Squealer-Rocks.de CD-Review
Eldritch - Blackenday

Genre: (Progressive) Power Metal
Review vom: 12.04.2007
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label:



Manche Bands lassen nichts unversucht, um sich aus der großen Masse an gleichgesinnten Bands hervorzuheben. Aktuelles Beispiel: Die seit gut zehn Jahren aktiven Italiener von Eldritch. So fällt deren neuestes, über Limb Music erscheinendes Werk BLACKENDAY laut Pressebegleitschreiben, unter die dubiose, mir bislang noch nicht zu Ohren gekommene Bezeichnung „Melodic Techno Thrash“. Alles klar? Dass diese absichtliche Hochstilisierung mit der Realität genauso wenig übereinstimmt wie die plakative Darstellung, dass sowieso alle italienischen Metal-Combos in irgendeiner Form dem plastischen und aufgetakelten Bombast-Kitsch von Rhapsody frönen, dürfte einen nicht weiter verwundern. Und so beginnen wir ganz einfach wieder bei Null!

Die einst bei Inside Out unter Vertrag stehenden und bekanntermaßen experimentierfreudigen Eldritch, die sich von einer astreinen Progband stetig zu einem filigranen Power Metal Act entwickelten, stechen tatsächlich aus dem undurchsichtigen Meer heraus und suchen ihren eigenen Weg, der möglichst das hochgesteckte Ziel „die Einkaufstaschen der Headbanger-Zunft“ erreichen soll. Aufgepeppt durch einige progressive Farbtupfer, die sich in versierten Soli und manch einer komplexeren Songstruktur widerspiegeln, verschreibt sich das Quintett dem donnernden und von fetten Annihilator-mäßigen Riff-Einlagen gefestigten Power Metal. Nicht nur mit dem Verweis aufs Band Line-Up, in dem kein Keyboarder gesichtet wird, dürfte klar sein, dass sich die Truppe in der direkteren nordamerikanischen Ecke befindet.

Im Vergleich zu den beiden Vorgängeralben PORTRAIT OF THE ABYSS WITHIN (2004) und NEIGHBOURHELL (2006) geht man dabei allerdings ein Stück weit düsterer und bedrohlicher zu Werke. Um euch diesen Unterschied etwas zu veranschaulichen: Legt zuerst Blind Guardian’s SOMEWHERE FAR BEYOND und danach Iced Earth’s BURNT OFFERINGS (wahlweise auch die „dunkleren“ Seiten von THE DARK SAGA) ein und ihr könnt die kleine, aber feine Wandlung der Mannen aus der Stiefelrepublik nachvollziehen.

Interessanterweise – und deshalb avancieren Eldritch und das, im Übrigen ordentlich selbstproduzierte, BLACKENDAY zu einem echten Geheimtipp für nahezu jeden Metal-Fan – halten sich die in einer Vielzahl auftretenden scharfkantigen, teils thrashigen Gitarrenläufe, die phasenweise gar Erinnerungen an alte Machine Head und noch ältere Pantera wecken, und die zündenden und ultramelodischen Parts die Waagschale. Missachtet man mal die dem Ex-Zeus-Gitarrist Eugene Simone entstammende metallische Ummantelung, fällt der Chorus des schmissigen und feschen Openers „Silent Flame“ in die Kategorie derjenigen Songs, die man nach einmaligem Hören unter der Dusche zum Besten geben kann. Als Kontrast dazu wird „The Fire“ von tiefen Death Metal Stürmen (inklusive Growls) heimgesucht. Wie eingangs gesagt: Eldritch lassen nichts unversucht... bei solch perfektionistischen Umsetzungen soll mir das auch recht sein.

Selbst der vakante Gesangsposten, den mit dem gebbürtigen Amerikaner Terence Holler ein angenehmer Zeitgenosse inne hat, bietet keine Angriffsfläche. Als Grundlage hat sich der Gute die mittleren Höhen herausgepickt, von denen aus er (quasi als Hauptverkehrsknotenpunkt) die unterschiedlichsten Richtungen einschlagen kann, was ihm im Hinblick auf das vielfältige instrumentale Programm, dem er in den meisten Fällen mit einer Anpassung kleinbeigibt, mehr Freiräume offen lässt. Was Vergleichsmöglichkeiten betrifft, weise ich in den mittleren Lagen auf Todd Plant (Millenium, Cryptic Vision, Eyewitness) hin, wohingegen manche aggressivere Einlage (beispielsweise in „The Child That Never Smiles“) auch einem gewissen Phil Anselmo angeheftet werden könnte. Keine allzu schlechten Referenzen würde ich mal sagen.

Wenn ich euch jetzt noch mitteile, dass in der ergreifenden Powerballade „Broken Road“ Ray Alder (Fates Warning, Redemption) und Nicholas van Dyk (Redemption) vorbeischauen, werdet ihr endgültig vor Freude heulen.

Fazit: Die Power von Iced Earth, die Virtuosität von Fates Warning, die Intelligenz von Evergrey, die Dynamik von Nevermore und die Härte von Annihilator in einem unverwechselbaren Sound... das spricht für sich. Und bei dieser Klasse können sie das Kind meinetwegen auch „Melodic Techno Thrash“ nennen. Starke Platte!

VÖ: 20. April 2007

Tracklist:
1. Silent Flame
2. The Deep Sleep
3. The Blackened Day
4. Why
5. Black Rain
6. Broken Road
7. Rumors
8. Frozen
9. The Child That Never Smiles
10. The Fire
11. Shallow Water Flood
12. Never Dawn

Anspieltipps: The Deep Sleep, The Blackened Day, Broken Road, Never Dawn

Band Line-Up:
Terence Holler – Gesang
Rob „Pek“ Proietti – Gitarre, Backing Vocals
Eugene Simone – Gitarre
John Crystal – Bass
Dave Simeone – Schlagzeug

DISCOGRAPHY:

1995 – Seeds Of Rage
1997 – Headquake
1998 – El Nino
2001 – Reserve
2004 – Portrait Of The Abyss Within
2006 – Neighbourhell
2007 – Blackenday


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