Squealer-Rocks.de CD-Review
In Flames - A Sense Of Purpose

Genre: Modern Metal
Review vom: 31.03.2008
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: 04.04.2008
Label: Nuclear Blast



„Verrat an den eigenen Idealen“, „ein Schatten ihrer selbst“ oder „der kontinuierliche Niedergang einer der bedeutsamsten Bands des frühen Jahrtausends“ usw.. Die Aussagen der Fans waren eindeutig, nachdem die Mannschaft um den Marktschreier Anders Fridén vor zwei Jahren mit COME CLARITY vergeblich versuchte, die alten Stärken mit dem im Laufe der Jahre hinzugewonnen modernen Antlitz zu vereinen. Anstatt das blau und gelb angemalte Denkmal zu verfeinern, riss man es kurzerhand in Schutt und Asche. Doch In Flames wagen anno 2008 einen neuen Versuch, sich wieder in die Herzen zu spielen. Ein Versuch, den es nun mit A SENSE OF PURPOSE kritisch zu beäugen gilt.

Drei Durchläufe später scheint der Fall klar und fertig für die Akten zu sein. Die Buchhaltung darf diese fünf Schweden gut und gerne außerplanmäßig und ohne Erinnerungswert abschreiben. Wo ist sie hin die Leichtigkeit? Wo ist es hin das unabdingbare Hitpotenzial? Stattdessen quält sich der Hörer, nein der einstige Fan, durch zwölf scheinbar lieblose Kompositionen, die den Faden des ungeliebten Vorgängers weiterspinnen. Gute 50 Minuten der Belanglosigkeit, in denen nichts, aber auch gar nichts hängen bleiben will.

HALT!!! Moment… OK, als fairer Sportsmann geben wir den Mannen noch eine Chance, oder auch zwei… drei…

Und tatsächlich. Nein – um es vorwegzunehmen – das hat nichts mit „schön hören“ zu tun. Zur allseitigen Überraschung muss ich plötzlich feststellen, dass von Zeit zu Zeit (Wortgebilde, die man zu seligen CLAYMAN-Zeiten nicht kannte) doch nicht alles so schwarz zu sehen ist. Klar, die Qualität von Smasherns wie „Pinball Map“ oder „Cloud Connected“ wird auf A SENSE OF PURPOSE zu keiner Zeit erreicht. Damit kann man sich aber auch schnell abfinden, wenn man nach und nach konstatiert, dass die zwölf Tracks zumindest in der Breite ein sehr gutes Bild abgeben. Die Erkenntnis kommt spät, aber sie kommt.

So besticht der Opener und gleichzeitig auch die erste Singleauskopplung „A Mirror’s Truth“ mit einem in den bandeigenen Kontext übersetzten, von allen NWoAHM-Acts her bekannten Rhythmus, verweist jedoch Killswitch Engage und Konsorten in jedwede Schranke. Mit Volldampf voraus, einer wunderschönen, die Vergangenheit ein Stück weit aufleben lassenden Melodielinie und einem sentimentalen Zwischenpart versehen, mutiert „Disconnected“ zum ersten Highlight der beim jetzigen Durchlauf noch jungen In Flames Scheibe.

Mit „Sleepless Again“ schaltet die Drei-Kronen-Mannschaft härtetechnisch zwei Gänge zurück und schwört einen, wenn auch modern behaftet, tatsächlich auf die melodischste aller Death Metal Arten ein. Das Wort „Death Metal“ in einem In Flames Review… Totgesagte leben bekanntlich länger! Weiterhin emotional gehalten, fressen sich „Alias“ und mein persönlicher Favorit „Delight And Angers“ in die Gehörgänge. Das dazwischen stehende „I’m The Highway“ drückt als Kontrast schließlich noch einmal gehörig auf die Tube. Ich liebe es, wenn sich dieser Mann am Mikro über alles und jeden auskotzt!

Halbzeitstand: In Flames 6, die Kritiker 0!

Durchgang zwei startet mit „Move Through Me“ oder anders ausgedrückt: einer gehörigen Portion des Modern In Flames Metal, wie – zumindest – ich ihn auf SOUNDTRACK TO YOUR ESCAPE lieben gelernt habe. Etwas, was die „Flammen“ seit 2002 perfekt können, ist das Inszenieren von träumerischen, die Zeit für einen kurzen Moment anhaltenden Balladen. Auf „Metaphor“, „Evil In A Closet“ und „Come Clarity“ folgt nun „The Chosen Pessimist“, das seinem Titel vollends gerecht wird. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Ausgeträumt… „Sober And Irrelevant“ drückt wieder auf’s, heuer von speedigen Gitarren angetriebene Tempo. Den heißen Pop meets Metal Cocktail hat wenig später „Condemned“ parat: Ein Genuss für jeden Headbanger und Schwelger zugleich! Letztere werden mit „Drenched In Fear“ dann vollends glücklich und erfreuen sich an einem (in meinen Augen mittlerweile) leichtfüßigen Song, ehe „March To The Shore“ in ähnlicher Manier A SENSE OF PURPOSE abschließt.

Fazit: In meinem Review zu COME CLARITY habe ich die Diskografie von In Flames mit der der australischen Ausnahmeband AC/DC verglichen und die Hoffnung auf eine baldige THE RAZOR’S EDGE in Aussicht gestellt. Das Gute daran? Bei In Flames belief sich die Wartezeit auf zwei und nicht auf zehn Jahre. Welcome back Anders, Jesper, Björn, Peter und Daniel. Da habt ihr gerade noch so die Kurve gekratzt…
Ich danke Euch!!!

Ach ja, Endstand: In Flames 12… der Rest… ihr wisst schon…

Tracklist:
1. A Mirror’s Truth
2. Disconnected
3. Sleepless Again
4. Alias
5. I’m The Highway
6. Delight And Angers
7. Move Through Me
8. The Chosen Pessimist
9. Sober And Irrelevant
10. Condemned
11. Drenched In Fear
12. March To The Shore

Anspieltipps: A Mirror’s Truth, Disconnected, Delight And Angers, The Chosen Pessimist

Band Line-Up:
Anders Fridén - Gesang
Jesper Strömblad - Gitarre
Björn Gelotte - Gitarre
Peter Iwers - Bass
Daniel Svensson - Schlagzeug

DISCOGRAPHY:

1994 – Lunar Strain
1995 – Subterranean
1996 – The Jester Race
1997 – Black-Ash Inheritance
1997 – Whoracle
1999 – Colony
2000 – Clayman
2001 – The Tokyo Showdown (live)
2002 – Reroute To Remain
2003 – Trigger
2004 – Soundtrack To Your Escape
2006 – Come Clarity
2008 – A Sense Of Purpose

SQUEALER-ROCKS Links:

In Flames - Come Clarity (CD-Review)
In Flames - Reroute To Remain (CD-Review)
In Flames - Soundtrack To Your Escape (CD-Review)
In Flames - A Sense Of Purpose (CD-Review)

Judas Priest und In Flames - Essen, Grugahalle (Live-Review)

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