Squealer-Rocks.de CD-Review
Myland - No Man's Land

Genre: Melodic Rock / AOR
Review vom: 20.04.2008
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: 18.04.2008
Label: Valery Records



Es ist nicht ketzerisch, im Melodic Rock Bereich von einem momentanen Overkill zu sprechen. An allen plüschigen Ecken und flauschigen Enden spriessen Bands aus dem Boden, die dem lange Zeit nahezu ausgestorbenen Genre wieder neues Leben einhauchen. Daneben produzieren die alten Helden auch fleissig weiter ihre Scheibchen; der geneigte Fan weiss also gar nicht mehr, wo er denn nun zuerst reinhören soll, bzw. wie er die ganze Knete für all die CDs auftreiben soll.
Das Kuriose an dem Aufleben dieser Richtung – und gleichzeitig der Fluch für den Geldbeutel – ist nämlich, dass es trotz der Masse kaum Ausschuss gibt.
Es gibt eigentlich keine echten „Scheiss Platten“, es gibt nur „gut“ oder „geil“.
Da bilden auch die Italiener von Myland keine Ausnahme. Sie liegen irgendwo dazwischen. Mit Tendenz nach oben.

Initiator dieser neuen Combo ist der Drummer Paolo Morbibi, der sich bei Bands wie EVA, Exilia und Brunorock mit 1700 Konzerten buchstäblich den Arsch wund gespielt hat. Zunächst waren Myland eine reine AOR Coverband, mit den Schwerpunkten Journey, Toto und Survivor.
Irgendwann reichte es dem guten Paolo dann nicht mehr, nur die Songs seiner Idole nachzuspielen. Er wollte selbst solche Stücke schreiben.
Tja, diese Plattitüde könnte glatt der Biographie eines Rockstars entnommen sein, direkt aus dem Kapitel „Die frühen Jahre“.
Doch wir reden wir von einem gestandenen Recken der hart rockenden Szene, den mittlerweile auch die Leiden des Mittel – Alters plagen. Ein mutiger Schritt also, sich seine Träume zu erfüllen oder doch eher eine peinliche Aktion?

Wie schon im Vorwort gesagt, sind Maryland besser als der Durchschnitt, kommen aber nicht an die ganz großen Namen ran, die sie, teilweise recht deutlich, kopieren.
Bereits nach wenigen Momenten des Openers „Anytime“ ist klar, wohin – Achtung: Wortspiel! - die Reise geht: Journey ist die ohrenkundliche Lieblingsband von Senior Morbidi.
Sänger Guido Priori klingt wie eine (fast) exakte Kopie von Steve Perry.
Das Schöne an der Sache: auch der Rest der Musik ähnelt nicht nur der Legende aus San Francisco, sie erreicht auch qualitativ ein halbwegs ebenbürtiges Niveau.
Als zweite Nummer kommt dann „The Wind Of Late September“. Denken wir bei solch einem Titel an Kitsch? Um Gottes Willen, wie könnten wir....
Der Witz dabei: diese Hommage an Journey (anders kann man es nicht bezeichnen) ist das beste Stück auf dem Album.
Macht einfach den Test: nach dem ersten Hören sagt Ihr: „Boah, ey – das ist so süß, da klebt Dir ja alles zu“. Und dann geht zur Arbeit. Ich verwette meinen nicht vorhandenen Sachverstand, dass Ihr den ganzen Tag diesen verdammten Refrain im Kopf habt.

So --- Höhepunkt des Albums abgehakt, noch irgendwas erwähnenswertes? Aber klar!
Da wäre einmal die überaus famose Arbeit der Herren an der Sechssaitigen zu erwähnen. Neben dem wirklich tollen Marco Andreasi, dessen Soli wesentlich mehr als schmückendes Beiwerk sind, überzeugen auch Ex- Europe Gitarrist Kee Marcello und Überall – Klampfer Tommy Denander mit brillanten Gastbeiträgen.
Ich möchte zudem nicht den Eindruck entstehen lassen, das es außer dem Überhit von der lauen Spätsommer - Brise keine tollen Songs mehr zu hören gäbe.
Das flotte „One Step Closer“ atmet ganz viel Survivor Luft und beim stampfenden „Running In The Night“, sowie dem exzellenten, mit einem fast progressiven letzten Drittel ausgestatteten „Prisoner Of Love“ wird auch mal ganz leicht an der Metal Oberfläche gekratzt.

Myland sind sicherlich noch nicht so weit, um es mit den Elder Statesmen von Journey und Survivor aufzunehmen, doch sie arbeiten dran.
Empfehlenswert!

Tracklist:
1.Anytime
2.The Wind Of Late September
3.(Someday) Love Leaves You Lonely
4.Heat Of Emotion
5.How Much Love
6.Age Of My Dreams
7.Voices
8.One Step Closer
9.Running In The Night
10.Prisoner Of Love

Line Up:
Paolo Morbini – Drums
Guido Priori – Vocals
Marco Andreasi – Guitar
Stefano Andreasi – Keyboards
Claudio Corazza - Bass

DISCOGRAPHY:

2008 - No Man's Land

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