Squealer-Rocks.de CD-Review
Autumn Hour - Dethroned

Genre: Progressive Thrash Rock
Review vom: 24.01.2010
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: 22.01.2010
Label: Cyclone Empire



Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint, bei diesem Debütalbum. Auf finsterem Grund blitzt ein heller Lichtstrahl auf, so als ob ein Stern gerade am Ende seines Lebens in den Weiten des Weltalls zerbersten würde und alles in wenigen Augenblicken vernichtet, was er über Millionen von Jahren erschaffen hat. Jedoch aus seinen Resten kann ein neuer Stern entstehen und mit ihm ein Planetensystem, in welchem sich aus Wasserstoff und Sauerstoff Wasser bildet, jenes Element, das vor Urzeiten Leben auf einem kleinen Planeten erst ermöglichte – die Erde. So wie wir nur der Nachhall des Todes der Mutter unserer Sonne sind, so können auch wir vergehen und die Welt, die wir geschaffen haben, verlassen, um einzig als ferner Nachhall noch von dem, was da kommen mag, wahrgenommen zu werden.

Mit „Dethroned“ legen die in den USA beheimaten Autumn Hour ihr Debütwerk vor, welches als Progressive Thrash Rock/Metal beworben wird. Ein Einband, der viel verschleiert und wenig erklärt, was sich hinter dem düsteren Albumcover verbirgt. Obwohl es sich hier um ein Debütalbum handelt, sind die Recken, die sich hinter dem Namen der Herbststunde verbergen, alte Hasen im hardrockenden Geschäft. Sänger und Bandgründer Alen Tecchio war bereits Teil von Bands wie Hades, Watchtower und Non-Fiction, die aus meiner Sicht nicht viel mehr als Namen im Winde sind, aber älteren Zeitgenossen durchaus ein Begriff sein dürften.

Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Für wahr, denn auf den ersten Blick scheint sich das Quartett tatsächlich einem progressiv angehauchten Thrash Metal hinzugeben, der von schwermetallischem Riffs und Doublebase getrieben voran stürmt, gleichzeitig aber von einem Hauch progressiver Frische umweht wird. Eben jener Hauch ist es, der einen alsbald stocken lässt und hinab reißt in die Tiefen dieses Projektalbums. Denn wo man gerade noch an Nevermore oder gar richtige Thrash Metal Bands dachte, fällt man in bodenlose, rockige Sphären, die durch teils Alternative angehauchte Passagen fast poppig eingängig wirken. Sperrig klingt in jedem Falle anders.

Unversehens stolpern wir hinein in die „Techceleration“, die Beschleunigung der technischen Entwicklung. Dieser Begriff fußt auf dem Buch „The Singularity Is Near“ von Ray Kurzweil, wie auch das ganze Konzept, auf welchem die düstere Geschichte von „Dethroned“ gründet. Kurzweil begründet darin, weshalb der Mensch seine naturgegebenen Grenzen mithilfe einer voranschreitenden Technologisierung in den kommenden Dekaden sprengen wird, da diese einer Exponentialfunktion gehorcht. Darin ist der Begriff der Singularität, an die er und andere, die sich als „singularitarians“ bezeichnen, glauben, durch das Verhalten der e-Funktion im Limes für t gegen unendlich selbst gegen die Unendlichkeit zu streben begründet. So faszinierend Kurzweils Ausführungen zur Verschmelzung von Mensch und Maschine und der Überwindung der körperlichen und geistigen Grenzen – selbst des Todes („We will be able to live as long as we want (a subtly different statement from saying we will live forever).“ Ray Kurzweil – Singularity is near; 2005, VIKING) – sind, so weiß auch die Musik selbst zu bestechen.

Also genug des Hintergrundes. In jenem erwähnten Stück der Nummer 1.3 tritt das Thrash Metal Element langsam zurück und gibt den Blick frei auf eine Klanglandschaft, die mal von gefühlvollen Gesang getragen wird, im nächsten Moment aber wieder durch scharfes Shouting aufgerüttelt wird. Dazwischen erheben sich Frickelsoli, die aber in keinster Weise abgehoben oder Effekt heischend daherkommen. Je weiter man voranschreitet in der Verschmelzung von Mensch und Maschine, umso stärker tritt der trashige Aspekt des Albums zurück und ein von sphärischen Gitarren getragenes Werk eröffnet sich vor dem staunenden Hörer – Tremendum und Faszinosum erfüllen einen gleichermaßen. Nahtlos fügt sich da das Eurythmics Cover „Here Comes The Rain Again“ in dieses Bild, welches musikalische Versiertheit mit dem sicheren Gespür für Melodien verbindet.

Ob nun von einem markanten Basslauf geprägt wie „Fade Out“ oder bluesig und hardrockend zugleich wie „Unbelievable“ und dadurch immer mehr an das Meisterwerk von Queensrÿche „Operation: Mindcrime“ erinnernd, Autumn Hour verstehen es Stücke zu schreiben, die unglaublich kurzweilig daherkommen und doch nie erahnen lassen, was sich hinter der nächsten Biegung verbirgt.

Fazit: Ohne Frage ist „Dethroned“ ein faszinierendes Album voller unerwarteter Wendungen, die einen von kantigem Thrash Metal zu altehrwürdigem Progressive Rock führen. Was passiert, wenn Nevermore auf Queensrÿche treffen? Hört euch das Debüt Album von Autumn Hour an und vielleicht findet ihr die Antwort auf diese Frage.


Tracklist:
Part I: Singularity In The Making

1. Oblivion
2. End User
3. Techceleration (The Machine Speaks)
4. Here Comes The Rain Again (Eurythmics Cover)

Part II: Endgame
1. Fade Out
2. Unbelievable (The Mind Speaks)
3. Dethroned
4. How Were We Supposed To Know?

Part III: The Machine Kid
1. Every Day (The Body Speaks)
2. Transcend
3. The Past (The Heart Speaks)
4. Rebirth

13. Rafi
14. How Were We Supposed To Know? (Acoustic)

Anspieltipps: End User, Fade Out, How Where We Supposed To Know?

Line-Up:
Alan Tecchio – Gesang
Justin Jurman – Gitarre, Gesang
Clint Arent – Bass
Dave Lescinsky – Schlagzeug, Gesang

DISCOGRAPHY:

2010 - Dethroned

SQUEALER-ROCKS Links:

Autumn Hour - Dethroned (CD-Review)

SONSTIGES:

BANDHOMEPAGE
Diesen Beitrag im Forum diskutieren