Squealer-Rocks.de CD-Review
Genesis - Trespass (SACD + DVD Audio)

Genre: Progressive Rock
Review vom: 13.03.2009
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: Bereits veröffentlicht
Label: Virgin UK (EMI)



„Die SACD wurde als Nachfolger der Audio-CD (CD-DA) konzipiert und steht seit mehreren Jahren in Konkurrenz zur DVD-Audio, die ähnliche Fähigkeiten bietet. Die SACD verwendet eine höhere digitale Auflösung des Audiosignals als die Audio-CD und bietet außerdem die Möglichkeit, Mehrkanalton (sogenannten Surround Sound) ohne Datenreduktion zu speichern.“
Soweit die Beschreibung auf „Wikipedia“, ein fachkundiger Kumpel von mir drückt es etwas griffiger aus:“ Klingt geiler als 'ne normale CD!“.
Dem kann ich nur zustimmen. Wobei ich persönlich nicht beurteilen kann, ob es am genialen Remastering der alten Scheiben oder der edlen Hybrid - SACD liegt – eigentlich auch egal.
Denn das Endprodukt ist zweifellos umwerfend und ohne Übertreibung eine Klasse für sich.


Der (fast) komplette Genesis Backkatalog wurde bereits in drei Boxen im SACD Format in remasterten Versionen wieder veröffentlicht, wobei jede einzelne Box bereits am Tag der Veröffentlichung nahezu vergriffen war. Nun gibt es die Alben Nummer 2 – 5 auch einzeln zu erwerben. Jedem Exemplar ist wieder eine Audio – DVD (mit Extras!) beigefügt, über deren klangtechnische Qualität ich mich bereits im Review über das Box - Set ausführlich geäußert habe. Deshalb diesmal dazu nur ein Wort: OHRGASMUS!

Den Anfang der Serie macht „Trespass“, das zweite Genesis Album; das Debut wurde nicht neu aufgelegt. Ich kenne die Platte nicht, aber glaubt man den Experten, so klingt es wie die Bee Gees in Schlecht.
„Trespass“ ist somit die erste ernst zu nehmende Arbeit der Herren Gabriel, Banks und Rutherford. An den Drums ist hier noch John Mayhew zu hören und die Gitarre wurde von Anthony Philips eingespielt.
Auch wenn das Album nicht als Meilenstein gewertet wird, so besitzt es doch eine Magie, der man sich schwerlich entziehen kann.
Der Opener „Looking For Someone“ jedenfalls hat sich bereits nach den ersten von Peter Gabriel gesungenen Sätzen in mein Herz gefressen und will dort auch nicht mehr weg.
Die Melodien weisen den Weg für eine komplette Szene, die sich bis heute gehalten hat. Die anfangs so betörende Harmonie schlägt irgendwann in eine chaotische Aggression um, nur um kurz darauf wieder von einer fast hypnotischen Ruhepause mit lieblichen Flötenklängen abgelöst zu werden. Die Härte, die hier streckenweise zu hören ist, muss zu jener Zeit (1970) wie eine akustische Revolution gewirkt haben.
Für mich ist dieser 7 - minütige Trip in eine andere Welt einer der größten Meilensteine intelligenter Rock – Musik und einer der besten 10 Genesis Songs.

In punkto Melodie setzt „White Mountains“ noch einen drauf. Ebenfalls ein Paradebeispiel epischer Liedkunst, mit viel Flöte und einem erzählerischen Feeling, besitzt die Nummer durch ihre Dramatik fast schon Musical Charakter. Nun weiß man, woher Prog - Stars der neueren Zeit wie Manning ihre Ideen haben.(Und ich fresse einen Besen, wenn Billy Joel sein Pfeifen bei „The Stranger“ nicht hier abgekupfert hat).
Das Genesis bereits vor knapp 40 Jahren einen Hang zum schmusigen Pathos hatten, wird bei „Visions Of Angels“ deutlich – obwohl Phil Collins noch gar nicht dabei war.
Blöder Witz – schon klar. Aber der Track klingt in der Tat wie eine Kuschel - Rock Nummer, die mit Prog - Elementen angereichert wurde, um die Klientel nicht zu verärgern.
Dennoch sehr ergreifend, das Ganze; vor allen Dingen Tony Banks' Keyboardspiel ist schon den Kauf des Albums wert.

„Stagnation“ ist - für Genesis Verhältnisse – eher mau. Plätschert so vor sich hin und könnte auch ein Teil aus „War Of the Worlds“ sein. Nett, ja – nett eben...
(Muss ich erwähnen, dass ein „nett“ bei Genesis einem „unerreichbar“ für andere Bands entspricht? Muss ich wohl nicht...)
Trotzdem ist „Dusk“ auch nur nett. Klingt ein bisschen wie ein Lückenfüller dieser ruhige Ausflug, der einer Ballonfahrt gleicht. Sehr entspannend, aber nicht spannend.

Macht aber nix, denn diese Ruhephase haben wir alle nötig, schließlich kommt als finale Explosion „The Knife“. Härter als Deep Purple oder Black Sabbath in jenen Tagen donnern die Briten hier ein Stück Musik in den Orkus, das für den Progressive Rock in Reinkultur steht, aber nicht das ist, was wir heutzutage unter diesem Begriff verstehen. Das Zauberwort heißt ATMOSPHÄRE!
Jede einzelne Sekunde dieses Stücks ist pure Magie. Es gibt wohl keinen anderen Song, der die harte Musik der Siebziger so treffend repräsentiert wie „The Knife“.

„Trespass“ kann also aufgrund von drei unsterblichen Klassikern durchaus als wegweisendes Album angesehen werden.
Fast unmöglich zu glauben, dass es ab jetzt noch besser wurde.
Doch der Nachfolger „Nursery Cryme“ bewies mit den Neuzugängen Phil Collins und Steve Hackett, dass es immer noch eine Steigerung gibt...

...to be continued....

Tracklist:
1. "Looking For Someone"
2. "White Mountain"
3. "Visions Of Angels"
4. "Stagnation"
5. "Dusk"
6. "The Knife"

DVD Extras:
Reissues Interview (2007)

Line Up:
Peter Gabriel - Lead Voice, Flute, Accordion, Bass Drum, Tambourine
Anthony Phillips - Guitars
Tony Banks - Keyboards
Mike Rutherford - Bass, Cello
john Mayhew - Drums









DISCOGRAPHY:

1969 - From Genesis To Revelation
1970 - Trespass
1971 - Nursery Cryme
1972 - Foxtrot
1973 - Selling England By The Pound
1974 - The Lamb Lies Down On Broadway
1974 - The Lamb Story
1976 - A Trick Of The Tail
1977 - Seconds Out
1977 - Wind And Wuthering
1978 - ... And Then There Were Three ...
1980 - Duke
1981 - Abacab
1982 - Three Sides Live
1983 - Genesis
1986 - Invisible Touch
1991 - We Can't Dance
1997 - Calling All Stations
1999 - Turn It On Again - The Hits
2000 - DVD: The Way We Walk
2001 - DVD: Genesis Songbook
2003 - DVD: Live At Wembley
2004 - DVD: Video Show
2004 - DVD: Inside Genesis 1975-1980
2004 - Platinum Collection
2005 - DVD: Inside Genesis: The Gabriel Years 1970-1975
2005 - DVD: Critical Review: 1970-1980
2007 - Live Over Europe
2007 - Turn It On Again - The Hits (Tour Edition)
2008 - DVD: When In Rome
2008 - Box: 1970 - 1975
2008 - Box: 1976 - 1982
2008 - Box: 1983 - 1998


SQUEALER-ROCKS Links:

Genesis - Genesis: 1970 - 1975 ( Box Set mit 7 CDs + 6 DVDs) (CD-Review)
Genesis - Trespass (SACD + DVD Audio) (CD-Review)
Genesis - Nursery Cryme (SACD + DVD Audio) (CD-Review)
Genesis - Foxtrot (SACD + DVD Audio) (CD-Review)
Genesis - Selling England by the Pound (SACD + DVD Audio) (CD-Review)

Genesis - When In Rome 2007 (DVD-Review)

SONSTIGES:

BANDHOMEPAGE
Diesen Beitrag im Forum diskutieren