Squealer-Rocks.de CD-Review
Saidian - Evercircle

Genre: Melodic Metal
Review vom: 28.05.2009
Redakteur: Colin
Veröffentlichung: 29.05.2009
Label: Blistering Records/Edel



Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob HELLOWEEN es absehen konnten, was sie uns mit ihren beiden „Keeper“-Alben angetan haben. Dabei meine ich jetzt sicherlich nicht, dass die Musik der Platten schlecht wäre, nein, die ist nach wie vor über jeden Zweifel erhaben und gehören zu Recht in jede halbwegs vernünftige Plattensammlung. Ich meine viel eher die Armeen von Nachahmern, die sich zwar die Originale mehrere tausend Male angehört haben, die Musik aber so verinnerlicht haben, dass sie jede Eigenständigkeit vermissen lassen. EDGUY hingegen waren da ein positives Gegenbeispiel. Die haben sich im Laufe ihrer Karriere derart weiterentwickelt, dass sie heute teilweise öfter als Vergleich bei melodischen Power Metal-Platten herangezogen werden als die Kürbisköpfe.

Mit „Evercircle“ liegt nun erneut eine Scheibe vor, die ihre Quintessenz aus exakt den beiden oben genannten Bands (plus vielleicht noch ältere STRATOVARIUS) zieht. SAIDIAN stammen ebenfalls aus Deutschland und spielen Power Metal, der weniger von Gitarren, dafür aber umso mehr von Keyboards dominiert wird. Prinzipiell nicht tragisch, aber dennoch immer wieder ein Tanz auf der Rasierklinge, wenn man so will. Es besteht in solchen Fällen immer die Gefahr, dass die Keyboardteppiche den Härtegrad aus den Songs nehmen und sie so eher für ein Pop- als für das Metal-Publikum interessant machen oder einfach nur nerven. SAIDIAN haben auf ihrem dritten Album genau mit diesem Problem zu kämpfen. Die Songs gehen alle gut ins Ohr, sind hoch melodisch und fast immer hymnisch arrangiert. Daraus ergibt sich der erste richtige Kritikpunkt von „Evercircle“. Mir persönlich klingt das alles ein wenig sehr kitschig und zu wenig nach bratenden Gitarren, die als gleichberechtigter Gegenpol zu den Keyboards stehen. Meines Erachtens haben dieses Problem andere Bands besser im Griff und umschiffen die Klippe mit wesentlich mehr Geschick.


Ein weiteres „Problem“ bei SAIDIAN sind die Melodien. Hier vermisst man jedwede Eigenständigkeit oder Inspiration. Die auf „Evercircle“ präsentierten Melodien hat man alle schon irgendwo einmal gehört, auch besser. Das mag auch zu einem nicht unerheblichen Teil daran liegen, dass sich Sänger Markus Engelfried phasenweise sehr stark nach Tobias Sammet anhört. Den Tiefpunkt in dem Fall markiert die Nummer „The Princess“, die im Refrain fast original wie „Vain Glory Opera“ von EDGUY klingt. Bei den anderen Stücken ist die Nähe zu den Originalen nicht ganz so frappant, aber es fehlt SAIDIAN an dieser Stelle völlig die eigene Identität. Die zweifellos guten Ansätze (wie in „Moonlight’s Calling“) wirken sich durch derartige Nachlässigkeiten im Songwriting eher negativ auf das Gesamtbild aus, als dass sie Jubelstürme entfachen würden. Dabei ist die Scheibe handwerklich eindeutig gut gemacht und es sind auch einige knackige Stücke wie „Halos For Everyone“ auf dem Album. Der Großteil des Geschehens spielt sich aber etwa in der Mitte zwischen guten und schlechten Songs ab.


Eine Kaufempfehlung gebe ich hier nicht. Es soll jeder selbst herausfinden, ob SAIDIAN mit „Evercircle“ ein gutes Album aufgenommen haben. Mir persönlich ist die Scheibe zu wenig eigenständig und zu nah an den oben genannten Vorreitern, beziehungsweise Originalen, gehalten. Wenn dann auch noch Totalausfälle wie das völlig unsinnige „Tokyo“ auf der Platte sind, reicht das nicht für ein positives Fazit. Ganz schlecht geht anders, sehr gut aber auch. Eine ganz klare „geht so“-Platte also.



Tracklist:
1. Out Of The Shadows
2. Tokyo
3. Solomon’s Dance
4. Pale Moon Rider
5. Stroke Of Genius
6. Moonlight’s Calling
7. Sign In The Sky
8. The Princess
9. Halos For Everyone


Line-Up:
Markus Engelfried – Vocals
Rodrigo Blattert – Guitars
Stephan Lüddemann – Bass
Bernd Henning – Drums
Markus Bohr - Keyboards

DISCOGRAPHY:

2005 – ...For Those Who Walk The Path Forlorn
2006 – Phoenix

SQUEALER-ROCKS Links:

Saidian - Phoenix (CD-Review)
Saidian - For Those Who Walk The Path Forlorn (CD-Review)
Saidian - Evercircle (CD-Review)

Pure Metal Friday - Stuttgart, LKA Longhorn (Live-Review)

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