Squealer-Rocks.de CD-Review
Oratorio - Redemption

Genre: Melodic Metal
Review vom: 02.07.2007
Redakteur: Jack
Veröffentlichung: 07.07.2007
Label: Rivel Records



Ein kühner und kluger Schachzug von Rivel Records: Während sich die selbstgekürten Experten und Gelehrten darüber streiten, ob eine Band nun ins Metier des Melodic oder das des Power Metals fällt, verpassen die Schweden um Christian Rivel ihrem nächsten Sprössling und potentiellen Hitgaranten ganz einfach die, im hohen Norden fast schon außer Mode gekommene Bezeichnung „Heavy Metal“. Das Problem hat man somit schön und sachte umgangen, obwohl Oratorio, die stolze drei Jahre nach ihrem Debüt, THE REALITY OF EXISTENCE, endlich einen Nachfolger, genannt REDEMPTION, parat haben, genau genommen ein Paradebeispiel für den finnischen Melodic Metal darstellen.

Zwar verzichtet die Truppe um das Gitarristentriumvirat Joel Hekkala, Thomas Mata und Jarmo Happonen getreu dem Motto „Keyboards gehören nicht zum Heavy Metal“ auf ausschweifendes, symphonisch anrüchiges Tastengeklimper, trotzdem hält sie direkt Kurs auf die von Sonata Arctica, Edguy oder Stratovarius bewohnte Insel des keine zwei Anläufe benötigenden Songmaterials. Und wie die Nordmänner nun mal so sind, dürfen selbstverständlich die melancholischen und sentimentalen Momente, die dem Sound ein klares und deutliches „Made in ...“ überreichen, nicht fehlen.

Damit nichts, aber auch gar nichts schief geht, legen die fünf mit dem Opener „Cold State“ bereits ein mehr als beachtliches Pfund in die Waagschale: Ein hartes Riffbrett zum Einstieg, anschließend ein fesselnder, dezent gehaltener Spannungsaufbau, der wenig später in einem ultraeingängigen Refrain aufgeht, ehe ein straightes Gitarrenaufkommen und donnernde Trommelschläge die nächste Strophe einläuten. Den allesamt nach diesem Muster komponierten Songs von REDEMPTION kommt dabei die enorm starke und drückende Produktion zu Gute, die so den einen oder anderen weniger gelungenen Chorus kaschiert. Wem’s dagegen nicht schnell genug gehen kann, dem wird das nach Vorne peitschende und mit flinken Soli ausgestattete „Raw“ sehr gut zu Gesicht stehen, wohingegen alle Freunde der nordischen Balladenkunst „Come Into My Heart“ in ihre Sammlung aufnehmen können.

Insbesondere den Charme von „Come Into My Heart“ kann sich Joel Hekkala auf seine Fahne schreiben lassen. Mit seiner sympathischen, in den düsteren und mittleren Höhenlagen beheimateten Stimme steht er seinen Landsmännern Tomi Koivusaari (Amorphis), Vesa Virtanen (Twilight Guardian) oder Jarmo Pääkkönen (Excalion) in nichts nach.

Einziger Kritikpunkt: So schön sich das meiste Ton Gewordene der Finnen auch anhören mag, de facto bewegen sich – wie bereits kurz angedeutet – alle elf Tracks auf ein und demselben Level, was im Verlauf des Albums gewisse Ernüchterungserscheinungen, ob der fehlenden Unberechenbarkeit und eben jener drastischen Äquivalenz diverser Lieder, hervorruft. Das mag auch damit zu tun haben, dass die nicht zünden wollende Lieder wie „Inner Weakness“, „Brother“ oder „Faceless“ (wie passend) nicht aus der von vielen Bands diktierten Masse herausstechen.

Fazit: Mit REDEMPTION haben die Jungs von Oratorio ganz sicher keinen Meilenstein, aber dennoch eine achtungsvolle Platte auf die Beine gestellt, die man jedem aus dem skandinavischen Melodic/Power-Metal-Fanlager nur empfehlen kann.
Eins dürfen wir nicht unter den Teppich kehren: Oratorio stehen noch am Anfang einer langen und womöglich sehr erfolgreichen Karriere!

Tracklist:
1. Cold State
2. Burning
3. Raw
4. Inner Weakness
5. Secrets
6. Passing By
7. Whispers In The Night
8. Brothers
9. Come Into My Heart
10. Faceless
11. Wicked

Anspieltipps: Cold State, Raw, Passing By, Come Into My Heart

Band Line-Up:
Joel Hekkala – Gesang, Gitarre
Thomas Mata – Gitarre, Backing Vocals
Jarmo Happonen – Gitarre, Backing Vocals
Ilpo Istolainen – Bass
Janne Hietakangas – Schlagzeug

DISCOGRAPHY:

2003 – The Reality Of Existence
2006 – Redemption

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