des Liedes, der auf brutale Weise diese zerstört. Sehr an Oldschool Black Metal erinnernd peitschen Gitarren und Schlagzeug über den Hörer hinweg. Ob beabsichtig oder nicht fehlt diesem Teil zunächst der von Moonsorrow gewöhnte Druck und der Sound wirkt im Allgemeinen etwas unsauber und dumpf. Jedoch gewinnt dieser gewalttätige Blastbeatangriff unter dem Kreischen Villes immer weiter an Volumen, um schließlich im ersten der Zwischenparts zu münden. In diesem erscheint erneut der Erzähler, begleitet von akustischen Gitarren, die eine melancholische Melodie tragen. Aus dieser erhebt sich der zweite Hauptteil auf wunderbar hymnische Weise, in der Folklore mit Epik und traumhaften Melodien zu einer stimmungsvollen Atmosphäre verschmelzen. Dieser wird wiederum von einem Zwischenspiel mit Erzähler unterbrochen, wonach der dritte Hauptteil folgt und jener hat es wahrlich in sich. In unnachahmlicher Weise verbinden sich hierin die Elemente der beiden anderen Passagen zum Moonsoorow typischen Pagan Metal, der hymnisch, erhebend, episch und gleichzeitig hart und temporeich ist. Wer nun aber glaubt, dass das schon alles gewesen wäre, der sollte sich vielleicht einmal klassische Musikstücke zu Gemüte führen, denn in jenen folgt am Ende noch ein krönendes Finale – ebenso hier. Chöre und raumgreifende Melodien bilden ein klassisches, dramatisches und wunderbares Finale, das man wirklich selbst gehört haben muss!

Man muss erst wieder nach Atem schöpfen, nachdem dieses atemberaubende Lied verklungen ist, aber viel Zeit hat man nicht, denn gleich geht es weiter zur B Seite der EP.
Und diese beginnt mit dem Cover eines sehr bekannten Liedes einer ebenso bekannten Band – die Rede ist von „For Whom The Bell Tolls“ von Metallica.
Wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man das Stück in einigen Passagen für ein Moonsorrow Lied halten, denn Rhythmus und Epik sind eindeutig made by Moonsorrow, jedoch sehen die wohlbekannten Strophen etwas seltsam und befremdlich in diesem düsteren Gerüst aus, denn zum einen kann der „Gesang“ nicht überzeugen und zum anderen stehen die Chöre dem Lied nicht besonders. Alles in allem aber eine interessante Interpretation eines sehr bekannten Stückes.

Die beiden älteren Lieder „Taistelu Pohjolasta“ und „Hvergelmir“, die auf den Demos TÄMA IKUINEN TALVI und METSÄ erschienen sind, huldigen dem von Keyboards begleiteten Black Metal der Mittneunziger. So gibt es nur wenig, was an das heutige Moonsorrow erinnert. Wenngleich sich beide Songs druckvoll zeigen und rein qualitativ in den oberen Sphären der Black Metal Szene tummeln dürften, fehlt es ihnen aber an jenem Element, das Moonsorrow von allen anderen Bands unterscheidet. Die Keyboards erzeugen weniger dieses erhebende, epische Gefühl, welches so eindrucksvoll in „Tulimyrsky“ zur Geltung kam, sondern klingen allzu unspektakulär, was im Großen und Ganzen auch auf den Rest der beiden Lieder zutrifft.

Das letzte Stück stellt erneut eine Coverversion dar. Diese Mal nehmen sich die Mannen des Merciless Songs „Back To North“ an. Ohne das Original zu kennen, erscheint die Moonsorrow Umsetzung auf beeindruckende und mitreißende Art als das beste Stück der B Seite und bildet so einen gelungenen Abschluss einer außergewöhnlichen EP.

Ich will mich nach so vielen Worten am Ende kurz fassen, deswegen: Kaufen!


Tracklist:
A Seite
1. Tulimyrsky
B Seite
2. For Whom The Bell Tolls (Metallica Cover)
3. Taistelu Pohjolasta (2008)
4. Hvergelmir (2008)
5. Back To North (Merciless Cover)

Line-Up:
Ville Sorvali – Gesang, Bass
Henri Sorvali – Gitarre, Keyboards
Mitja Harvilahti – Gitarre
Marko Tarvonen – Schlagzeug, Percussion
Markus Eurén – Keyboards

DISCOGRAPHY:

1996 - Thorns Of Ice (Demo)
1997 - Metsä (Demo)
1998 - Tämä Ikuinen Talvi (Demo)
2001 - Suden Uni
2001 - Voimasta Ja Kunniasta
2003 - Kivenkantaja
2003 - Suden Uni (ReRelease)
2005 - Verisäkeet
2007 - Viides Luku: Hävitetty
2008 - Tulimyrsky EP
2011 - Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa



SQUEALER-ROCKS Links:

Moonsorrow - Viides Luku: Hävitetty (CD-Review)
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Moonsorrow - Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa (CD-Review)

Moonsorrow, Swallow The Sun, Debauchery, Týr - Ludwigsburg, Rockfabrik (Live-Review)

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