Squealer-Rocks.de CD-Review
Hellveto - Neoheresy

Genre: Epic Black Metal
Review vom: 28.10.2008
Redakteur: Reaper
Veröffentlichung: 31.10.2008
Label: Pulverised Records



Kalter Wind fährt durch das Dunkel der Nacht. Bäume schwanken. Das trockene Gras raschelt. Regen mengt sich darunter, schlägt prasselnd auf die Straßen. Leise knarren alte, rußschwere Dielen. Das Geräusch von Reifen auf nassem Asphalt. Ein knisterndes Feuer im Kamin. Das Tanzen von Kerzenflammen in der Dunkelheit. Neonlicht spiegelt sich in den Pfützen. Verlorene Melodien. Klopfen der Geister in den Wänden. Entseeltes Leben. Gestern und heute werden eins, eine neue Ketzerei aus vergangener Zeit.

Drohend lugen einem die Schatten der Galgen entgegen und aus ihrer Mitte entsteigt etwas den Schatten – selbst noch ein Schatten. Ist es ein Mensch, der mit ausgebreiteten Armen dort steht – ein Mensch, der vom schwarzen Feuer eines Scheiterhaufens verzehrt wird?
In einer Welt in der das Säkulare sakralisiert und das Sakrale säkularisiert werden, verschwinden Grenzen, die doch der Garant unseres humanistischen und aufgeklärten Zeitalters waren. Politik wird zum Werkzeug religiöser Fanatiker, Religion zum Politikum. Ein neues, dunkles Zeitalter bricht an und Hellveto liefert den perfekten Soundtrack dazu.

Was der geneigte Wanderer auf dunklen Pfaden hier vernimmt, ist epischer Black Metal voll von atemberaubender, düsterer Atmosphäre und abwechslungsreich gestalteten Melodien, die einem wahre Gänsehautschauer über den Rücken jagen lassen. Hellveto alias L.O.N. versteht es gekonnt Spannung in den Liedern aufzubauen und seinen Kompositionen Leben einzuhauchen, die von reichlichen Tempovariationen leben. Mal begegnet man bedächtigen Chören, die an kirchliche Choralgesänge erinnern, um kurz darauf von rasanten Blastbeatritten und typisch schreidenden Vocals auf ein Schlachtfeld entführt zu werden. Unterschiedliche Instrumente wie Pauken, Zittern, akustische Gitarren und raumschaffende Keyboards verleihen NEOHERESY eine voluminöse Soundgewalt, die erschreckende Bilder vor das halbwachende, halbträumende Auge werfen, und so ein ums andere Mal Hörbuchcharakter entwickelt. Man spürt förmlich durch die Musik, wie sich aus den Schatten etwas erhebt, die Menschen gefangen nimmt und zu einem Teil der gesichtlosen Schatten verkommen lässt.

Fazit: Kaum mag man glauben, dass für all dies nur ein einziger Musiker verantwortlich ist. Hellveto ist ein Ein-Mann-Projekt, aber was für eines! NEOHERESY stößt die Tore zu finsteren Sphären des menschlichen Daseins auf und beeindruckt durch seine klangliche Vielfalt, die im folkloristischen, epischen Black Metal verwurzelt ist.

Tracklist:
1. Taran
2. Herezja
3. Gdy Umiera Świt
4. Milczące Sumienie
5. Chorągiew Która Splonie
6. Średniowieczna Egzekucja

Anspieltipps: Taran - eigentlich alle

Line-Up:
L.O.N. – alles

DISCOGRAPHY:

1996 - Hellveto (Demo)
1998 - Winterforest (Demo)
1999 - Horned Sky (Demo)
2000 - Medieval Scream (Demo)
2001 - Hellveto (Demo)
2002 - My Eternal Hegemony... (EP)
2002 - Autumnal Night
2003 - Zemsta
2004 - Medieval Scream
2004 - In Arms of Kurpian Phantom
2005 - Klatwa
2005 - Prelude to Dying
2006 - Zmierzch
2006 - In the Glory of Heroes
2006 - Stos
2007 - 966
2008 - Neoheresy


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