Squealer-Rocks.de CD-Review
Dalriada - Ígéret

Genre: Folk / Power Metal
Review vom: 21.02.2011
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: 18.02.2011
Label: AFM Records



Voll steht das Korn auf dem Feld. Wind bewegt wie güldnes Haar die Ähren. Blau wie der weite, wolkenlose Sommerhimmel blühen Kornblumen und blutrot reckt der Klatschmohn sein Haupt gen Sonne, deren Strahlen sich in den Margeritenblüten fangen. Es riecht nach frischem Heu und reifem Obst. Nichts stört die Mittagsruhe, außer dem Summen der Bienen und der Fliegen. Doch wendet man langsam den Blick, der endlos zu gleiten scheint über die Felder, so vernimmt man mit einem Mal einen dumpfen Ton und schon ist man mittendrin in „Ígéret“.

Fasziniert von den schwermütigen Klängen wendet man sich ab von dem Bild und findet sich unvermittelt auf einem holprigen Feldweg wieder, der zu einem kleinen Wäldchen hinführt. Geleitet von der hypnotischen Stimme eines Sängers und der einsetzenden Geige verliert man sich mehr und mehr in der menschenleeren Weite, die erfüllt ist von Musik.

Und wahrlich die Freude an Spiel, Gesang und Tanz, die man den Ungarn so gerne nachsagt, klingt auch aus jeder Note, mag sie nun metallisch oder folklor sein, heraus. Breitwillig lässt man sich verführen den ungarischen Sagen und Mythen zu lauschen und dabei mal den Kopf in schüttelnder oder nickender Weise zu bewegen, mal im Rhythmus der Musik Arme und Beine zu schwingen. So gleich nach dem „Tanz der Vogelfreien“ – „Hajdútánc“ – ist man wie mit einem Bann geschlagen, der einen weiter von der Tristesse einer winterlichen, deutschen Kleinstadt hinfort nimmt. Gekonnt verwebt das ungarische Sextett überlieferter Melodien mit einem breiten Spektrum des metallischen Treibens, woraus sich ein farbenfrohes musikalisches Band ergibt, durch das sich wie ein roter Faden die bezaubernden Duette zwischen Sängerin Laura und Sänger András ziehen.

Und beständig tänzelt man zwischen Volksfeststimmung verbreitenden Passagen und astreinen Headbangern, um dann in unglaublich eingängige Refrains zu gipfeln, die wiederum von diversen Soloinstrumenten unterbrochen werden. Immer, wenn die Instrumente zurück treten und Platz machen für alte Sagen, rücken dabei Laura und András, die selten die klassischen Rollen von der Schönen und dem Biest mimen, in den Mittelpunkt.

Kaum kann man ein bestes Lied ausmachen, da alle auf ihre ganz eigene Weise mitreißend und bewegend sind. Wie ein Leuchtfeuer, das den Weg weist, klingt derweil der Titeltrack „Ígéret“ durch die heraufziehende Dämmerung. Er ist vielleicht das beste, aber bei weitem nicht einzige Beispiel, für die ausgezeichneten kompositorischen Fähigkeiten von Dalriada, die ich bis dato nicht auf meiner folkloren Metallandkarte hatte. Rasende ungarische Tanzrhythmen auf Geige oder Akkordeon paaren sich mit stampfenden Drums und Power Metal Gitarren, um dann urplötzliche das Tempo zu drosseln.

Mit „Igazi Tűz“ (dt. wahres Feuer) widmet die Band auch ein Stück dem 2001 im Alter von 23 Jahren tragisch verstorbenen Gründungsmitglied Péter Hende.

Mit „A Hadak Útja“ wandert man ein wenig auf Amon Amarths Pfaden, den schwergewichtig donnern Gitarren und im typischen Death Metal Stile traben die Trommeln, gleichwohl ist dies eines der wenigen Lieder, in denen auch mal gegrunzt wird. Die abwechslungsreichen Melodien vereinen sich schließlich in einem dramatischen, hymnischen Refrain, in welchem etwas Patriotisches mitschwingt – handelt das Stück doch quasi vom mythischen Gründungsvater Ungarns, Attilas jüngstem Sohn, der die Hunnen nach Transsylvanien führte, nachdem sie in Erbfolgekriegen zerrieben worden waren.

Und während man in der Weite der Puszta am silbernen Band der Milchstraße Ausschau nach Csabas Rückkehr aus dem Reich der Toten hält, ruft die Musik die alten Götter der Sonne und des Mondes an, wobei man sich für letzteres Stück „Leszek A Hold“ prominente Unterstützung aus dem kalten Norden holte, denn Jonne Järvelä singt Teile aus dem Kalevala, der zum finnischen Nationalepos verklärten Sammlung von Gedichten und Überlieferungen aus vorchristlicher Zeit.

Fazit: Langsam weicht die Nacht dem Morgen, das Feuer schwelt nur noch leicht und die Vögel stimmen alsdann ihr Morgenlied an, gerne würde man noch länger verweilen in den Landen gezeichnet von „Ígéret“, aber mit dem ersten Strahlen der Sonne ist man zurück im Hier und Jetzt. Jedoch nimmt man die wunderbaren Lieder, die Dalriada einem dargeboten haben und die mal melancholisch, mal berauschend zwischen Metal und Folklore schwangen, mit.


Tracklist:
1. Intro
2. Hajdútánc
3. Hozd El, Isten
4. Mennyei Harang
5. Ígéret
6. Igazi Tűz
7. Kinizsi Mulatsága
8. A Hadak Útja
9. Leszek A Csillag
10. Leszek A Hold (feat. Jonne Järvelä)
11. Outro

Anspieltipps: Alle!

Line-Up:
Laura Binder – Gesang, Flöte
András Ficzek – Gesang, Gitarre
Mátyás Németh-Szabó – Gitarre
István Molnár – Bass
Tadeusz Rieckmann – Schlagzeug
Barnabás Ungár – Synthesizer

DISCOGRAPHY:

2003 - A Walesi Bárdok (Demo)
2004 - Fergeteg
2006 - Jégbontó
2007 - Kikelet
2008 - Szelek
2009 - Arany-album
2011 - Ígéret


SQUEALER-ROCKS Links:

Dalriada - Ígéret (CD-Review)

Barnabás Ungár von Dalriada (Interview)
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