Squealer-Rocks.de CD-Review
Raintime - Psychromatic

Genre: Progressive Metal
Review vom: 23.04.2010
Redakteur: Colin
Veröffentlichung: 23.04.2010
Label: Lifeforce Records



Die Italiener Raintime haben mich vor drei Jahren mit ihrem zweiten Album „Flies & Lies“ quasi aus dem Nichts völlig umgehauen und in meiner „Jahres Top-Ten“ die Pole Position für sich eingenommen. Die Frage, ob die Band in der Lage sein würde einen ebenbürtigen Partner an die Seite von „Flies & Lies“ zu stellen, war ein quälender Begleiter über die letzten Jahre. Jetzt endlich ist das dritte Album der Band da und ich bin betrübt sagen zu müssen, dass ich die Frage ob der Gleichwertigkeit von „Psychromatic“ nicht final beantworten kann.

Fakt ist, dass die Scheibe einige Stärken der Band weiter ausgebaut hat. Dazu gehören die clean gesungenen Vocals, die hier fast über die gesamte Albumdistanz das gesangliche Geschehen bestimmen. Das ist für den Hörer progressiven Metals sicherlich angenehmer als Gegrowle und Sänger Claudio Coassin hat sich stimmlich zudem ein Stück weiter entwickelt. Auch die Arrangements, die ja auch schon auf „Flies & Lies“ beileibe nicht schwach waren, kommen auf „Psychromatic“ noch komplexer daher und zeigen eindeutig die Richtung auf in die es bei Raintime in Zukunft gehen wird. Noch progressiver und noch komplexer werden die Songs der Band werden. Dadurch verlieren Stücke wie das aggressiv thrashige „Beaten Roads“ (neben „Turned Up And Down“ eines der Highlights) nichts von ihrer Intensität, werden durch den berühmten Blick über den Tellerrand aber zusätzlich aufgewertet, in diesem Fall spielen Blastbeats eine entscheidende Rolle. Im Prinzip hat sich der Schritt schon auf „Flies & Lies“ angedeutet und Freunde progressiver Musik werden Gefallen an der kleinen Kurskorrektur haben (sehr gut nach zu hören bei dem abschließenden, epischen Doppel „Buried In You/Walk On Actor“).

Was aber auf der einen Seite als positiver und starker Aspekt heraus zu stellen ist, geht auf der anderen Seite sehr zu Lasten der Eingängigkeit. Hits der Marke „Apeiron“, „Rolling Chances“ oder eine Göttergabe wie „Another Transition“ sucht man auf „Psychromatic“ vergebens. Nun haben die Italiener natürlich nicht vergessen Melodien in ihre Songs zu integrieren, sie brauchen nur länger um sich im Gehör fest zu setzen. Das ist nicht immer ein Nachteil, wenn man an die Langlebigkeit eines Albums denkt, doch in diesem Fall wären griffigere Hooks klar von Vorteil gewesen. Vor allem in Bezug auf die anspruchsvolleren Stücke von „Psychromatic“. Ich persönlich hätte mir auch gewünscht, dass Sänger Claudio das auf dem Vorgänger erfolgreiche Konzept mit dem Wechselspiel zwischen aggressiven Growls und harmonischen Melodien weiter fort geführt hätte. Der Vorgänger zog seine Stärke sicherlich auch aus diesem Kontrast und im aktuellen Fall wären Kompositionen wie „Turned Up And Down“ hierdurch garantiert etwas zwingender.

Nun ist „Psychromatic“ natürlich kein schlechtes Album geworden. Das wäre bei der Qualität der Band auch sehr verwunderlich gewesen. Die Songs auf dem Drittwerk der Italiener sind sperriger und gehen weniger schnell ins Ohr. Da braucht es schon einige Durchläufe bis die Nummern hängen bleiben. Wie gesagt, war schon auf dem Vorgänger erkennbar in welche Richtung die Band gehen würde. Dass der nächste Schritt aber so krass ausgefallen ist, überrascht schon ein wenig und es bleibt abzuwarten, ob die Fans diesen Weg mitgehen werden. Enttäuscht hat „Psychromatic“ definitiv nicht. An „Flies & Lies“ kommt es aber nicht heran. Alles Weitere wird die Zukunft zeigen.


Tracklist:
1. Fire Ants
2. Turned Up And Down
3. Never Ending Stairway
4. Nothing But A Mistake
5. I Want To Remember
6. Shift
7. Fake Idols
8. Beaten Roads
9. One Day
10./11. Buried In You/Walk On Actor

Line-Up:
Claudio Coassin – Vocals
Matteo Di Bon – Guitars
Acido – Guitars
Andrea Corona – Keyboards, Samples
Michele Colussi – Bass
Enrico Fabris - Drums

DISCOGRAPHY:

2005 - Tales From Sadness
2007 - Flies & Lies
2010 - Psychromatic

SQUEALER-ROCKS Links:

Raintime - Flies & Lies (CD-Review)
Raintime - Psychromatic (CD-Review)

Acido von Raintime (Interview)
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