Squealer-Rocks.de CD-Review
Edenbridge - The Grand Design

Genre: Classic Metal
Review vom: 29.05.2006
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label:



Den Österreichern hängen wir deutsche Alpentouristen oft liebevoll gemeint das Plagiat der Gemütlichkeit an. Dass dies aber bereits in die Jahre gekommen ist, zeigen nicht zuletzt die Epic und Bombast Metaller von Edenbridge, die es in sieben Jahren Bandbestehen auf stolze fünf Alben gebracht haben. Das vielleicht kompakteste und damit tendenziell beste Werk der arbeitsamen Boys und Girls aus Austria hört auf den klangvollen und programmatischen Namen THE GRAND DESIGN und wird ab dem 29. Mai 2006 über die Plattenladentheke erhältlich sein.

In den letzten Wochen und Monaten haben sich einige Bands an klassischen Arrangements, Gesängen etc. versucht, aber die Art und Weise mit der Edenbridge, um das musikalische Genie Lanvall, an die Sache herangehen, ist fast schon unheimlich. Durch die Bank wird auf THE GRAND DESIGN mit Gitarre und Keyboards gefrickelt, dass man meint, die Jungs der „Klassiknarren“ Therion und Nightwishmann Tuomas Holopainen haben sich hier höchstpersönlich verewigt – Fehlanzeige. Die gezielt eingesetzten Breaks, laut/leise und düster/himmlisch Wechsel hat ganz alleine der eben angesprochene Lanvall mit freundlicher Abmisch-Unterstützung von Threshold Mastermind Karl Groom „verbrochen“.

Doch bei allem instrumentalen Bombast, der insbesondere in der ersten Viertelstunde (also den Songs „Terra Nova“, „Flame Of Passion“ und „Evermore“) zur Bestform aufläuft, haben sich Edenbridge auf ihrem neuesten Werk einen anderen Schwerpunkt gesetzt, der bei den stimmlichen Fertigkeiten von Sabine Edelsbacher und den Gastmusikern wie Robby Valentine und Dennis Ward auch kaum umgangen werden kann. Bis zu 64-stimmige, sehr eindrucksvoll erscheinende, Chöre, wie sie eigentlich nur auf Blind Guardian Veröffentlichungen zur Geltung kommen, begleiten das ausdrucksstarke, kräftige, in der (wie soll es auch anders sein?) Klassik verwurzelte und wandlungsfähige Organ der Sabine Edelsbacher, die von Song zu Song und vor allem in der poppigen und prunkvollen Ballade „The Most Beautiful Place“, gleichzeitig auch erste Singleauskopplung, einen deutlichen Fingerzeig in Richtung der Spitze der weiblichen Metalsängerinnen macht.

Bei aller gesanglichen Klasse und kompositorischer Dichte verliert THE GRAND DESIGN gegen Ende jedoch viel von seiner Mächtigkeit, da man nach guten 30 Minuten genug Aufgeplustertes zu Gehör bekommen hat und weiteres nur sehr schwer verarbeiten kann – ganz egal, um was für ein musikalisches Meisterwerk es sich beim Titeltrack handelt. Ich will Edenbridge nicht zu Nahe treten, das sind ja alles Virtuosen bei der Arbeit, aber weniger ist manchmal mehr und beileibe nicht so anstrengend.

Fazit: Abgesehen von dieser Tatsache, der man in der abschließenden Bewertung jetzt auch keine allzu große Plattform zur Verfügung stellen muss, haben Edenbridge mit THE GRAND DESIGN einen großen Achtungserfolg auf die Beine gestellt, der einen größtenteils sehr schmackhaften Bezug von Metal zu Klassik und umgekehrt darstellt und von ganz großen Musikern dargeboten wird. THE GRAND DESIGN, eine der größten Überraschungen des Jahres, so far...

VÖ: 29. Mai 2006

Tracklist:
1. Terra Nova
2. Flame Of Passion
3. Evermore
4. The Most Beautiful Place
5. See You Fading Afar
6. On Top Of The World
7. Taken Away
8. The Grand Design
9. Empire Of The Sun

Anspieltipps: Terra Nova, Flame Of Passion, The Most Beautiful Place, The Grand Design

Band Line-Up:
Sabine Edelsbacher – Gesang
Lanvall – (Akustik-)Gitarre, Piano, Keyboards
Frank Bindig – Bass
Roland Navratil – Schlagzeug

DISCOGRAPHY:

2000 – Sunrise In Eden
2001 – Arcana
2003 – Aphelion
2004 – A Lifetime In Eden
2004 – Shine
2006 – The Grand Design

SQUEALER-ROCKS Links:

Edenbridge - The Grand Design (CD-Review)

Lanvall von Edenbridge (Interview)
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