Squealer-Rocks.de CD-Review
Ephrat - No One's Words

Genre: Progressive Metal / Rock
Review vom: 21.08.2008
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: 22.08.2008
Label: Inside Out



Eine Band aus Israel durfte ich bisher noch nie besprechen, bzw., ich kannte bisher überhaupt keine und ich kenne auch niemanden, der eine kennt – ähh, ja.
Wie man hört, ist Ephrat bereits die zweite Truppe aus diesem Land, die bei Inside Out ihr Debut vorlegt. Und zumindest die nach ihrem Gitarristen, Flötisten, Keyboarder und alleinigen Komponisten Omar Ehprat benannte Truppe (also quasi ein Ein – Mann Projekt mit Gastmusikern) sollte ihr Exotendasein im Rest der Welt bald zu den Akten legen können.
Die Prog Gemeinde dürfte sogar kollektiv in Jubelstürme ausbrechen, denn Ephrat sind zweifelsohne mehr als ein hoffnungsvoller Newcomer.

Zur nötigen Aufmerksamkeit in der Szene verhelfen so bekannte Namen wie Steven Wilson (Porcupine Tree), der das Album gemixt und gemastert hat, sowie Petronella Nettermalm von den shooting stars Paatos und Pain Of Salvation Mastermind Daniel Gildenlow, die beide jeweils einen Song eingesungen haben.
Die Frage, wie sich das Album denn nun anhört, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zunächst mal auf jeden Fall innovativ und in seiner Gesamtheit nicht gerade leicht zugänglich.
Es gibt sehr lange Instrumental - Passagen, die jedoch noch am leichtesten verdaulich sind. So ist ausgerechnet das gesangslose „Blocked“ der Song, der keine Anlaufzeit benötigt und bereits nach einmaligem Hören zündet. Das liegt zum Einen an Omar Ephrats tollem Gitarrenspiel, das oft sehr heavy, dann wieder melancholisch ruhig daher kommt. Zum Anderen sind seine Riffs und Soli absolut raffiniert arrangiert und auch die nahöstlichen Folklore Elemente sind stets passend, klingen interessant und sind niemals zu prägnant, so dass die Musik nicht diesen plumpen „Folk meets Rock“ Charakter bekommt.
Ebenfalls ungewöhnlich (und zugleich lobenswert) ist, dass es trotz der ausufernden instrumentalen Parts keine „Frickeleien“ gibt.

Relativ eingängig ist auch der 10 - minütige Opener „The Show“ - eingängig, schleppend und verdammt heavy!
Hier könnte man schon fast von „Prog Doom“ sprechen. Lediglich der ruhige Mittelpart mit Flöte und nahöstlichem Touch bietet Zeit zur Entspannung. Der etatmäßige Sänger Lior Seker gibt dem Ganzen noch ein leichtes Sieges Even Flair, da sein Gesang viel Ähnlichkeit mit Arno Menses hat.
Der Gastbeitrag von Paatos Frontfrau Petronella Nettermalm in „Haze“ wirkt dann nicht nur extrem sperrig, sondern klingt auch gewollt disharmonisch. Der allseits beliebte Vergleich mit Björk funktioniert natürlich auch hier, was aber mittlerweile kein Kompliment mehr ist.

Da kann der zweite Gastbeitrag schon wesentlich mehr Punkte einstreichen, auch wenn wir hier von einem Song reden, der in der Sperrigkeits - Rangliste wohl noch weit vor dem schwachen „Haze“rangiert. Das von Gastsänger Daniel Gildenlow getextete „The Sum Of Damage Done“ ist ein streckenweise sehr hartes und auch vertracktes Opus in 4 Kapiteln und gar nicht mal so weit von Pain Of Salvation entfernt (wer hätte das gedacht?). Allerdings vergehen die gut 9 Minuten wie im Flug, denn all die fantastischen Melodien und Spannungsbögen reissen den Hörer von einem Extrem ins nächste und machen schier sprachlos.
In die selbe Kerbe schlägt das groovige „Better Than Anything“. Weniger vertrackt, aber auch ein emotionales Wechselbad aus Härte und Romantik mit wunderbar adaptierten Folklore Elementen.
Ein reiner Tribut an die großen 70er Bands wie Gentle Giant oder alte Genesis ist das knapp 19 - minütige „Real“. Besonders toll finde ich, dass dieser Longtrack im krassen Gegensatz zur sonst eher metallischen Ausrichtung des Albums steht. Besser können die Flower Kings das auch nicht.

Für Freunde von Porcupine Tree oder Pain Of Salvation sollte diese sehr gut produzierte CD ein Pflichtkauf sein. Frickel Fans sollten die Finger hiervon lassen, aber alle anderen, denen der Begriff „Tellerrand“ etwas sagt, können hier blind zuschlagen. Bis auf den Ausfall „Haze“ gibt es wirklich verdammt geilen Prog zu hören, der immer wieder neue Gesichter zeigt und an Abwechslung kaum zu überbieten ist.
Kurz und knapp: wird mit jedem Hören besser!

Tracklist:
1.The Show
02. Haze
03. Better Than Anything
04. Blocked
05. The Sum Of Damage Done
06. Real

Line Up:
Omer Ephrat- Guitar, Keyboard, Flute
Lior Seker – Vocals
Gili Rosenberg - Bass
Tomer Z - Drums

DISCOGRAPHY:

2008 - Ephrat

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Ephrat - No One's Words (CD-Review)

Omer Ephrat von Ephrat (Interview)
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