Squealer-Rocks.de CD-Review
Mindflow - Mind Over Body

Genre: Progressive Metal
Review vom: 23.07.2007
Redakteur: Colin
Veröffentlichung: Bereits erschienen
Label: Unlock Your Mind Productions



Da habe ich doch tatsächlich ein Deja-Vu Erlebnis. Zum zweiten Mal bekomme ich von Kollege Maddin eine CD mit den Worten: „Das ist was für Musiker!“ zugesteckt. Zum zweiten Mal handelt es sich dabei um eine sehr talentierte Band. Und zum zweiten Mal handelt es sich um sehr vertrackten Prog Metal aus Brasilien.

Mindflow sind in der Tat sehr begabte Musiker. Das beweist schon die Vielzahl an verschiedenen Parts und Tempowechseln mit denen alleine der über zwölfminütige Opener „Crossing enemy´s line“ aufwartet. Hier mal ein modern, mit an Nu-Metal angelehnten Vocals, tönender Teil, da dann wieder typische progressive Vertracktheit bei Gitarre und Schlagzeug. Dazwischen gibt es immer mal wieder fette Metal Riffs zu hören, die durch Drums und Bass wunderbar unterlegt werden. Dem Hörer wird schon in der ersten knappen Viertelstunde alles abverlangt und man darf sich (vor allem, wenn man der Story folgen will) nicht ein Fünkchen Unkonzentriertheit leisten.

Hört sich jetzt an, wie die Analyse eines Fußballspiels. Kann man aber durchaus so stehen lassen, weil alle fünf Brasilianer zu jeder Sekunde zeigen, was sie an den Instrumenten können. Das ist für Musiker natürlich schön mit anzuhören und lässt auch sicherlich teilweise die Kiefer nach unten klappen. Mindflow verpacken in den ersten beiden Songs, bzw. zwanzig Minuten Riffs und musikalische Ideen, für die andere Bands locker drei, vier Alben bräuchten. So weit, so gut.

Mit „Thousand miles from you“ gibt es dann die erste Entspannungsphase. Hauptsächlich auf Piano und Gesang aufgebaut, ist diese, von Sänger Danilo Herbert sehr gefühlvoll intonierte, Ballade so etwas wie das Licht am Ende des vertrackten, sperrigen Prog Tunnel. Tendenziell hat der Song das Potential mehr als einmal im Radio gespielt werden zu können. Sanft und zerbrechlich und das totale Kontrastprogramm zu den ersten beiden Stücken. Ähnlich verhält es sich mit dem folgenden „Just water, you navigate“. Ebenfalls sehr entspannt und atmosphärisch mit latenter Pink Floyd Schlagseite kommt der Song aus dem Kopfhörer.

Mit den beiden Prog Monstern „Chair designer“ und „Hellbitat“ (die nur durch das kurze „A gift to you“ unterbrochen werden) ist es dann auch schon wieder vorbei mit der Entspannung und man darf speziell bei „Hellbitat“ ordfentlich mit der Band grooven. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der Gitarre, die mit schnörkellosen, harten Riffs den Song dominiert. Eindeutig der metallischste Song auf „Mind over body“. Das großartige „Chair designer“ hingegen ist komplexer arrangiert, verbindet mehr Prog typische Elemente (u.a. ein schönes Wechselspiel zwischen Piano und Gitarre) und ist weit weniger griffig als „Hellbitat“.

Die Musikalität, die auf „Mind over body“ zu finden ist, beeindruckt schon enorm. Man kann auf der Scheibe auch nach dem zehnten, zwanzigsten Durchlauf noch neue Elemente und Nuancen ausmachen. Woran es der Platte aber mangelt, ist die Melodieführung. Danilo Herbert ist ein hervorragender Sänger, der seine Stimme zudem noch erfreulich variabel einsetzt. Aber er kann sich in den Songs nicht richtig entfalten, was heißt, dass die Melodien viel zu kurz kommen und es keine einzige schafft im Ohr zu bleiben (Ausnahme: „Thousand miles from you“). Darunter leiden dann zwangsläufig auch die Songstrukturen. Um in der ersten Liga zu spielen, reicht das leider nicht.

Fazit: Mindflow sind absolut talentierte Musiker, ohne jeden Zweifel. Dennoch leiden sie unter demselben Problem wie ihre Landsmänner von Thessera. Sie wollen in den Songs zuviel und lassen die Melodien wenig überdacht eher links liegen. Musiker werden hier viel zu entdecken haben und sollten „Mind over body“ eine Chance geben. Wer Lust auf was extrem komplexes hat, natürlich auch. Der „normale“ Musikfan wird aber aufgrund der oben genannten Mängel eher wenig mit der Scheibe anfangen können. Leider. Angemerkt sei noch, dass die CD in einem schönen Digipack mit zwei Booklets (das Zweite illustriert die Story!) der kommt.



Tracklist:
1. Crossing enemy´s line
2. Upload – Spirit
3. Thousand miles from you
4. Just water, you navigate
5. Chair designer
6. A gift to you
7. Hellbitat
8. Follow your instinct
9. Hide and seek


Line-Up:
Rodrigo Hildago – Guitars, backing vocals
Danilo Herbert – Lead vocals
Rafael Pensado – Drums, backing vocals
Ricardo Winandy – Bass
Miguel Spada – Keyboards, backing vocals

DISCOGRAPHY:

2004 - Just The Two Of Us… Me And Them
2007 - Mind Over Body


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Mindflow - Mind Over Body (CD-Review)

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