Squealer-Rocks.de CD-Review
Henning Pauly - Credit Where Credit Is Due

Genre: Modern Metal
Review vom: 01.10.2005
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label:



Um den Ideenreichtum, den der Tausendsassa Henning Pauly (Chain, Frameshift, ...), der nach eigenen Angaben alles bis auf den Gesang beherrscht, sein eigen nennen kann, werden ihn bestimmt einige Musikerkollegen beneiden. Die Art und Weise wie er es Jahr für Jahr umsetzt mindestens zwei voll gepackte CDs (heuer sind es sogar punktgenau 80 Minuten), welche nahezu komplett in Eigenregie geschrieben worden sind, unters Volk zu bringen, ist mehr als nur beeindruckend. Nach dem unter dem Banner Frameshift veröffentlichten Meisterwerk AN ABSENCE OF EMPATHY geht es nun unter eigenem Namen munter weiter. Schön, wenn man sich dabei mal selbst nicht so ernst nimmt.

Der Aufwand für CREDIT WHERE CREDIT IS DUE fällt nämlich wesentlich geringer als der für das letzte Frameshift Werk aus, welches sich bekanntlich mit einem brisanten Thema auseinandergesetzt hat. „Zeit ist Geld“, weswegen die Sache in wenigen Wochen über die Bühne ging. Das Resultat lässt sich, wie man es von Henning Pauly Projekten nicht anders kennt, sehen und lässt kaum Wünsche offen. Dass ein versierter Prog-Musiker seinen Songs Titel wie „Scheißlautundhartwiedreck“, „Radio Sucks“, „German Metalhead“ oder „I Like My Video Games“ verpasst, ist genauso ungewöhnlich und verblüffend wie die „einfallsreiche“ Betitelung der Tracks an Position drei („Three“), sechs („Six“) und sieben („Seven“). „Ein bisschen Spaß muss eben sein“, und mir soll’s recht sein, denn bei dem trüben Wetter draußen muss ja nicht jede Platte dunkle Selbstmordthemen propagieren.
Apropos Spaß. Man schaut sich hierzu nur einmal die, für mich jetzt schon kultigen, Zeilen zu „German Metalhead“ an. Wer da keinen Lachanfall bekommt, hat ein ernstes psychisches Problem, deshalb gibt’s zum Selbsttest mal einige, von mir unkommentierte, Auszüge: „[...] can’t stand the siren’s call, I rock the schwarz, rot, gold! [...] Hetfield still is God, please excuse Hasselhoff, Maiden is still the beast, bring the rest down to their knees [...]“.

Neben üblichen Verdächtigen wie Matt Cash, der einige Raps beisteuerte, stand ihm dieses mal mit Juan Roos (Transmission) ein Sänger zur Verfügung, der zwar keine so große Hausnummer wie Sebastian Bach oder James LaBrie ist, aber trotzdem den Job des Singens mit Bravour und einem klaren und voluminösen Organ ausüben kann. Entstanden sind aus dieser sicherlich unterhaltsamen Zusammenarbeit zwölf, leicht progressive, aber schwer moderne Metalgeschosse, die so in etwa in der Schnittmenge von Bands wie Linkin Park, Mudvayne, Nine Inch Nails, härteren Kickdown oder Raunchy liegen dürften, nur versierter und nicht so eintönig und mit vielen Facetten ausgestattet. Viele abgekackte Sturmgitarrenriffs, Elektrosamples und irrwitzige Arrangements und Instrumentengeplänkel bevölkern die neue, von Henning Pauly geliebte, moderne Metalwelt.

Allem Schabernack zum Trotz hat Henning Pauly nicht vergessen das ein oder andere Ausrufezeichen zu den vielen in Gänsefüßchen gehaltenen ~ich lach‘ mich kaputt~ Ideen zu packen. Wie zum Beispiel die Frameshift artige Eröffnungsnummer „Your Mother Is A Trucker“, schwer elektrische Linkin Park Hüpfer („Cure The Breach“), rührende, verhaltene Trauersinfonien („Three“, „Seven“), Kloppersongs, die jedes Moshpit aufmischen könnten („Scheißlautundhartwiedreck“), leicht verdauliche Rocker für Zwischendurch („I Don't Wanna Be A Rock Star“, „German Metalhead“, „I Like My Video Games“) oder das überlange, einfach nur geniale „Halo“, welches als musikalische Fortsetzung von Frameshift’s „Blade“ durchgehen könnte.
Das Ende, stillvoll und sinngemäß mit „Bonusdreck“ betitelt, bietet zu aller musikalischen Komik, äh Klasse, minutenlanges Gelaber, verpackt mit Riffs und Soli, auf deutsch, besser gesagt hessisch, zum endgültigen ROTFL („rolling on the floor laughing“).

Fazit: Ein langer Weg liegt hinter diesem Promoexemplar: Von Grand Terrance (Kalifornien) nach Wiehl zur Cheffe und von dort aus nach Herne zu unserem Old-School-Scum-Progger Maddin, ehe es dann gen Süddeutschland per Post wanderte, wo sich endlich jemand fand, der mit ultramodernem Metal etwas anfangen kann. Mit CREDIT WHERE CREDIT IS DUE ist Henning Pauly definitiv kein Meilenstein gelungen, was mit Sicherheit auch nicht Sinn und Zweck des Songwritings war, zumal er für dieses Jahr bereits einen absoluten Volltreffer gelandet hat. CREDIT WHERE CREDIT IS DUE ist als Gute-Laune-Album zu verstehen, welches man sich rausholt und einlegt wenn man total down ist. Damit sind alle Sorgen, zumindest für 80 Minuten, weg und man kann wieder lachen. Vielen Dank Henning Pauly!!!
Ans Herz legen kann man die Platte dennoch nur sehr musikalisch offenen und zeitgemäß ausgerichteten Fans.


Tracklist:
1. Your Mother Is A Trucker
2. Cure The Breach
3. Three
4. Scheißlautundhartwiedreck
5. I Don't Wanna Be A Rock Star
6. Six
7. Seven
8. Radio Sucks
9. Halo
10. Copyright Conspiracy
11. German Metalhead
12. I Like My Video Games
13. Bonus(dreck)

Anspieltipps: Three, I Don't Wanna Be A Rock Star, Halo, German Metalhead

Line-Up:
Juan Roos – Gesang
Henning Pauly – everything else
Matt Cash - Gesang

DISCOGRAPHY:

2003 – Reconstruct (mit Chain)
2003 – Unweaving The Rainbow (mit Frameshift)
2004 – 13 Days
2004 – Parts That Hate Me (mit Edward Heppenstall)
2004 – Chain.exe (mit Chain)
2004 – Chain.exe DVD (mit Chain)
2005 – An Absence Of Empathy (mit Frameshift)
2005 – Credit Where Credit Is Due
2007 – Babysteps

SQUEALER-ROCKS Links:

Henning Pauly - Babysteps (CD-Review)
Henning Pauly - Credit Where Credit Is Due (CD-Review)

Henning Pauly von Frameshift (Interview)
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