Squealer-Rocks.de CD-Review
FM - Heroes And Villains

Genre: Melodic Rock
Review vom: 03.05.2015
Redakteur: Eric
Veröffentlichung: 17.04.2015
Label: Frontiers Records



Okay, irgendwie abgedroschen ist er zugegebenermaßen schon, der Spruch vom guten Wein, der mit der Zeit immer noch besser wird. Aber in Zusammenhang mit FM, einer sträflich unterbewerteten Melodie-Combo von der Insel, muss er einfach sein.

So richtig aus dem Quark gekommen sind sie in den Achtzigern nicht, jedenfalls gemessen an Genre-Kollegen wie Foreigner. Mag sein, dass den Briten ihr persönliches „Urgent“ als Dosenöffner gefehlt hat, den Monsterhit gab es halt nicht. Dessen ungeachtet erhielten Alben wie „Indiscreed“ oder „Tough It Out“ niemals die Anerkennung, die ihrer musikalischen Potenz zugestanden hätte.

Den großen Durchbruch wird es auch jetzt nicht geben, darauf hoffen dürfte wohl auch keiner ernsthaft. Gott sei Dank hält dieser Umstand die Briten nicht davon ab, seit dem Comeback-Album „Metropolis“ vor fünf Jahren die kleine, aber feine Fanschar regelmäßig mit neuem Stoff zu versorgen. „Heroes And Villains“ ist, abseits jeder Chartplatzierung und Berechnung, ein Musterbeispiel dafür geworden, dass der gute Rock unsterblich ist. Natürlich hängt das mit Steve Overland’s warmer, ergreifenden Stimme zusammen. Natürlich hängt es damit zusammen, dass FM anno 2015 wunderbar druckvoll und wohltuend produziert sind. In erster Line aber, und darum geht es im Wesentlichen halt, hängt es mit den Songs zusammen.

Clever von den Briten, einen Brecher (wohlgemerkt, für FM-Verhältnisse!) wie „Digging Up The Dirt“ an den Start zu stellen, kommt mit leichten Def Leppard-Vibes daher und ist, um es auf den Punkt zu bringen, nahe am perfekten Melodic Rock-Song. In der Folge zelebrieren FM AOR und melodischen Rock, bei dem Fans vor den Lautsprechern einen Ohrgasmus nach dem nächsten erleben dürfen. Es kommt mal fast poppig daher („Call On Me“), mal charttauglich in höchsten Maße mit den dazugehörigen „Hey’s“ und „Whoho’s“ wie auf „Shape I’m In“, und zwei atemberaubende Highlights gibt es noch dazu.

An’s Ende der Platte wird „Walking With Angels“ gesetzt, eine Lagerfeuer-Nummer, die den Mut mitbringt, sich auf das nötigste zu reduzieren und sich voll und ganz auf Overland’s geniale Stimme verlässt. Wer da keine Gänsehaut bekommt gehört zu den Leuten, denen bei Criminal Minds am Ende Handschellen angelegt werden. Zwei Highlights, ihr habt aufgepasst, eins fehlt noch: „Fire And Rain“ ist einer der feinsten Rock-Songs, die mir in letzter Zeit untergekommen sind, und einmal mehr, Punkt! Nein, Ausrufezeichen!

Am Ende bleibt mal wieder ein fantastisches Album der Briten, man könnte verzweifeln ob der Tatsache, dass derart feine Musik anno 2015 ein Nischendasein zu fristen hat, während kalkulierter Schrott für Millionenumsätze sorgt. Man könnte, andererseits, froh sein darüber und stolz darauf zu denen zu gehören, die diese Nische gefunden haben und sich an „Heroes And Villains“ erfreuen, ein wahres Kleinod zu Zeiten, in denen Belanglosigkeit Hochkonjunktur hat. Daumen hoch, ein Juwel!


Tracklist:
1. Digging Up The Dirt
2. You’re The Best Thing About Me
3. Life Is A Highway
4. Fire And Rain
5. Incredible
6. Call On Me
7. Cold Hearted
8. Shape I’m In
9. Big Brother
10. Sometimes I Only Wanna Rock And Roll
11. I Want You
12. Walking With Angels

Lineup:
Steve Overland (vocals)
Merv Goldsworthy (bass)
Pete Jupp (drums)
Jem Davis (keys)
Jim Kirkpatrick (guitars)

DISCOGRAPHY:

1986 - Indiscret
1989 - Tough It Out
1991 - Takin' It To The Streets
1992 - Aphrodisiac
1992 - No Electricity Required
1995 - Dead Man's Shoes
2010 - Metropolis
2013 - Rockville
2015 - Heroes And Villains

SQUEALER-ROCKS Links:

FM - Metropolis (CD-Review)
FM - Heroes And Villains (CD-Review)

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