White Lion und Axxis (11.12.2006, Karlsruhe, Festhalle Durlach, Jack)
Mit White Lion und Axxis beehrte uns am 9. Dezember 2006 ein Package, das zum einen auf ein überaus erfolgreiches Jahr zurückblicken kann und zum anderen (noch) immer als großer Publikumsmagnet fungiert. Dementsprechend gut gelaunt und zahlreich finden sich, in Vorfreude auf ein Rockevent der Extraklasse, die Fans des guten Geschmacks in die Festhalle Durlach zu Karlsruhe ein. Wo bekommt man heutzutage sonst noch zwei nahezu gleichrangige Spitzenacts für „läppische“ 27 Euro? So stellt sich dem unparteiischen Beobachter nur noch die Frage: Wer verlässt die Bühne als Sieger?
Damit diese Frage bis zum Ende offen bleibt, lässt die, durch das Mitwirken von Sängerin Lakonia, welche auf dem letzten Axxis Longplayer PARADISE IN FLAMES erstmals Solo singen durfte, zum Sextett aufgestockte, Band pünktlich ab 20:00 Uhr eine richtig gute Stunde lang nichts anbrennen. Mit „richtig gut“ ist nämlich nicht nur die Spielzeit, sondern auch die Qualität des Auftritts bestens umschrieben. Mit der Gewissheit, dass man hier und heute den letzten Gig des Jahres spielt, und den begeisternden Tourneen mit Helloween und Krokus im Rücken kann man laut den Worten vom sympathischen, um keine Bemerkung oder Sperenzchen verlegenen Frontmann Bernhard Weiß auch mal „etwas breit“ die, von drei riesigen Axxis-Logos ausgemalte, Bühne entern. Weiß man doch, dass man als erste Band des Abends dem „Headliner“ den randvollen Kühlschrank im Backstage leer saufen kann. Doch soweit sind wir Gott sei Dank noch nicht und so verwöhnen uns die Nordrhein-Westfalen mit einem wunderbaren Querschnitt durch ihre gesamte Diskografie, deren namentliche Bestandteile dem Sänger entfallen sind. Im Petto dürfte – angefangen bei sinfonischen, operettenhaften Nummern neueren Datums über ultraeingängige Tralala-Metalsongs und dem bandeigenen „Tango“ bis hin zu kräftigen schwermetallischen Einlagen – somit für jeden etwas dabei sein. Die Mannen (äh Verzeihungen... und Damen) geben zu jeder Sekunde in den sowieso als „Should-Knows“ deklarierten Stücken wie „Kingdom Of The Night“, „Stay Don‘t Leave Me“ oder „Angel Of Death“ alles und die Zuschauer, welche die Festhalle von Vorne bis Hinten ausfüllen, danken es ihnen mit überschwänglichen Beifallsbekundungen, Headbangeinlagen und einer auffallenden Textsicherheit. Zwischen den Zeilen (also den Songs) bieten sich der eingespielten Truppe noch genügend Möglichkeiten, um mit den jederzeit authentischen und immer wieder aufs Neue unterhaltsamen Blödeleien die B-Note aufzubessern: So darf eine Dame aus dem Publikum die Band beim Stage-Acting filmen, während der gesanglich immer auf der Höhe agierende Bernhard den Akustikpart des Konzertes erst dann beginnen will, wenn Gitarrist Guido Wehmeyer die „schwule“ Rose von seinem Werkzeug entfernt („So kann ich nicht arbeiten!“). Sichtlich überwältigt von den immensen Beifallsstürmen der Tausend Enthusiasten zeigen sich Axxis als sie sich ein erstes Mal verabschieden, um einem dann mit der Coverversion „Nana, Hey, Hey, Kiss Him Goodbye“ den letzten Todesstoß zu verpassen, so dass wirklich jeder weiß, wer zu Deutschlands BESTEN Livebands zu zählen ist.
Alles im grünen Bereich, wäre da nur nicht der Sound, der zwar stets drückend von der Bühne schallt, aber oftmals im Brei endet und die Gesänge und Gitarren verschluckt. Ein Problem, das sich leider unbehoben wie ein roter Faden durch den Konzertabend zieht.
Nach einem gut 30-minütigen Umbau fällt gegen 22:00 Uhr der Startschuss für einen der größten Rocksänger des Planeten: Mike Tramp. Zusammen mit seinem White Lion schaut der über die Jahre äußerlich nur bedingt gealterte und im hautfarbenen, körperbetonten Muskelshirt bekleidete Däne auf vier Weltklassealben zurück, für die er in den Achtzigern und frühen Neunzigern Songs für die Ewigkeit konzipiert hat. Und da seine ehemaligen Weggefährten wie James LoMenzo keine Reunion vom Zaun brechen wollten, entschied sich das Sinnbild dieser Gruppe ganz einfach dafür alleine bzw. mit neuen Mitstreitern den Namen White Lion weiter in die große, weite Welt zu tragen. Bei der Omnipräsenz des Meisters hält man Emblems und eine funkelnde Lichtshow auf der Bühne unter Verschluss und begnügt sich mit einer klassischen Rock’n’Roll Performance. Einzig den Einstieg mit dem stellenweise doch sehr schwermütigen „Lights And Thunder“, dem Opener von der MANE ATTRACTION, kann man nicht als allzu geschickt ansehen, will man eigentlich dort ansetzen, wo Axxis zuvor aufgehört hatten. Doch wie sie hören, hören sich nichts oder nur sehr wenig. Der Löwe brüllt nicht, bringt nur diverse Laute an den Mann und zeigt sich offenkundig am unzufriedensten mit der Gesamtsituation. Doch was war geschehen? Nach „Love Don't Come Easy“ und „Little Fighter“, die die Fans weiterhin mit großen Fragezeichen im Gesicht zurücklassen, kommt die Erklärung von Mike, der während Jamie Law’s Soli, die übrigens keinen mehr nach einer Reunion betteln lassen, mit Wasser und anderen (nichtalkoholischen) Getränken versucht die Stimme auf Fordermann zu bringen: Der Doktor hat ihm, aufgrund einer Erkrankung, die dafür gesorgt hat, dass ihm sein „Heiligtum“ flöten ging, geraten die Show abzublasen, doch Mike wollte die, zum Teil sogar aus Finnland und Ungarn angereisten, Zuschauer nicht enttäuschen, zeigt echte Größe, bemüht sich redlich und gibt sein Bestes, auch wenn dieses stimmlich arg eingeschränkt ist. Und obwohl einem der Gute so vorkommt als würde man Ronaldinho den Ball wegnehmen, zeigen 99 Prozent der Kulisse vollstes Verständnis und geben der fünfköpfigen Band neue Zuversicht. Tatkräftig und so gut es geht wird der „Löwe“ von den Bandkollegen – „Mr. Sixpack“ Jamie Law (Gitarre), der bei Jaded Heart tätige Henning Wanner (Keyboards), Claus Langeskov (Bass) und Troy Patrick Farrell (Drums) – mit deren neuer Aufgabe als Aushilfssänger unterstützt. Was rein vom Gedanken her nicht funktionieren kann, klappt überraschenderweise doch und so wartet die Band angespannt und mit dem Hauptaugenmerk auf DEM Klassikeralbum PRIDE dennoch mit einer Show von knappen zwei Stunden auf, die das gesamte Hit-Repertoire (z.B. „Wait“, „Broken Heart“, „Hungry“, „Lady Of The Valley“ und „Tell Me“) verschlingen. Gelegentlich verzeichnet die wichtigste White Lion Komponente einen Aufwärtstrend, muss dann jedoch wieder zurückstecken. Der Stimmung tut es einzig in dem Sinne einen Abbruch, dass man unter den gegebenen Umständen nicht vollständig in Ekstase verfällt. Ansonsten wird jedes Stück abgefeiert als gebe es anschließend keinen Anlass mehr zum Feiern. So lässt man sich zu guter letzt und nach Mikes heftig umjubelten und in einwandfreiem Deutsch klargemachten Pro-Rock’n’Roll-Statements („Den Rock’n’Roll kann man uns nicht verbieten!“) auch nicht lumpen den Fans mit „When The Children Cry“ (Gänsehaut!) und „Radar Love“ zwei Zugaben mit auf den Heimweg zu geben. Gute Besserung, Mike!!!
Noch während des wohl schwierigsten Gigs in der Karriere des Mike Tramp erklärte er, dass das was wir alle in unseren CD-Schränken stehen haben das White Lion der Vergangenheit sei und das sich hier das White Lion der Gegenwart und der Zukunft befinde. Dieses White Lion wird uns im nächsten Jahr zudem ein neues Studioalbum präsentieren. Wir werden auf alle Fälle wieder mit von der Partie sein, wenn es heißt: Der Löwe brüllt wieder!
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