Squealer-Rocks.de CD-Review
3 - Wake Pig

Genre: Dark Rock/Metal/Pop
Review vom: 01.01.2006
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label:



Das Wort „komisch“ wird im Duden in zwei unterschiedliche Kategorien aufgeteilt: a.) scherzhaft, Heiterkeit erregend, spaßhaft und b.) sonderbar, seltsam. In der Musik tauchen bekanntlich und erwiesenermaßen beide Formen auf. Es gibt zum Beispiel spaßige Veröffentlichungen, die in neun von zehn Fällen jedoch in keiner Weise als seltsam zu bezeichnen sind. Da stellt sich natürlich die Frage, ob das Wort „komisch“ wirklich korrekt im Duden definiert wurde. Ist es, wie das über Metal Blade Records wiederveröffentlichte letzte Studiowerk WAKE PIG der amerikanischen Band 3 zeigt.

Was spielt es nun für Musik das „Triumvirat“ aus den Vereinigten Staaten, wenn sie Heiterkeit erregend und seltsam zugleich sein soll? – Wenn ich das nur so genau wüsste. In zehn Reviews zu WAKE PIG wird es wohl zehn unterschiedliche Definitionen des Klangbilds geben. Davon kann man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ausgehen. Sicher ist, dass nichts vor den fünf Mannen sicher ist, weder Rock noch Pop noch Metal, womit eine umfassende Stilbezeichnung heute ins Wasser fällt. Die Stimmung der zwölf Tracks hält sich meist traurig, düster und bedeckt, ohne allerdings ins Weinerliche überzugehen. Ein fröhlich stimmendes „Hoch“ entsteht nur dann, wenn die Axt herausgeholt wird und zu den durchweg hängen bleibenden Refrains übergegangen wird.

Ohrwürmer sind sie allesamt, aufgebaut sind sie aber auch allesamt unterschiedlich: mal tönt es schleppend und schwerfällig im Black Sabbath Moll vermischt mit Dark Pop Elementen aus den Boxen(„Alien Angel“), ein anderes mal regieren moderne Elektroklänge („Monster“) und urplötzlich bestimmen Akustikgitarren die Szenerie („Bramfatura“), ehe es nur ein Track weiter in Rock umgemünzter neumodischer R’n’B zu bestaunen gibt („Trust“). Ebenfalls sehr ungewöhnlich: eine Rockballade („Dogs Of War“), die sich gleichzeitig an alten Hard Rock Recken (Enuff Z’Nuff) und modernster Rockbands (Frameshift) bedient, ohne das dies richtig erkenntlich wird. Wer dagegen schon immer mal wissen wollte wie die Beatles im 21. Jahrhundert hätten klingen können, wird in „Soul To Sell“ fündig.

Zu den Rock-, Metal-, Popklängen gibt mit Joey Eppard ein Sänger seine Stimme zum Besten, der seinen Job par excellenze ausübt. Er verknüpft jugendliche Unbekümmertheiten mit einer klaren, melodischen Gesangsweise, die gelegentlich sogar an Khan (Kamelot) und James LaBrie (Dream Theater) erinnert. Diese Mischung hätte ohne Frage auch in einer reinen Popkapelle das Zeug zum „Superstar“.

Neben einigen Remixes der alten Stücke gibt es mit „One Way Town“ und „Circus Without Clowns“ auch zwei neue Songs auf der Re-Release von WAKE PIG zu begutachten. Während es sich beim Erstgenannten um einen zeitgemäßen Pop/Rock Song mit einem standesgemäßen Killerrefrain handelt, bietet „Circus Without Clowns“ ganz großes Soundkino in Form eines Wechselspiels von traurig, balladesk und bluesig (Strophen) zu schwungvoll und krachend (Chorus). Zwei weitere Ausrufezeichen, die 3 ihr Eigen nennen dürfen...

... apropos Ausrufezeichen: für den überlangen Rausschmeißer „Amaze Disgrace“ wären selbst drei (wie passend :-)) Ausrufezeichen eine totale Unterbewertung. Was Joey Eppard (Gesang, Gitarre), Billy Riker (Gitarre), Daniel Grimsland (Bass), Chris Gartmann (Schlagzeug) und Joe Stote (Percussion, Keyboards) in diesen gut 16 Minuten dem sowieso schon sprachlosen Hörer vor den Latz hauen, lässt sich nur schwer in Worte fassen: vertrackt aber dennoch eingängig, progressiv und auch wieder nicht progressiv und die technischen Fertigkeiten perfekt in nachvollziehbaren Songstrukturen verpackt. Kurz gefasst: einfach genial und göttlich!

Fazit: 3 die Begründer einer ganz neuen Musikrichtung? Wer weiß, ich halte es nicht für ausgeschlossen, denn die Art und Weise wie sich das Quintett quer durch den Gemüsegarten der kompletten Musiklandschaft frisst, kennt keine Grenzen, lässt sich in keine Schublade stecken und brilliert durch einen Wiedererkennungswert, den manch einer den modern ausgerichteten Bands von Beginn an aberkannte. Da man sich nicht nur in den härteren Regionen aufhält, sondern auch Ruhe walten und Pop mit einfließen lässt, hat die Truppe beste Aussichten in den nächsten Jahren der absoluten Elite des weltweiten Musikmarktes anzugehören und somit das Erbe der alternden Größen vergangener Tage anzutreten. Man überlege sich nur, wenn der Stil von 3 einen neuen Trend bewirken würde: Rock3Pop, oder so ähnlich...

VÖ: 16. Januar 2006

Tracklist:
1. Alien Angel
2. Monster
3. Dregs
4. Wake Pig
5. Bramfatura
6. Trust
7. Dogs Of War
8. Soul To Sell
9. One Way Town
10. Queen
11. Circus Without Clowns
12. Where's Max
13. Amaze Disgrace


Anspieltipps: Alien Angel, Dregs, Wake Pig, One Way Town, Circus Without Clowns, Amaze Disgrace

Band Line-Up:
Joey Eppard - Gesang, Gitarre
Billy Riker - Gitarre, Elektro-Sequenzen
Daniel Grimsland - Bass
Chris Gartmann - Schlagzeug, Backing Vocals
Joe Stote - Percussion, Keyboards

DISCOGRAPHY:

2000 - Paint My Number
2003 - Summer Camp Nightmare
2004 - Wake Pig
2006 - Wake Pig (Re-Release)
2007 - The End Is Begun
2009 - Revisions


SQUEALER-ROCKS Links:

3 - Wake Pig (CD-Review)
3 - The End Is Begun (CD-Review)

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