Squealer-Rocks.de CD-Review
Pure Reason Revolution - The Dark Third

Genre: Progressive/Art Rock
Review vom: 16.02.2007
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label: InsideOut



Noch bevor der erste Ton von THE DARK THIRD erklingt, steht fest, dass die in und um London beheimateten sechs Musiker von Pure Reason Revolution eine schwere Last auf ihren recht unerfahrenen Schultern tragen. Mithilfe des Hinausposaunens, dass es sich hierbei um „das Pink Floyd des 21. Jahrhunderts“ handeln soll, schärfen die amerikanischen Pressevertreter mitunter nicht nur die Hellhörigkeit der auf den alten Platten von David Gilmour und Co. sitzen Gebliebenen, sondern schrauben auch die Erwartungshaltung seitens Fans und internationaler Presse in ungeahnte Höhen, so dass man sich ernsthafte Sorgen um Pure Reason Revolution, ob sie dem Druck denn standhalten können, machen muss. Werden sie diesem hohen Anspruch gerecht?

Um solchen Gefahren vorzubeugen, soll bereits die Betrachtung des CD-Cases von einer Verzückung und dem überwältigenden Aha-Moment seitens des Käufers begleitet sein, so dass darauf alle weiteren Freudestrahlen basieren. Denn das Prog-Label Nummer eins, Inside Out, hat weder Kosten noch Mühen gescheut und offeriert uns ein sich aus zwei CDs zusammensetzendes, weltweit erscheinendes Package, das zusätzlich zur britischen und amerikanischen „Standardausgabe“ von PURE REASON REVOLUTION zwei unveröffentlichte Songs parat hält. Zur Rezension stand mir jedoch lediglich die erste CD zur Verfügung.

„Das dunkle Drittel“ bezieht sich auf das Faktum, dass wir ein Drittel unseres Leben mit Schlafen verbringen, und beschäftigt sich, nicht nur auf lyrischer Ebene, mit den aus dem Thema „Träumen“ herausgezogenen Visionen. So wartet jedes der neun, teilweise mehrstufigen Stücke mit einer unterschiedlich starken Dosierung an träumerischen Sequenzen, die durch den Einsatz von sphärischen Keyboard- oder Synthesizerklängen, Violinen und mehrstimmigen Gesängen besonders hervorgehoben werden, auf. In „Apprentice Of The Universe“ fühlt man sich beispielsweise, aufgrund des einen erfrieren lassenden „Tastenspiels“ und dem ab und an aufkommenden Wind, wie auf einem visionären Streifzug über die eiskalte sibirische Tundra.

Erstklassig von der lebenden Produzentenlegende Paul Northfield (u.a. Rush, Porcupine Tree) in Szene gesetzt, kämpft sich das einstündige Werk gekonnt und elegant im modernen Art Rock Stil, der Namen wie Muse, Anathema oder Radiohead (die alten) herausgebracht hat, durch gedämpfte und gedrückte Stimmungen. Ebenso sind kleinere Verweise zum Neo Prog und zu Pink Floyd und Genesis, selbst wenn das prägnante „Nimos & Tambos“ gar einen gewissen Phil Collins „In The Air Tonight“ Charme versprüht, nicht von der Hand zu weisen. Doch Pure Reason Revolution finden auf dieser Grundlage mit ihrer fünfstimmigen Gesangsarbeit unter der verhaltenen Führung der bezaubernden Stimmen von Chloe Alper und Jon Courtney ihren eigenen Weg, der die Strecke von langatmigen, experimentierfreudigen und facettenreichen („Arrival / The Intention Craft“) über instrumentale („Aeropause“) zu sehr markanten, delikaten und auf Anhieb nachvollziehbaren Kompositionen („Bullitts Dominae“) in Anspruch nimmt.

Wenn ein gewisser Herr Putin übrigens über ein erneutes Eintreffen des Wettrüstens, an dem er ja auch nur minimal beteiligt ist, schimpft, dann frage ich mich, wie er sich über „The Bright Ambassadors Of Morning“ auslassen würde, wenn er davon wüsste, dass sich hier 60 (!) Tonspuren in einem großen zwölf Minuten andauernden Ganzen tummeln. Nicht zu vergessen, dass diese Nummer trotz der Länge und der sich darin befindlichen Theatralik richtig lockere und eingängige Passagen bereitstellt.

Fazit: Auch wenn einem diese Pink Floyd Gleichsetzung derzeit noch etwas anmaßend erscheint, finden sich Pure Reason Revolution mit ihrem Erstlingswerk THE DARK THIRD bereits auf dem Pfad der in naher Zukunft tendenziell wichtigsten Prog Acts wieder. Und ich kann euch sagen, dass sie auf diesem langen Pfad ganz sicher nicht in der letzten Reihe stehen!

VÖ: bereits erschienen

Tracklist:
CD 1:
1. Aeropause
2. Goshen's Remains
3. Apprentice Of The Universe
4. The Bright Ambassadors Of Morning
5. Nimos & Tambos
6. Voices In Winter / In The Realms Of The Divine
7. Bullitts Dominae
8. Arrival / The Intention Craft
9. He Tried To Show Them Magic / Ambassadors Return
CD 2:
1. In Aurélia
2. Borhens Vor
3. The Exact Colour
4. The Twyncyn
5. Trembling Willows
6. Golden Clothes

Anspieltipps: Apprentice Of The Universe, The Bright Ambassadors Of Morning, Bullitts Dominae

Band Line-Up:
Chloe Alper – Gesang, Bass
Jon Courtney – Gesang, Gitarre, Programming, Keyboards, Bass
Greg Jong, Gitarre, Gesang, Keyboards
Jamie Willcox – Gitarre, Gesang
Andrew Courtney – Schlagzeug, Percussion
James Dobson – Keyboards, Programming, Violine, Gesang, Bass

DISCOGRAPHY:

2007 - The Dark Third

SQUEALER-ROCKS Links:

Pure Reason Revolution - The Dark Third (CD-Review)

SONSTIGES:

BANDHOMEPAGE
Diesen Beitrag im Forum diskutieren