Squealer-Rocks.de Live-Review
Rage und Custard (27.12.2014, Lünen, Lükaz, maddin)

Nicht ganz ausverkauft, aber rappelvoll war das Lükaz, als Rage am gestrigen Abend den Schlusspunkt ihrer 30 – jaärigen Jubiläumstour setzten.

Die Rahmenbedinungen waren jedoch nicht nur vom Publikumszuspruch optimal, auch ansonsten war (fast) alles takko in diesem feinen Club. Alle Bands hatten einen optimalen Sound, der Service an den Getränkeständen war hervorragend, das Personal stets nett und hilfsbereit und der Pommes – Wagen vor dem Gebäude mit einem „Koch“, der seine frittierten Leckereien augenscheinlich selbst sehr mag, wurde zu Recht gut frequentiert. Eine Gute Idee, übrigens, die mittlerweile zur netten Tradition geworden ist.

Den Anfang machten Red Gin aus Dortmund. Das Quartett machte einen durchaus anständigen Job mit etwas Luft nach oben. Den Stil der Truppe würde ich als klassischen Hardrock bezeichnen – alte Whitesnake, oder so.
Blickfang auf der Bühne war Sängerin Sandra, die nimmermüde über die Bretter tobte und ohne Zweifel zu den besten ihres Fachs gehört. Mit ihrer leicht bluesigen Attitüde erinnert sie mich an Jody Turner der Legende Rock Goddess.

Leider wurde die Gute in punkto Stageacting von ihren beiden Sidekicks an Bass und Gitarre etwas im Stich gelassen, da die beiden Herren es vorzogen, den Aktionsradius eines Ian Hill zu kopieren. Dadurch wirkte der Gig mit zunehmender Dauer etwas ermüdend, zudem der Truppe - bei aller musikalischen Qualität – ein paar wirkliche Reisser an Songs fehlen.
Na, ja - -kann ja noch werden.

Dann kam – für Einige erwartet, für Andere nicht – der stimmungstechnische Höhepunkt des Abends. Die Herner Power / Melodic Metal Institution Custard legte mit „Death from above“ fulminos los und wurde vom Auditorium für einen „Special Guest“ ungewöhnlich frenetisch aufgenommen. Die Resonanzen steigerten sich zum Ende hin sogar so weit, dass die Stimmung im Saal teilweise besser als beim Headliner war.

Eigentlich nicht weiter verwunderswert, verfügt die Truppe doch mit Sänger Olli über einen Frontman par excellence, der es mühelos schafft, jeden Saal zum kochen zu bringen. Doch, im Gegensatz zu den Vorgängern, reden wir hier von einer Mannschaftsleistung. Die Saiten – Fraktion, verstärkt durch Neuzugang und „Nesthäckchen“ Stefan, bot eine absolut professionelle Show und bei manchen - zudem optisch gelungenen - Doppel – Leads konnte man sich nur staunend an den Kopf packen.

Highlights waren das stampfende „Time to bleed“, die Priest Hommage „Creature“ und das - wie immer – um Mitsingteil und Jam Session angereicherte „Poke the Flames“. Den Abschluss der metallischen Party bildete traditionell der speedige Hardrocker „I know You“, bei dem - auch traditionell – die Bühne von den Fans gestürmt wurde.
Danach wollten die „Zugabe“ Rufe nicht abebben, die Band war ebenfalls heiß auf mehr, doch der straffe Zeitplan liess ein Encore leider nicht zu.

Negativer Beigeschmack: Das Drumset von Rage nahm soviel Raum ein, dass beide Vorbands ihre Schlagzeuge ohne Podest davor postieren mussten, was in meinen Augen zuviel „Rockstar“ - Gehabe war. Schließlich gehören Custard auch seit mehr als 2 Dekaden zur Szene und kommen zudem aus der gleichen Stadt. Hier fehlte dem Tourmanagement offensichtlich etwas Fingerspitzengefühl.

Dann wurde es Zeit für den Headliner und der Beginn mit dem mächtigen „Carved in Stone“ machte jedem sofort klar, was für eine geile Band Rage doch sind. Bandboss Peavey ist sicherlich nicht der beste Sänger unter der Sonne, aber seine Stimme hat etwas unheimlich charismatisches und seine Melodien sind teilweise nicht von dieser Welt.
Klar, es ist platt immer wieder „Don't fear the winter“ anzuführen, doch die Nummer ist nunmal einfach schweinegeil und irgendwie typisch Rage.
Genauso wie „Higher than the Sky“ oder rockig rollende Ohrwürmer wie „Great old Ones“.

Ihm zur Seite steht der Übermusiker Victor Smolski, dessen Arrangements und Gitarrenkünste selbst gestandene Saitenhexer das Maul offen stehen lassen.
Andre Hilgers hat dann auch noch bewiesen, weshalb seine Schiessbude beinahe so hoch platziert ist, wie die von KISS.

Alles in allem also ein supertoller Abend für knapp über 20 Euro.
Geht doch!

Setlist Custard:

Intro
Death from Above
Creature
Time to Bleed
For my King
Dragonslayer
Poke the Flames
I know You


Setlist Rage:
Carved in Stone
Sent by the Devil
War of Worlds
Great Old Ones
Enough Is Enough
The Missing Link
Down
Unity
Don't Fear the Winter
Drop Dead!
Empty Hollow
Refuge
Higher Than the Sky
Encore:
Highway to Hell
Set This World on Fire
Black in Mind
Soundchaser