Squealer-Rocks.de CD-Review
Evergrey - Monday Morning Apocalypse

Genre: (Progressive) Power Metal
Review vom: 24.03.2006
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label:



„Kontraste“ scheint das Lieblingswort der fünf Schweden von Evergrey, dem Flaggschiff für progressiv angehauchten Power Metal, zu sein. Nachdem mit THE INNER CIRCLE anno 2004 ein komplexes Konzeptwerk über religiösen Fanatismus den Weg in die Plattenregale fand, legt man für das nunmehr sechste Studioalbum in acht Jahren, eingespielt unter der Regie von Sanken Sandquist und Stefan Glaumann (Bon Jovi, Def Leppard, Rammstein uvm.), die Messlatte gen kommerzielle Erfolge.

Bevor auch nur der einfältigste Rocker den ungeliebten Begriff „Weichspülersongs“ in den Mund nimmt, müssen wir zur Beruhigung aller möglicherweise aufgebrachten Gemüter klarstellen, dass Evergrey auch mit einem neuen, erfolgsversprechenden Konzept ihre allseits geliebten Trademarks nicht einfach unter den berühmten Teppich kehren. Henrik Danhage stellt seine Gitarre immer noch auf Riffstufe „666“ und lässt kaum Kompromisse zu, während Rikard Zander auch weiterhin auf seinen weiß Gott wie vielen Tasten die Evergrey typische leicht düstere, auch mal beklemmende Stimmung erzeugt und Sänger Tom S. Englund mit seinem markanten, herausstechenden Stimmorgan selbst die Rhythmusarbeit von Schlagzeuger Jonas Ekdahl und Bassist Michael Hakansson in die Schranken weißt und wie seit jeher die Hörerschaft auf seine Seite zieht. Die Handschrift ist und bleibt diejenige von Evergrey, der von himmlischen Melodien getragene Power Metal beinhaltet weiter seine schwerprogressiven Züge und daran wird sich, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt, auch nie etwas ändern. Warum auch? Warum sollte jemand, der es schafft sich von der gesamten Konkurrenz abzusetzen, seinen Stil aufgeben?

Klar sind die Neuerungen, die MONDAY MORNING APOCALYPSE mit sich bringt, zu beachten – vor allem aber in positiver Hinsicht: Die Tracks fallen wesentlich kürzer und gleichzeitig prägnanter aus und verfügen zudem über noch mehr Würze (der Härtegrad kratzt ziemlich oft an der Thrashdecke). Dazu gelangen der Truppe zusammen mit dem zu Beginn genannten Starproduzentenduo noch erdrückendere und für die Dauerrotation bestimmte Balladen („In Remembrance“, „Closure“) und ausgefeiltere Kompositionen, die einiges an Abwechslung versprechen und dennoch jedem Metalfan und darüber hinaus gut bekommen können. Dabei denke ich gerade an mitreißende Songs wie das von Tom S. Englunds Stimme diktiertem „Lost“ oder die mit dem „Touch Of Blessing“ Intro vom Vorgängeralbum THE INNER CIRCLE ausgestattete, potenzielle Hitsingle „Unspeakable“, die, wenn einmal in den Gehörgängen festgesetzt, nicht mehr so schnell das Weite sucht.

Wer sich noch nie intensiv mit der Musik von Evergrey beschäftigt hat, wird mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit sofort in den Bann der zwölf Stücke der „Montagmorgen Apokalypse“ gezogen. Als langjähriger Begutachter der Schweden braucht man erst einmal eine gewisse Anlaufzeit, damit bei einem die selbe, unter Umständen noch größere, Wirkung erzielt werden kann. Liegt es daran, dass man sich mit dem Gedanken anfreunden muss, dass die einst kaum beachtete Fünf-Mann-Vereinigung inzwischen nach der Prog-Metal Krone greifen kann? Egal, Hauptsache man erkennt die Kraft und Magie, die von MONDAY MORNING APOCALYPSE ausgeht ... irgendwann.

Fazit: Dream Theater suchen, um kommerzielle Erfolge zu landen, stets die Flucht in Richtung poppige, leicht verdauliche Arrangements ... Evergrey beweisen mit MONDAY MORNING APOCALYPSE, dass dies auch mit einer härteren und trotzdem progressiv-verschachtelten, Ausrichtung möglich ist. Bevor ich jetzt zum Abschluss alle nur denkbaren Superlative bis zur Erschöpfung ausreize, verweise ich euch einfach zum Plattendealer eueres Vertrauens. Ihr werdet es garantiert nicht bereuen!!!

VÖ: 24. März 2006

Tracklist:
1. Monday Morning Apocalypse
2. Unspeakable
3. Lost
4. Obedience
5. A Curtain Fall
6. In Remembrance
7. At Loss For Words
8. Till Dagmar
9. Still In The Water
10. The Dark I Walk You Through
11. I Should
12. Closure

Anspieltipps: Monday Morning Apocalypse, Unspeakable, Lost, In Remembrance

Band Line-Up:
Tom S. Englund – Gesang, Gitarre
Henrik Danhage – Gitarre
Michael Hakansson – Bass
Jonas Ekdahl – Schlagzeug
Rikard Zander – Keyboards

DISCOGRAPHY:

1998 – The Dark Discovery
1999 – Solitude, Dominance, Tragedy
2001 – In Search Of Truth
2003 – Recreation Day
2004 – The Inner Circle
2005 – A Night To Remember (CD/DVD)
2006 – Monday Morning Apocalypse
2008 - Torn
2011 - Glorious Collision

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