Squealer-Rocks.de CD-Review
Midnight Oil - Diesel and Dust, Legacy Edition (CD + DVD)

Genre: Folk Rock
Review vom: 19.06.2008
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: 20.06.2008
Label: Sony BMG



Auf die Frage, was für mich das schönste an der zeitaufwendigen Arbeit bei einem Online Mag ist, gebe ich stets die gleiche, zwar wahrheitsgemäße, aber unvollständige Antwort: „Es sind die vermeintlich unbekannten Bands, deren tolle Alben ich ohne diese Tätigkeit niemals kennen gelernt hätte.“
Unvollständig deswegen, weil es immer mal wieder Scheiben gibt, die man kennt, aber irgendwie vergessen hatte. Dazu gehört - ich gestehe -“Diesel and Dust“.
Natürlich kann man Midnight Oil nicht vergessen; dafür sorgt jeder Radiosender diesseits der Zivilisation und man entgeht auch keiner 80er Party, geschweige denn einem „Feten – Hits“ Sampler, ohne den „brennenden Betten“ zu begegnen.
In regelmäßigen Abständen singt der geständige Rezensent also fleissig „Beds Are Burning“ lauthals mit und schwört sich jedesmal: „Du musst unbedingt mal wieder das Album hören.“
Wie es aber nun mal mit mit guten Vorsätzen so ist, bleibt es meistens beim.....ääh,...Vorsatz.
Deshalb geht mein Dank an die Leute, die dieses Meisterwerk nun wieder an das Licht der Öffentlichkeit und somit auch in mein Bewusstsein hieven.

Selbstredend ist es vermessen, die australische Legende auf dieses Album und eben diesen Hit zu reduzieren. Der Nachfolger „Blue Sky Mining“ erreichte sogar noch höhere Chartplatzierungen. Doch „Diesel And Dust“ brachte der Truppe den Durchbruch, was gerade wegen der pol. Lyrics nicht gerade unwichtig war.
Sänger Peter Garret war seinerzeit nämlich nicht nur als Frontman in einer Mission unterwegs, er war zudem als Anwalt tätig, dessen Hauptaufgabe / Lebenssinn darin bestand, den Aboriginals zu ihrem Recht zu verhelfen. Das der Mann heute australischer Umweltminister ist, hilft echt ein bisschen zu glauben, dass diese Welt nicht nur kaputt ist.

OK – nicht jede politisch korrekte Band macht auch gute Mucke. Midnight Oil haben mit „Diesel And dust“ jedoch ohne Übertreibung einen Klassiker abgeliefert..
Der Mega Hit „Beds Are Burning“ eröffnet das Album und niemand mit funktionierendem Gehör wird diesen Track nicht unter den besten 100 Rocksongs aller Zeiten positionieren.
Die Sensation aber ist: es gibt noch mindestens 7 weitere Nummern auf diesem Longplayer, die ebenfalls unsterblich sind und locker das Niveau des allgegenwärtigen Smashers halten

Da wäre das melancholische „Put Down That Weapon“, das zum Ende förmlich explodiert;
Oder die – ebenfalls erfolgreiche – Single „The Dead Heart“, bei der das übliche Folk – Punk Feeling durch dezente New Wave Elemente leicht verfremdet wird und es sogar The Who Einflüsse zu hören gibt.
Das sehr hymnische „Bullroarer“ mit fast schon hardrockigen Gitarren und das fröhliche mitreissende „Sometimes“ mit Mitbrüll - Garantie sind auch so Kandidaten für die Hall Of Fame.

Ob man nun Klassiker, Meilenstein oder Meisterwerk hierzu sagt, „Diesel And Dust“ ist ein ganz großes Stück Musikgeschichte.
Das digitale Mastering ist ein weiterer Pluspunkt. Es macht Spass, unterm Kopfhörer Soundelemente zu entdecken, die man auf dem alten Vinyl doch eher weniger wahrgenommen hat.

Als Beilage zu dieser „Legacy Edition“ (Band existiert seit 2002 nicht mehr) gibt’s eine 66 – minütige DVD, an der es ebenfalls wenig zu mäkeln gibt.
Fast überflüssig zu sagen, dass die beiden Superhits des Albums mit den Clips vertreten sind, die eigentlich jedem älteren Semester bekannt sein dürften, und die nichts anderes als eine Liebeserklärung an Land und Leute sind (und auch heute noch, ob der grandiosen Landschaftsaufnahmen so manch einen von einer Australien Reise träumen lässt).
Nicht weniger ergreifend ist die Dokumentation der „Blackfella / Whitefella“ Tour von 1987, wenn auch etwas ungewöhnlich.
Eigentlich handelt es sich hier um eine Aneinanderreihung von Impressionen und Konzertausschnitten, die eher atmosphärisch als Doku - typisch - sachlich daher kommt.
Erneut wird deutlich, wie sehr sich Midnight Oil für die Ureinwohner aus Down Under eingesetzt haben, wie sie sich an Demonstrationen beteiligt haben, Benefiz Konzerte spielten und nicht zuletzt mit The Warumpi Band eine Aboriginal Truppe mit auf die Tournee genommen haben, die sie hauptsächlich durch kleine Clubs führte.
Zusätzlich gibt es hier noch ein alternatives Video zu „Beds Are Burning“ zu sehen, dass im Gegensatz zur „zensierten“ TV Version etwas krassere Bilder der Versklavung der rechtmäßigen Besitzer des Landes durch die weissen Immigranten zeigt.

Tracklist:
1.Beds Are Burning
2.Put Down That Weapon
3.dreamworld
4.Arctic World
5.Warakurna
6.The Dead Heart
7.Whoah
8.Bullroarer
9.Sell My Soul
10.Soemtimes
11.Gunbarrel Highway

Line Up:
Peter Garrett -Vocals
Rob Hirst – Drums
Jim Moginie – Guitar, Keyboards
Martin Rotsey – Guitar
Peter Gifford - Bass

DISCOGRAPHY:

1978: Midnight Oil
1979: Head Injuries
1980: Bird Noises EP
1981: Place Without A Postcard
1982: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1
1984: Red Sails In The Sunset
1985: Species Deceases EP
1987: Diesel And Dust
1990: The Green Disk
1990: Blue Sky Mining
1992: Scream In Blue
1993: Earth And Sun And Moon
1996: Breathe
1997: Best of the B-Sides
1997: 20,000 Watt R.S.L. – The Midnight Oil Collection (Best Of Album)
1998: Redneck Wonderland
2000: The Real Thing
2002: Capricornia
2006: Flat Chat
2008: Diesel And Dust, Legacy Edition (CD + DVD)


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