Squealer-Rocks.de CD-Review
Draugnim - Northwind's Ire

Genre: Epic Black Metal
Review vom: 04.10.2008
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: 10.10.2008
Label: Spikefarm



Die Geschichte der finnischen Band Draugnim könnte man beinahe selbst in epischer Form verfassen, denn bereits 1999 erschien die erste Demo des damaligen Soloprojekts von Morior und drei weitere sollten folgen, bis ein Kanalisationsschaden den Proberaum der Band verwüstete und das gesamte Equipment zerstörte. Genügend Gründe also das Projekt zu Grabe zu tragen – dennoch entschieden sie sich eine allerletzte Demo aufzunehmen und damit ihr Glück zu versuchen. Dass dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt war, zeigt das nun vorliegende Debüt des Trios unter Spikefarm Records.

Kalter Nordwind fährt durch die kahlen Äste eines Waldes, Nebel wabert unheimlich über dunklen Grund und schon spürt man, dass sich hier etwas zusammenbraut. Der Tod ist ein Meister aus den Weiten des Nordens und bringt Reif und Frost mit sich, die das Leben im Winter geißeln. Als ob Draugnim eben jene blutgefrierenlassende Stimmung einfangen wollten, bahnen sich sieben schwermütig aber zu gleich von erhebenden Hymnen begleitet Stücke den Weg durch die eisige Dunkelheit der finnischen Wälder. Das Trio, dass wohl lange in jenen ausharrte, bis nun endlich das Debütalbum hinaus in die Welt entlassen werden konnte, setzt auf jenen Keyboard veredelten Black Metal, wie ihm auch ihre Landsleute Moonsorrow frönen, aber gehen sie dabei wesentlich weniger rabiat zur Sache als jene. So bewegen sich die ungemein epischen und fesselnden Stücke über weite Strecken im Midtempo und wahre Ausflüge in zutiefst blackmetallische Tempo- und Gewitterinfernos sucht man zumeist vergebens, was aber der enormen Klasse von NORTHWIND’S IRE keinen Abbruch tut.

Man mag es kaum glauben, dass dies wirklich das erste Werk der drei Finnen ist. Verfällt man doch dank der Keyboard untermalten Epik und dem fast schon symphonischen Smasher Charakter entwickelnden Stücken wie das überragende „Will Dawn Rise Again“ mit fortlaufender Spieldauer immer mehr den rauen Gesängen von Chimedra und mitreißenden Chören, mit denen Draugnim den Hörer umgarnen. Trotz der Querverweise zu Moonsorrow, Thyrfing und Wintersun bekommt man zu keiner Zeit das Gefühl einem plumpen Plagiat zu lauschen - authentisch, kraftvoll, melodiegewaltig. Da wundert es kaum, dass sich ein gewisser Henri Sorvali für die Produktion dieses Meisterwerks verantwortlich zeigt.
Und immer wieder hört man das Knarren der Bäume im Hintergrund, wenn die Stücke ausklingen. Der grimmige Nordwind lässt einen nicht mehr so schnell los, hat man sich ihm erst einmal ausgeliefert.

Fazit: Allen Fans des epischen, von düsteren Keyboards untermalten Black Metals der Marke Moonsorrow, denen die zuletzt sehr ausschweifenden Kompositionen des Sorvali Duos einwenig zu zeitintensiv waren, kann ich NORTHWIND’S IRE nur ans Herz legen. Hier könnt ihr nicht viel falsch machen. All jene, die dem kalten nordischen Stahl von vorneherein nicht abgeneigt sind, sollten zumindest einmal in Draugnims Debütwerk hineinhören.


Tracklist:
1. Moonpath
2. Craionborn
3. Feast Of The Fallen
4. Towards The Dusk
5. Will Dawn Rise Again
6. Sworn To Waves
7. Archein

Anspieltipps: Feast Of The Fallen, Will Dawn Rise Again, Sworn To Waves – eigentlich alle

Line-Up:
Mikko “Chimedra” Häkkinen – Gesang
L. “Morior” Karivaara – Gitarre, Synthesizer
Peter “Turms” Tokoi – Bass

DISCOGRAPHY:

1999 - Paynim Crusade (Demo)
2001 - Past Aesirs Grace (Demo)
2002 - Earth Gave Us Birth, Our Blood We Give In Return (Demo)
2007 - Sworn To Waves (Demo)
2008 - Northwind's Ire
2010 - Horizons Low

SQUEALER-ROCKS Links:

Draugnim - Northwind's Ire (CD-Review)
Draugnim - Horizons Low (CD-Review)

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