Squealer-Rocks.de Live-Review
House of Lords und Estrella, Maxx Explosion (12.04.2014, Dortmund, Musiktheater Piano, maddin)

Euer, wie immmer höchst ergebener, Schreiber war trotz Konzerterfahrung in Dekadenlänge vor diesem Gig völlig aufgeregt und hatte das berühmte Kribbeln im Bauch.


Galt es doch zu sehen, ob Gottsänger James Christian live auch so überzeugen kann, wie er es auf seinen Studio – Outputs tut.
Soviel vorweg: Er konnte!

Nun aber mal wieder schön die Gesetze der Dramaturgie einhalten und von ganz vorne beginnen:
Das Musiktheater Piano in Dortmund ist eine Kneipe mit angeschlossenem Saal für Konzerte. Der Raum ist wirklich sehr schön anzusehen, wirkt wie ein großes, altes Kino mit Verzierungen an den hohen Decken und bietet - nach meiner Schätzung – ca. 300 Leuten Platz.
Das Personal macht einen absolut perfekten Job, ist stets freundlich und schnell.
Somit Daumen hoch für das Piano in Lütgendortmund!
Dementsprechend fühlten sich die ca. 100 Zuschauer auch sehr wohl, als Estrella um Punkt 20 Uhr die Bühne stürmten.

„Auf die Bühne stürmen“ - genau das trifft es! Was die Schotten in - leider nur – gut 30 Minuten boten, war echt spitze.
Ihr sehr an Van Halen erinnernder, eingängiger Hardrock machte durchgehend Spaß und die Truppe präsentierte sich genauso, wie es eine Vorpruppe tun muss.
Der Gitarrist lief durchs überraschte Publikum, turnte auf den Boxentürmen und der Sänger sprang herum wie weiland David Lee Roth und hüpfte ins Auditorium, um Bierdosen (!) zu verteilen.
Man fühlte sich an Helix oder Vengeance erinnert, die eine ähnlich fulminate Show bieten.

Zudem haben Estralla echt ein paar richtig gute Songs am Start.
„Mona Lisa Smile“ oder „Chance of a Lifetime“ sind Klopper vor dem Herrn und halten jeden Vergleich mit den ganz Großen aus Amiland stand.
Das der Titeltrack des neuen Albums, „Come out to play“ mit einer Adaption von Twisted Sisters „Come out and Play“ eingeleitet wurde, spricht für sich.
Coole Schotten, die das Erbe von Van Halen, Helix, Mötley Crüe und Faster Pussycat in Ehren halten.
Hut ab! - -Ähhm, meine natürlich „Schottenrock hoch!“.

Gottlob ging der Abend weniger nievaulos als meine flachen Witze weiter.
Der zweite Support waren House of Lords ohne James Christian.
Häääähhh? Ja, genauso hab' ich auch gefragt.
Des Rätsels Lösung: Die komplette dreiköpfige House of Lords Backing Band ist unter dem Namen Maxx Eplosion als eigenständige Truppe unterwegs und hat mit „Forever“ gar ein formidables Album am Start.
Der von Bassist Chris McCarville gesungene Hardrock, der sich vom House of Lords Stil nur minimal unterscheidet, kam in den folgenden 45 Minuten dementsprechend gut beim Publikum an.
Hier sind halt Profis mit Können und Spaß bei der Sache – und das macht uns Spaß!
OK – die Hitdichte ihrer Hauptband erreichen die Burschen nicht, aber weit über Durchschnitt agieren sie dennoch.

Und dann war es soweit – und Ihr könnt mir glauben, dass ich jetzt beim Schreiben immer noch eine Gänsehaut bekomme:
Der Meister himself betrat die Bühne! Mit Sonnenbrille versprühte Mr. Christian sofort das Flair des typischen U.S. Rockstars. Von Arroganz dagegen keine Spur, der Mann wirkte extrem sympathisch und herzlich.
Und dann sein Gesang. SEIN GESANG!!!
Leck' mich am Arsch, der singt live noch besser als auf Platte!!!!
Beim Opener „Sahara“ standen die Mäuler der Anwesenden bereits weit offen, und spätestens beim vierten Song, „Cartesien Dreams“, hatte jeder im beschaulichen Saal einen nicht operablen Kieferschaden.
Gibt es einen besseren Sänger? Möglich, aber nicht auf dieser Erde!

Trotz seiner stimmlichen Übergewalt gewährte der House of Lords Boss und Hauptkomponist seinen Mitstreitern genügend Raum zur Entfaltung. So wurde das Drum Solo von B.J. Zampa keine Pflichtveranstaltung zum Bierholen, sondern wurde wunderbar unterhaltsam gestaltet.
Gleiches gilt für das Bass – und Gitarren Solo, bei denen sich der Meister übrigens nicht hinter die Bühne verzog, sondern mit einem Glas Wein in der Hand seine Kumpels von der Seite aus anfeuerte.
Da passt es ins Bild, das der Gute nicht müde wurde, alle Fans nach dem Gig zum gemeinsamen Biertrinken einzuladen, was die Band auch in kompletter Stärke getan hat.

Der Sound war das ganze Konzert über gut, mit leichten Schwächen in den Höhen und sehr laut.
Alles in allem ein perfekter Abend mit drei tollen Bands, einer klasse Location und einem U.S.Superstar, der gar nicht gar nicht so sehr Superstar, sondern eher Kumpel war.

Thank You, James. Hope, to see You again, soon.

Setlist:
1. Sahara
2. Big Money
3. Battle
4. Cartesian Dreams
5. Love Don't Lie
(Stan Bush cover)
6. Come to My Kingdom
7. Permission to Die
8. I Am Free
9. Demon Wheel
10. Can't Find My Way Home
(Blind Faith cover)
11. Rock Bottom
12. I Wanna Be Loved
13. Pleasure Palace
14. Slip of the Tongue
15. S.O.S. in America
16. These Are the Times