Squealer-Rocks.de Live-Review
Bonfire und Bonneville (21.05.2005, Frankenthal, Krone Music Club, Eric)

Von der Vorband Bonneville kann ich leider, wegen des zeitgleich stattfindenden Interviews mit Hans Ziller und Bam Bam von Bonfire, nicht wirklich viel berichten. Was durch die geschlossenen Türen ankam klang allerdings sehr vielversprechend, was das Publikum offensichtlich genauso sah und die Band mit viel Beifall verabschiedete. Sicher demnächst mehr zu dieser Truppe!

Ihr seid der Meinung, dass der Unplugged-Gig von Bonfire auf DVD mit dem Schlipsträgerpublikum und der sterilen Atmosphäre etwas leblos rüberkommt? Vergesst es! Ihr seid von dem letzten Bonfire-Gig im Rahmen der Free-Tour etwas enttäuscht? Nicht mehr dran denken! In "privater" Atmosphäre, mit Kerzenleuchtern auf und Sofas vor der Bühne und lediglich mit akustischen Klampfen bewaffnet gibt es auf der Unplugged-Tour das etwas andere Konzerterlebnis. Die Ingolstädter liefern eine tolle Live-Show im besten Sinne, präsentieren sich in blendender Laune und Spielfreude und stellen Spontanität und Interaktion mit dem Publikum klar in den Vordergrund. So vergehen etliche Minuten, bis der erste Ton des Openers "Free" überhaupt angeschlagen wird, während Claus Lessmann sich mit den Eigenarten der Pfälzer Sprache vertraut macht. "Nie mehr uff" entwickelt sich zum Running-Gag des Abends, das nur am Rande und für Insider.

Was folgt, sind rund zwei Stunden pures Entertainment. Über die Setlist gibt's, im Gegensatz zur "Free"-Tour, diesmal sicher keine zwei Meinungen, alle Klassiker sind vertreten. Lessmann präsentiert sich stimmlich in überragender Verfassung, unterhält mit comedyartigen Beiträgen und bezieht immer wieder das Publikum mit ein (gelle, Ralf?). Überhaupt, der Fünfer auf der Bühne (die 4 Bonfires, ergänzt um einen Gastgitarristen aus München, dessen Namen ich leider nicht mitgekriegt habe) sind über jeden Zweifel erhaben und haben natürlich auch kein Problem damit, ihr Material stromlos rüberzubringen. Was allerdings Jürgen "Bam Bam" Wiehler bei seinem Drumsolo anstellt hinterlässt dann doch offene Münder. Wahnsinn, wie der Mann auf seine Felle eindrischt - vor allem, wenn man bedenkt, dass der Gute auf der DVD noch eher lustlos rumtrommelte. Zurecht wird seine Solo-Einlage nicht ohne Zugabe beendet.

Großartig auf die Songs einzugehen wird wohl nicht erforderlich sein. Klar, Tränentreiber a la "Give It A Try" oder "You Make Me Feel" funktionieren natürlich bestens unplugged, die wirkliche Überraschung besteht allerdings darin, dass die rockigen Stücke um einiges rauer und fetziger rüberkommen als auf der Unplugged-DVD. So hinterlässt beispielsweise "Preachers & Whores" vom aktuellen Album in der Rock'n'Roll-Version nachhaltig Eindruck - nicht zuletzt dadurch, dass eine Strophe des Priest-Klassikers "You've Got Another Thing Coming" mit Basser Uwe Köhler als Halford-Imitator eingebaut wird. Ob es am Ende dann wirklich des ollen "Sweet Home Alabama" bedarf sei mal dahingestellt, aber nachdem das Publikum lautstark danach verlangt geht auch das wohl in Ordnung.

Stichwort Publikum: Alle Anwesenden hatten ganz offensichtlich mächtig Spaß an der Sache, auch wenn die Pfälzer sicher nicht als das singfreudigste Volk in die Band-Annalen eingehen werden. Dass allerdings eine Band wie Bonfire eine gar nicht mal sooo große Halle nicht mal zur Hälfte füllen kann gibt dann doch zu denken. Wollen wir hoffen, dass dieser Besuch der unrühmliche Ausrutscher in der laufenden Tournee darstellt. Sicher ist: Wer da war, erlebte zwei Stunden Rock'n'Roll-Entertainment vom Feinsten von einer Band, die im nächsten Jahr 20-jähriges Alben-Jubiläum feiert und noch lange nicht satt ist. Wenn ihr die Möglichkeit habt, lasst es euch nicht entgehen!

Setlist:
Free
What About Love
Hot To Rock
Don't Touch The Light
Who's Foolin' Who
Give It A Try
S.D.I.
Proud Of My Country
Sweet Obsession
Drum-Solo Bam Bam
Under Blue Skies
Rock'n'Roll Cowboy
Nevermind
Hard On Me
Ready 4 Reaction
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You Make Me Feel
Preachers & Whores
(You've Got Another Thing Comin')
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Sweet Home Alabama