Squealer-Rocks.de CD-Review
Angantyr - Svig

Genre: Pagan Metal
Review vom: 29.08.2010
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: 03.09.2010
Label: Northern Silence Productions



Schon ein kurzer Blick auf das Cover verrät, wohin die Reise wohl gehen mag, auf die uns die dänische Band Angantyr einlädt:
Rauch quillt in Schwaden aus riedgedeckten Häusern, von Flammen verzehrt, tote Körper liegen verstreut am Grunde und nur einer scheint dem Massaker entkommen zu sein. Den Helm zur Seite geworfen, gerade noch dem Tode, den Flammen entronnen, kniet er mit vor Wut und Schmerz verzerrtem Gesicht im Grase.
Man wartet nur auf den Schrei nach Vergeltung.

Tatsächlich folgte man auf „Svig“ (dt. Schwindel) dem blutigen Pfad des Protagonisten, Arngrim, der sich aufmachte, den Tod seiner Familie zu rächen. Angesiedelt irgendwann im neunten oder zehnten Jahrhundert lässt der Beginn von „En Fjendes Død“ keinen Zweifel daran, wessen Blut vergossen werden wird. Man vernimmt sakrales Orgelspiel – wohl aus einer Klosterkirche, dann lauscht man wie bei einem Hörbuch vorahnungsvoll den schweren, gestiefelten Schritten, die sich über die Steinplatten nähern, was als nächstes folgen wird, kann man sich bereits denken und bekommt es alsdann vor Ohren geführt – es spritzt reichlich Blut.
Gleichsam bricht ein schwarzmetallischer Sturm los, der das Lied voran peitsch. Im selben Moment, in welchem die Blastbeats zurückweichen, setzen stimmungsheischende Synthis und wehklagendes Growling ein, welche das das Lied bis zu seinem Ende bestimmen.

Man kann Angantyr alias Ynleborgaz wahrlich einen Einstieg nach Maß attestieren. Wenn man unweigerlich musikalische Parallelen zu Emperor zieht, dann ist dies wohl durchaus so gewollt – liegt doch das Augen- oder Ohrenmerk auf mittneunziger Black Metal aus Norwegen. Ein Hauch von Ironie weht dabei durch Raum, denn jahrhundertelang dominierten die Dänen Skandinavien, nun aber bedient man sich norwegisch geprägtem Metal.

Übergangslos braut sich in „Raukes Ran“ erneut ein schwarzer Sturm zusammen, der jedoch bereits nach kurzer Zeit an Gewalt einbüßt. Vielmehr dominieren stimmungsvolle Melodien und eine gewisse Hymnenhaftigkeit das Stück, welches insbesondere aufgrund des tragenden Rythmusspiels des Schlagzeuges einen Tick todesbleierner wirkt. Gleichwohl wird das nächste Lied, „Skyggespil“, von einem eingängigen, headbang tauglichen Rhythmus bestimmt, der zusammen mit dem prägnanten Leadgitarrenthema im Mittelteil die Faust im Takte gen Himmel recken lässt. Der Titeltrack wartet mit allerlei Tempovariation auf, wenngleich sich diese vor allem auf das Schlagzeugspiel beschränkt, wohingegen die Gitarren Rhythmus und Tempo zumeist beibehalten. Durch die langen Nächte, „Ni Lange Nætter“, gelangt man schließlich zum finalen Stück „Arngrims Armod“, welches mit Ambienteklängen beginnt, die man doch ein wenig bei den anderen Liedern vermisste. Man hört den Schlag der Ruder im Takt der Trommel, das Geräusch der Wellen gegen den Bug, begleitet von Akustikgitarren und beim Einsetzen des hymnischen, schwarzgewandeten Hauptthemas beginnt sogar der Himmel zu weinen – tatsächlich begann es in gerade diesem Moment zu regnen. Sich vor allem im Midtempo bewegend und stark an den opulenten Vorgänger „Hævn“ erinnernd ist dies wohl einer der mitreißendsten Songs des Albums.
Letztlich findet man sein Ende in den Flammen…

Fazit: „Svig“ schafft es auf dem schmalen Grad zwischen Härte und Melodik zu wandern, ohne zu sehr das eine dem anderen zu opfern, wodurch es sehr angenehm zu hören ist, jedoch vermisst man die Passagen mit Wiedererkennungswert, welcher die richtig guten Alben auszeichnet. So gelingt es Angantyr ein überzeugendes, wenn auch nicht überragendes, Album zu veröffentlichen, welches die mittneunziger Emperor Einflüsse nicht leugnen kann.


Tracklist:
1. En Fjendes Død
2. Raukes Ran
3. Skyggespil
4. Svig
5. Ni Lange Nætter
6. Arngrims Armod

Anspieltipps: En Fjendes Død, Skyggespil, Arngrims Armod

Line-Up:
Ynleborgaz – alles

DISCOGRAPHY:

1998 - Endeløs (Demo)
2000 - Kampen Fortsætter
2001 - Nordens Stolte Krigere (Demo)
2004 - Sejr
2007 - Hævn
2010 - Svig


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Angantyr - Svig (CD-Review)

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