Squealer-Rocks.de CD-Review
Falconer - Northwind

Genre: Folk Pop Metal
Review vom: 22.09.2006
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label:



Obwohl das letzte Falconer-Album GRIME VS. GRANDEUR gerade mal ein gutes Jährchen auf dem Buckel hat, gab es in den vergangenen Monaten genügend spektakuläre Ereignisse rund um die Band des etwas eigenwilligen Masterminds, Stefan Weinerhall. Trotz guter Kritiken und der Tatsache, dass sich Sänger Kristoffer Göbel extensiv am Songwriting beteiligte, tauschte „El Bosso“ diesen gegen seinen alten Sängerknaben Matthias Blad ein, um laut eigenen Angaben zu den Ursprüngen von Falconer und den damit verbundenen Überalben zurück zu kehren. Vorhang auf für NORTHWIND, Album Nummer fünf der Schweden, Album Nummer drei mit Matthias am Gesang.

Dass das schwedische Unternehmen mit seinen Umwälzungen an den „Glanztaten“ der ersten beiden Veröffentlichungen FALCONER (2001) und CHAPTERS FROM A VALE FORLORN ansetzen würde, erwarteten einzig die kühnsten Optimisten. Weder die zwischen fröhlicher, bedeckter und trister Folklore tanzenden Gehörgängefresser noch die wesentlich mehr auf Power Metal und Gitarrenbretter getrimmten Smasher des Vorgängers gehören in irgendeiner Form zum Hauptbestandteil von NORTHWIND, das quasi eine neue Ära in der kurzen, aber veröffentlichungsstarken Geschichte von Falconer einläuten wird. Dass man mit der „lieblichen“, ausdrucksstarken, die Melodien selbst schreibenden, aber keineswegs für Shouter-Einlagen ausgelegten Stimme des hauptberuflichen Opernsängers Matthias Blad stilistisch wieder ruhiger und bedingt mehr auf Folk anstatt auf Heavy Metal ausgelegt zur Sache gehen wird, davon war – ohne den Klugscheißer zu spielen – auszugehen. Dass allerdings auf locker, flockige Popnuancen in Kooperation mit kleinen Zutaten der CHAPTERS FROM A VALE FORLORN Zeit unter dem Banner „Falconer“ gesetzt werden, damit konnte man hingegen eher nicht rechnen.

So unberechenbar sind nun mal einzig und alleine die Mannen um Stefan Weinerhall. Im gleichen Atemzug, in dem man die Band für das „fade“, an Weichspühler-Pop grenzende und durchaus friedliche NORTHWIND verfluchen möchte, fällt man vor den 14 kurzweiligen Kompositionen auf die Knie. Den semiballadesken Titeltrack und gleichzeitigen Albumeinstieg schließt man auf Anhieb in sein Herz, den flotten, ultraeingängigen Chorus von „Spirit Of The Hawk“ singt man nach einmaligem Kontakt inbrünstig mit und mit der, in der Heimatsprache der fünf verfassten, Ballade (der Running-Gag des Albums) „Himmel Så Trind“ übertraf man sich mal wieder selbst und liefert ein absolutes Jahres- bzw. Karrierehighlight ab, das leichte Erinnerungen an den In Extremo Klassiker „Villeman Og Magnhild“ weckt.

Wen juckt es schon, dass die Balladen „Legend And The Lore“ und „Long Gone By“ nur so vor Schmalz und Klischees triefen oder die Tracks „Catch The Shadows“ und „Tower Of The Queen“ typischen „Happy“ Metal zelebrieren, die einem Andi Deris (Helloween) schlaflose Nächte bereiten würden? Mich nicht!

Fazit: Streicht für knapp 55 Minuten „Enter The Glade“, „The Clarion Call“ und wie sie alle heißen, die Ausnahmesongs aus dem Hause Falconer, aus dem Gedächtnis und besinnt euch mit NORTHWIND neu. Man mag bei den ersten Umdrehungen der Scheibe schockiert sein, doch als Enttäuschung wird selbst das am heftigsten kritisierte Album der Skandinavier nicht abgestempelt – dafür verfügen sie über zu viele Hochkaräter, die sie stets an der Spitzenposition halten – auch mit oder gerade wegen NORTHWIND.

Info: Für alle Käufer des NORTHWIND-Digipacks gibt’s obendrauf noch die allesamt auf schwedisch vorgetragenen Songs „Kristallen Den Fina“, „Ridom, Ridom“, „Liten Vätte“ und „Vårvindar Friska“.

VÖ: 22. September 2006

Tracklist:
1. Northwind
2. Waltz With The Dead
3. Spirit Of The Hawk
4. Legend And The Lore
5. Catch The Shadows
6. Tower Of The Queen
7. Long Gone By
8. Perjury And Sanctity
9. Fairyland Fanfare
10. Himmel Så Trind
11. Blinded
12. Delusion
13. Home Of The Knave
14. Black Tarn

Anspieltipps: Northwind, Waltz With The Dead, Spirit Of The Hawk, Himmel Så Trind

Band Line-Up:
Matthias Blad – Gesang
Stefan Weinerhall – Gitarre
Jimmy Hedlund – Gitarre
Magnus Linhardt – Bass
Karsten Larsson – Schlagzeug

DISCOGRAPHY:

2001 – Falconer
2002 – Chapters From A Vale Forlorn
2003 – Sceptre Of Deception
2005 – Grime Vs. Grandeur
2006 – Northwind
2008 - Among Beggars And Thieves

SQUEALER-ROCKS Links:

Falconer - Grime Vs. Grandeur (CD-Review)
Falconer - Northwind (CD-Review)
Falconer - Among Beggars And Thieves (CD-Review)

Stefan Weinerhall von Falconer (Interview)
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