Squealer-Rocks.de CD-Review
Turisas - The Varangian Way

Genre: Bombast/Folk Metal
Review vom: 11.08.2007
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label: Century Media



Lange mussten die Fans des mehr als nur erfolgreichen Debüts BATTLE METAL der finnischen Kriegshorde, Turisas, auf den Nachfolger warten. Nun ist mit THE VARANGIAN WAY jener gekommen und die Frage, die sich unweigerlich stellen muss, ist: Erreicht er die Klasse des Vorgängers? Denn je besser das Debüt, desto schwerer ist es einen würdigen Zweitling unters Volk zu bringen, der die hohen Erwartungen erfüllt.
Lasst uns nun also die Taue lösen, Segel setzen und sehen, was sie für uns parat halten.

Mit dem famosen Opener „To Holmgard And Beyond“ bricht ein unglaublich hymnisches Stück wie eine steife Sommerbrise über den Hörer herein, der durch den mitreißenden Refrain alsbald die Faust gen Himmel reckend auf eine Reise zu fernen Ländern, die Abenteuer und Reichtum versprechen, aufbrechen will und sich gleichsam den Protagonisten des Albums anschließt, denn heuer führen uns Turisas auf einen Weg gen Süden, genauer auf den VARANGIAN WAY. So verlässt man mit windgeblähten Segeln und voller Tatendrang die heimatlichen Gewässer, um auf eine Reise zu gehen, die womöglich keine Wiederkehr kennt.
Dieser Gedanke nimmt in „A Portage To The Unknown“ erste Züge an, denn das Stück beginnt mit einem typisch osteuropäisch-melacholischen Akkordeonspiel, welches die Richtung der Reise andeutet. Auch musikalisch zeigt das Lied an, wohin es geht. Es wechseln sich klare erzählende mit rauen, fast grunzenden Gesangsparts ab, welche in eine, von dominanten Keyboards geleitete, chorähnliche Passage mündet, die den Meistern von Blind Guardian alle Ehre machen würde.

Erdig und auf die ansonsten vorherrschende Rhapsody Of Fire lastige Keyboardintonierung verzichtend, verfluchen die aggressiven Growls von „Cursed Be Iron“ die Entdeckung des Eisens und alle mit ihm verbundenen Ärgernisse. Nicht zuletzt der Gesangsmelodie und -akzentuierung des Liedes wegen lassen sich Parallelen zu den Färöern von Týr ziehen. Auch inhaltlich folgt der Text, der erst bei Blick ins Booklet erkenntlich einem antiquierten Englisch entspricht und dem finnischen National Epos Kalevala entspringt, Týr ähnlichen mythologischen Pfaden, die von der Entdeckung und Bearbeitung des Eisens durch den sagenhaften Schmied, Ilmarinen, handeln und die zusätzlich im schamanischen Stile beschwörend wirken, ähnlich einigen Stellen in „Vesilahden Veräjillä“ vom neuen Korpiklaani Album, TERVASKANTO.

Hymnisches schließt sich mit „Fields Of Gold“ an, welches durch das orientalisch angehauchte Zwischenspiel den Fortgang der Reise in orientalischere Gefilde, ins Reich der Sarazenen, andeutet, bevor dies jedoch soweit ist kehren die Protagonisten noch am Hofe des Goten Königs Jarisleif in Novgorod ein. So dominieren hier osteuropäische Rhythmen, wie man sie in den Eurovision Songcontest Beiträgen diverser Balkanstaaten finden kann. „In the Court of Jarisleif” erweckt leichthin den Eindruck eines bunten, festlichen Treibens, welcher durch die Zwischenrufe und Einspielungen weiter verstärkt wird.

Nach soviel ausgelassener Fröhlichkeit setzt in „Five Hundred And One“ düster das nächtliche Erwachen ein. Während der Growlparts erzeugen die Keyboards eine klassisch dramaturgische Stimmung, während hingegen in den klaren Gesangspassagen die Gitarren dominieren. Ein dramatisch wirkendes resümierendes Zwischenspiel, in welchem der mehr gesprochene als gesungene Text stark an Manowar Lieder der Marke „Swords In The Wind“ erinnert, mündet in dionysus’sche, mehrstimmige Chöre, die den Hörer in eine Aufbruchstimmung zum letzten Teil der Reise versetzen, welcher in die gefährlichen Stromschnellen des Dnjepre führt und teilweise in „The Dnieper Rapids“ opernähnlich instrumentalisiert und filmmusikähnlich hoch dramaturgische Spannungsbögen aufbaut, die ferner durch die dazwischenbrechenden Stakkatogitarren das Gefühl von rauen Gewässern erzeugen. Nahezu sakral erheben sich Gemischtenchöre über den Growls, die sich durch das Lied und die Gefahren des Flusses kämpfen. Leiser werdend klingt das Lied aus, um schließlich von einer fesselnden epischen Passage zu Beginn des letzten Stückes „Miklagard Overture“ abgelöst zu werden.

Nach diesem Einstand erinnert der Text des klaren, von akustischen Gitarren begleiteten, Gesangs an den Anfang der Reise und deren Ziel, welche in der Folge abwechselnd growlend und singend vorgetragen von Keyboardklängen untermalt werden. Dieses Wechselspiel gipfelt in die bereits bekannten Chöre, die von einem Retro-solo unterbrochen werden, um schließlich allen Elemente noch einmal Raum zur Entfaltung zu bieten: von den von Blind Guardian bekannten Bardengesängen, über raue Growls, bis hin zu klassisch, epischen Chören, mit welchen schließlich die Reise und das Album vor den Toren Konstantinopels endet.

Fazit: Was passiert, wenn man Drachen, Kriegshymnen und allerlei folklore Elemente miteinander paart? Im Falle von THE VARANGIAN WAY von Turisas entsteht eine eindrucksvolle Reise auf einem Drachenboot vom finnischen Meerbusen bis hin zum Bosporus, die den Hörer von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und keinen Vergleich mit seinem Vorgänger scheuen braucht. Einzig die starke Keyboardorientierung bildet einen kleinen Wehmutstropfen.

Tracklist:
1. To Holmgard And Beyond
2. A Portage To the Unknown
3. Cursed Be Iron
4. Fields Of Gold
5. In The Court Of Jarisleif
6. Five Hundred And One
7. The Dnieper Rapids
8. Miklagard Overture

Anspieltipps: To Holmgard And Beyond, Cursed Be Iron, Miklagard Overture

Line-Up:
Mathias „Warlord“ Nygård - Gesang
Jussi Wickström – Gitarre
Hannes „Hanu“ Horma – Bass, Backing Vocals
Tuomas Tude Lehtonen – Schlagzeug
Olli Vänskä – Geige
Janne „Lisko“ Mäkinen – Akkordeon

DISCOGRAPHY:

2004 – Battle Metal
2007 – The Varangian Way


SQUEALER-ROCKS Links:

Turisas - The Varangian Way (CD-Review)

Turisas & Norther - Karlsruhe, Substage (Live-Review)

SONSTIGES:

BANDHOMEPAGE
Diesen Beitrag im Forum diskutieren