Squealer-Rocks.de CD-Review
Deadlock - Wolves

Genre: (Death) Metal
Review vom: 08.05.2007
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label: Lifeforce



„Die Schöne und das Biest“ mal etwas anders. Bisweilen war diese, in den meisten Fällen recht einfallslose, Gesangskombination den deutschen und skandinavischen Gothic Acts vorbehalten. Mit Deadlock versuchen sich seit einigen Jahren auch bekennende Death Metaller an dieser Variante, die dem Genre weitere, noch unentdeckt gebliebene Grenzen öffnen soll. Mit dem über Lifeforce Records erschienenen WOLVES geht der graziöse Death Metal, der eigentlich gar keiner mehr ist, in seine die dritte Runde.

Überhaupt bildet der deutschlandweit beheimatete Sechser eine Band der Kontraste, die diese zu einem homogenen und hochexplosivem Gemisch zusammenführt und sich so – mit Verlaub und gleichzeitigem Absetzen des Huts gesagt – zu einer beispielslosen Einzigartigkeit avanciert. Engelsgleiche Gesänge (Sabine Weniger), bei der jede Casting-Show nach zwei Minuten entschieden wäre, treffen auf die pure Essenz des Animalischen (Johannes Prem), Klassik-Einschübe und Synthesizer-Einspielungen unterbrechen das stahlharte Death Metal Riffing und so weiter und so fort...
...und alles geht, ohne auch nur den Anflug von Ungereimtheiten, Hand in Hand. Das Anschlagen des Reifeprozesses, der seit dem bereits sehr erhabenen, aber phasenweise noch etwas zu ungestümen EARTH.REVOLT in vollem Gange ist, ist auf WOLVES deutlich zu spüren.

Wen verwundert es, dass bei dem Opener „We Shall All Bleed“, der angefangen bei der vollen Drum- und Gitarrenbreitseite zum Einstieg, über das famose gesangliche und stilistische Wechselspiel von knallhart zu butterweich und die filigrane Soli-Tirade bis hin zum balladesk veranlagten Ausklang die Abwechslung auf Händen trägt, selbst die beinharten Metaller vor Geilheit (des Liedes wegen, versteht sich) auf die Knie gehen.

Kaum sieht man in „Code Of Honor“ In Flames, Dark Tranquillity und Soilwork Abbildungen, geht der Song auch schon in einen überaus poppigen Chorus über, mit dem man den Vergleichsoptionen erneut den Riegel vorschiebt. Das Hantieren mit der Klassik entstammenden Elementen geht in „Losers' Ballet“ gar soweit, dass das Stück dem diabolischen Symphonic Black Metal der Marke Dimmu Borgir angerechnet werden könnte. In „End Begins“ sträubt man sich zudem gegen alle metallischen Vorgaben und taucht kurzzeitig vollständig in die Welt des Techno ein, ehe man zum melodisch getränkten Death Metal zurückkehrt. Nenne es bescheuert oder mutig, ich nenne es genial.

Das Schlimme für jeden Kritiksüchtigen: Trotz der – zum Teil – erheblichen Unterschiede von Song zu Song bleibt stets die eigene Handschrift der Band erkennbar.
Noch schlimmer: Kein Track des selbstproduzierten und von Top-Mann Jacob Hansen abgemischten Albums fällt im Vergleich zu den anderen ab, was für die hochprofessionelle Art und Weise, mit der Deadlock auf WOLVES zu Werke gehen, spricht. Die technischen Aspekte lässt die Scheibe jedenfalls nicht zu kurz kommen.

Fazit: Von der IT-Bedeutung des Bandnamens, die eine permanente gegenseitige Verklemmung von zwei oder mehreren Prozessen beschreibt, sind Deadlock weit entfernt. Die auf WOLVES ablaufenden Prozesse, also das Vermischen der verschieden Stile, läuft reibungslos und auf einer, sich allmählich dem Übernatürlichen annähernden Ebene statt, dass jeder User, also jeder Hörer, der sich mit WOLVES beschäftigt, die Platte aufgrund ihrer Extravaganz und Klasse lieben wird...
Und das vom Intro „World Domination“ bis zur finalen, höchstemotionalen Pop- bzw. Pianoballade „To Where The Skies Are Blue“.

Tracklist:
1. World Domination
2. We Shall All Bleed
3. Code Of Honor
4. Losers' Ballet
5. Dark Cell
6. Crown Of Creation
7. End Begins
8. As Words To Bullets
9. Praeludium II
10. Bloodpact
11. To Where The Skies Are Blue

Anspieltipps: We Shall All Bleed, Code Of Honor, End Begins, To Where The Skies Are Blue

Band Line-Up:
Sabine Weniger – Gesang, Keyboards
Johannes Prem – Gesang
Sebastian Reichl – Gitarre, Keyboards
Gert Rymen – Gitarre
Thomas Huschka – Bass
Tobias Graf – Schlagzeug

DISCOGRAPHY:

2000 - I’ll Wake You When Spring Awakes (EP)
2002 - The Arrival
2003 - Deadlock/ Six Reasons To Kill (Split CD)
2005 - Earth.Revolt
2007 - Wolves
2009 - Manifesto

SQUEALER-ROCKS Links:

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Neaera und Deadlock - Karlsruhe, Die Stadtmitte (Live-Review)

Sebastian Reichl von Deadlock (Interview)
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