Squealer-Rocks.de CD-Review
Winter's Verge - Tales Of Tragedy

Genre: Heavy Metal
Review vom: 14.01.2010
Redakteur: Colin
Veröffentlichung: 29.01.2010
Label: Massacre Records



Zypern war bislang eher durch den Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei über die Staatszugehörigkeit der Insel bekannt. Mit Metal-Bands war die Mittelmeerinsel noch nicht wirklich in Verbindung gebracht worden. Das soll sich nun durch die zypriotische Metal-Formation WINTER’S VERGE ändern. Das vor zwei Jahren erschienene Debütalbum „Eternal Damnation“ konnte dabei so ziemlich das ganze Spektrum an Wertungen abrufen, die in der Metal-Presse gängig sind. Von „talentiert“ über „durchschnittlich“ bis hin zu absoluten Empfehlungen war alles dabei. Wenn man jetzt die Quintessenz aus den Reviews der Kollegen herausnimmt, läuft es darauf hinaus, dass WINTER’S VERGE Talent haben, das Songwriting aber noch nicht ausgereift ist. Die Frage, ob der Nachfolger „Tales Of Tragedy“ in dieser Hinsicht ein Schritt nach vorne ist, sollen die folgenden Ausführungen erläutern.

Zunächst fällt auf, dass das zweite Album der Zyprioten mit einer richtig guten Produktion aufwarten kann. Das sollte in der heutigen Zeit zwar eigentlich Standard sein, ist es bei vielen Produktionen aber nach wie vor immer noch nicht. So hat also R.D. Liapakis von MYSTIC PROPHECY auf „Tales Of Tragedy“ einen sehr guten Job gemacht. Die Drums drücken zusammen mit dem Bass gut aus den Boxen, die Riffs von Gitarrist Harris Pari kommen ebenfalls schön hart daher und die Keyboards sind auch präsent, kleistern aber nicht jedes Soundloch zu. Vom Arrangement der Instrumente her gibt es auf „Tales Of Tragedy“ also überhaupt nichts zu meckern. Eher im Gegenteil. Die Songs machen durch die Bank Spaß. Das liegt auch an der sehr angenehmen Stimme von Sänger George Charalambous, der sich zwar auch in höheren Lagen heimisch fühlt. Dies jedoch nicht bis zum Erbrechen ausreizt. Seine kraftvolle, teilweise raue, teilweise klare Stimme setzt den Kompositionen die sprichwörtliche Krone auf. Zudem versteht er es den Songs ein Gesicht zu geben. Wenn eine Nummer wie „I Swear Revenge“ vom Feeling her etwas aggressiveren Gesang benötigt, kann Charalambous das umsetzen ohne stumpf in Brüllerei zu verfallen.


Dadurch zaubern Songs wie das bärenstarke, das Album abschließende Doppel „Reflections Of The Past“ und „Curse Of Time“ nicht nur ein Lächeln auf das Gesicht des Hörers, sondern sorgen auch für angenehmen Druck auf die Nackenmuskulatur. Daran haben auch die knackig brutalen Riffs ihren Anteil. Sie heben sich wohltuend vom europäisch-powermetallischen Einheitsbrei der mittlerweile in diesem Genre geboten wird ab. Nummern wie „Old Man’s Wish“ (ein absolutes Highlight) kommen aggressiv, fast thrashig daher und bilden einen schönen Kontrast zu den Keyboards. So und nicht anders sollte es sein, was in beeindruckender Weise nicht nur das Highlight „The Captain’s Log“ darlegt.


Dieses hohe Niveau zieht sich wie ein roter Faden durch beinahe das ganze Album und man kann den Zyprioten durchaus hervorragende Arbeit bescheinigen. Zwar zeigt „Tales Of Tragedy“ auch weniger gelungene Momente. Die halten sich aber derart in Grenzen, das man großzügig über die wirklich wenigen Schwächen hinweg sehen kann. Der Hörspaß wird davon nicht eingeschränkt. WINTER’S VERGE haben also an ihrem Songwriting gearbeitet und ein Album wie aus einem Guss veröffentlicht. Jeder Heavy-Metal-Fan sollte in „Tales Of Tragedy“ rein hören. Bereuen dürften das die wenigsten. Wunderbare Scheibe zwischen verträumten Melodien und harten Riffs.




Tracklist:
1. World Of Lies
2. Old Man’s Wish
3. I Swear Revenge
4. For Those Who Are Gone
5. The Captain’s Log
6. Envy
7. Dark Entries
8. Madness Once Called Love
9. Tomorrow’s Dawn
10. Reflections Of The Past
11. Curse Of Time


Line-Up:
George Charalambous - Vocals
Stefanos Psillides - Keyboards
Harry Pari - Guitars
Miguel Trapezaris - Bass
Chris Ioannides - Drums

DISCOGRAPHY:

2006 - Another Life... Another End
2008 - Eternal Damnation
2010 - Tales Of Tragedy

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Winter's Verge - Tales Of Tragedy (CD-Review)

George von Winter's Verge (Interview)
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