Squealer-Rocks.de CD-Review
Cows & Fandango - Stomp

Genre: Country Rock
Review vom: 09.09.2014
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: Bereits veröffentlicht
Label: Eigenproduktion



Selbst nach 10 Jahren Arbeit für SQR und dem ständigen Bemühen, auch mal Exotisches vorzustellen, gibt es immer noch Nischen die wir bisher nicht auf unserer kleinen, aber feinen Plattform für gute Musik zu Gast hatten.
„Moment mal!“, ruft da aufgebracht und völlig zu Recht der Stammleser. „Country Mucke war schon immer ein Thema bei Euch!“. Richtig! Jedoch niemals in dieser Form, also dranbleiben – es lohnt sich....

Eine Country Produktion aus Deutschland hatten wir nämlich noch nie und der Begriff „Produktion“ wird hier auf ein Mindestmaß reduziert, sprich: Wir hören 12 famose, mitreissende bis gefühlvolle Songs, die lediglich aus akustischer Gitarre und Gesang bestehen.
Da merkt der aufmerksame Beobachter sofort, es kann sich bei Cows & Fandango eigentlich nur um ein Duo, ein Trio mit 2 Gitarren plus Sänger, ein Quartett mit zwei Gitaren und zwei Sängern oder um ein Quintett mit einer Gitarre und vier Sängern handeln, oder so...

Spaß beiseite: Cows & Fandango sind Becky Gaber am Gesang und Vito Papotto an der akustischen Laute und ihr Stil ist zwar irgendwo Country, aber auch wiederum nicht.
Zumindest nicht das, was man gemeinhin unter Country versteht.
Oder das, was der RTL Pöbel mit diesem Begriff (ich sage nur Boss Hoss) verbindet.
Hier wird MUSIK gemacht, die darauf aufgebaut ist, Atmosphäre zu erzeugen, die aufgrund ihrer reduzierten Ausrichtung Schwächen im Songwriting sofort gnadenlos aufdecken würde.

Es ist absolut faszinierend, wieviel Abwechslung die beiden Musiker zu bieten haben:
Da flötet uns am Ende des Albums ein völlig durchgeknalltes „Yeeehaaa“ entgegen, das wie Dolly Parton auf Speed klingt und selbst die alkoholisierten Rentner auf einem Strassenfest in Wanne - Eickel zwischen zwei Wacholdern zum Mitklatschen animieren würde, während das absolut ergreifende „Up on us“ eher auf ein Scheibchen von Melissa Etheridge passen würde.

Apropos: Die beinahe nicht in Worte zu fassende Gesangsleitung von Becky erinnert nicht nur einmal an die Grande Dame aus den Staaten – ich ertappe mich sogar dabei, „Stomp“ mit einem Unplugged Album von Frau Etheridge zu vergleichen.
Somit stellt sich die Frage, wo Country anfängt, wo echter Blues aufhört, und inwieweit man dieses nette Kleinod handgemachter Musik überhaupt noch irgendwo einordnen kann.
„Macht einfach Bock“ - das wäre mal ein neues Genre, das Sinn machen würde.

Nun sind wir ja nicht in Tennessee, sondern bei SQR, der Heimat für Hardrock und Heavy Metal. Von daher gebietet es die redaktionelle Pflicht zu erwähnen, dass der Kuttenträger schon etwas Geduld braucht, um alle 12 Songs, ungeachtet der hohen Qualität, unfallfrei zu überstehen.
Soll heissen: Man muss schon in der Stimmung sein, diese Art von Mucke zu hören.
So erwische ich mich, wie ich bei tollen mitreissenden Tracks wie „Outlaw“ oder dem Titelstück denke, wie geil sich diese grandiosen Kompositionen anhören würden, wenn man nun statt der akustischen eine stromverzerrte Klampfe und ein sattes Schlagzeug hören würde – da denkt man unwillkürlich an ZZ Top oder Molly Hatchet.

Insofern empfehle ich jedem Fan dieses Album, der bereit ist, sich mal auf eine ungewöhnliche Atmosphäre einzulassen, die auf der Bühne mit Sicherheit noch um einiges besser funktioniert.
Der Longplayer wird in einer schmucken Holzbox serviert, es lohnt sich also, mal auf die Homepage von Becky Gaber zu glotzen, die ich – ohne Übertreibung! - für eine der besten Sängerinnen aktuell halte – und zwar Szene übergreifend und weltweit!


Tracklist:
1. Hey Baby
2. Selling my Soul to the Devil
3. Cattleman
4. Outlaw
5. Stomp
6. Under the Bed
7. Alright
8. She's my Gasoline
9. Someday
10. Up on Us
11. Dust off and saddle up
12. Yeeehaaa


Line Up:
Becky Gaber – Vocals
Vito Papotto - Guitar

DISCOGRAPHY:

2014 - Stomp

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