Squealer-Rocks.de CD-Review
Xerión - Cantares Das Loitas Esquecidas

Genre: Pagan Metal
Review vom: 15.08.2010
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: 13.08.2010
Label: Schwarzdorn Production



Fast zweieinhalb Jahre ist es bereits her, dass eine Band aus Galizien mich mit ihrer düsteren Musik wahrlich zu verzücken wusste. Nun sind Xerión um Mastermind Nocturno zurück und ob sie mit „Cantares Das Loitas Esquecidas“ – zu Deutsch etwa „Lieder von vergessenen Schlachten“ – musikalisch an das überragende „Nocturnal Misantropía“ anschließen können, müssen die nächsten gut 47 Minuten zeigen.

Durch das Prasseln von Regen klingt das Schlagen einer Glocke von irgendwoher. Langsam nähert man sich diesem und tritt ein in eine kleine Friedhofskapelle, aus der Choralgesänge dringen. Allmählich verhallt der Regen vor den sich schließenden Toren und man ist wie gefangenen von dem monotonen Singsang in „Badaldas Funerais No Esmorecer Da Lúa“.
Unvermittelt befinden wir uns also mittendrin in den „Liedern von vergessenen Schlachten“. Alsdann begegnet man einem alten Bekannten, denn das alles dominierende Riff in „O Espertar Do Xerión“ scheint dem Anhänger der finnischen Epic Heathen Metal Band Moonsorrow wohl bekannt zu sein, daher wartet man auf jenen, in den Gehirnwindungen gespeicherten, fulminanten Anschluss an dieses, welches jedoch ausbleibt. Die einzige Variation, die Xerión uns anbieten ist der schaurige Klang von Flöten. Obwohl das Stück nicht wirklich schlecht ist, verursacht die Assoziation mit den Finnen in diesem Moment den Eindruck, dass etwas Entscheidendes fehlen würde – der kleine Touch an Epik vielleicht, die mitreißende Melodie – was es auch sei, es kollidiert mit den hohen Erwartungen an den Nachfolger von „Nocturnal Misantropía“.

Ebenso präsentiert sich „A Alquímica Dexeneracion Da Ialma“ als unspäktakuläre Mischung aus nordischem Black Metal und dezent symphonischen Dark Metal Elementen, die sich zu einem sehr düsteren und fast doomig langsamen Stück verbinden.
Ebenso in doomigen Gefilden, unterstrichen von „oho“-Chören, wandelt das nächste Lied, „Onde A Victoria Agarda“, welches die Grüfte nur kurzweilig mit Blastbeats, die nicht wirklich hart oder schnell wären, verlässt.
Nach diesem doch eher verhaltenen Beginn wächst die (An-)Spannung und eine gewisse Ernüchterung macht sich breit, denn bislang vermochtes es keines der Stücke zu überzeugen.

Bevor jedoch aus den „vergessenen Schlachten“ gänzlich „verlorene Schlachten“ würden, erhebt sich „Nas Verdes Fragas De Amh-Ghad-Ari“ mit einem wunderbaren Wechsel aus besinnlichen Melodien und schroffem Riffing aus dem düsteren Totensumpf. Durch eine Anzahl an Themen-, Tempo- und Härtewechsel gelingt es dem Song als erstem wirklich Spannung zu erzeugen.
Was uns weiter zum Titeltrack führt, welcher mit einem markanten, zunächst auf Gitarre gezupften Hauptthema beginnt, in welches nach und nach alle Instrumente einsteigen. Man kann sich förmlich dabei beobachten wie man ganz tief Luft holt, um dann mit angehaltenem Atem auf das zu warten, was da kommen mag – und es kommt etwas. Nach exakt zwei Minuten bricht ein schwarzmetallischer Sturm über uns herein, der die schwache erste Hälfte des Albums allmählich vergessen macht. In der Folge wechseln sich immer wieder brachiale mit doomigen, atmosphärischen Passagen ab.

Das sukzessive Sterben in Einsamkeit, symbolisiert von melancholischen Melodien und schleppenden Drums, ist wohl Thema von „Morte Na Iauga“. Man spürt es förmlich, wenn unter Flöten, hymnischen Gitarren und getrieben von Schlagzeug das Lied sich erhebt, gleich einer Seele sich vom Sterbenden trennt. Erst gegen Ende – dem Lichte entgegen – wird das Stück ein wenig feierlich, da es bis zu diesem Zeitpunkt der Morbidität des Fleisches anheimfiel. Für all jene, deren Vorstellungskraft alleine nicht mehr ausreicht, gibt es als Bonus noch einen düster gerenderten Videoclip eines Waldspazierganges.

Wie bei jedem guten Drama kommt der Höhepunkt gegen Ende und, um es vorwegzunehmen, „Loitas Na Néboa“ ist wohl das beste, da bewegendeste Stück auf „Cantares Das Loitas Esquecidas“.
Man hat das Gefühl, dass man von Flöten gerufen würde, die aus dem Nebel schaurig klingen. Schwermütige Gitarren gesellen sich endlich dazu und durchdrungen von Chören und rührerischen Trommeln entwickelt das Lied etwas feierlich Hymnisches. Langsam hebt sich das Tempo begleitet von einer mitreißenden Melodie und erzeugt so manchen Gänsehautschauer. Obwohl man sich eher im unteren Midtempo bewegt, wirkt „Loitas Na Néboa“ durch mannigfaltige Themenwechsel sehr vielschichtig und entschädigt letztlich für die schwache erste Hälfte.
Zum Abschluss kehrt man thematisch zurück zur Friedhofskirche und deren Melodien, welche letztlich in der Nacht verklingen.

Fazit: Nach einer schwachen ersten Hälfte gelingt es Xerión ein durchaus beeindruckendes Stück schwermütigen Metals aus den Nebeln des Vergessens zu schälen, welches man unbedingt einmal gehört haben sollte.


Tracklist:
1. Badaldas Funerais No Esmorecer Da Lúa
2. O Espertar Do Xerión
3. A Alquímica Dexeneracion Da Ialma
4. Onde A Victoria Agarda
5. Nas Verdes Fragas De Amh-Ghad-Ari
6. Cantares Das Loitas Esquecidas
7. Morte Na Iauga
8. Loitas Na Néboa
9. Pvtrefacta Anima Nostra

Anspieltipps: Nas Verdes Fragas De Amh-Ghad-Ari, Cantares Das Loitas Esquecidas, Loitas Na Néboa

Line-Up:
Nocturno – Gitarre, Bass, Gesang
Iron – Gitarre
Daga – Keyboards
O Rei Celta No Exilio – Dudelsack

DISCOGRAPHY:

2002 - A Harpa Do Guerreiro (Demo)
2008 - Nocturnal Misantropía
2010 - Cantares Das Loitas Esquecidas


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Xerión - Nocturnal Misantropía (CD-Review)
Xerión - Cantares Das Loitas Esquecidas (CD-Review)

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