Amorphis und Before The Dawn (09.11.2009, Karlsruhe, Substage, Reaper)
Wir schreiben den 5. November 2009 ein kühler Wind weht durch die Straßen Karlsuhes. Wenn andere sich daran erfreuen, dass es nur noch wenige Wochen bis Weihnachten hin ist und die Geschäfte bereits Spekulatius, Marzipan und Lebkuchen in Hülle und Fülle anbieten, kommt für den Metaller die Zeit, in der er sich der lauschigen, feuchtwarmen Hallenkonzertsaison hingeben kann. So auch heute, denn gegen Ende ihrer „Forging Europe Tour“ macht das finnische Dreiergespann um Amorphis Halt in Karlsruhe.
Vergleicht man den Andrang heute mit jenem letzter Woche, als Ensiferum kamen, so muss man sagen, dass es relativ ruhig zugeht vor den Stufen des Substages, dessen Tage unter der Ettlingertor Kreuzung allerdings gezählt sind, da dort bald das große Graben und Wühlen losgehen dürfte – warum? Nun ja, Karlsruhe baut eine U-Bahn.
Doch wollen wir an diesem Abend nicht daran denken, was in naher Zukunft passieren wird, sondern konzentrieren wir uns auf das Hier und Heute. Wie bereits erwähnt, finden gegen 19Uhr überraschend Wenige den Weg ins Substage, jedoch täuscht dieser laue Beginn etwas, denn nach und nach füllt sich der niedrige Raum und so stehen bereits Einige vor der Bühne als gegen 20Uhr die erste Band des Abends die Bühne betritt.
Amoral kommen aus Finnland, genauer aus Helsinki und das ist auch schon das Einzige, was man von Frontmann Ari Koivunen erfährt, klammert sich dieser doch etwas schüchtern an seinen Mikroständer, während die von Ventilatoren bewegte Luft seine schönen, langen, blonden Haare flattern lässt. Mit ihrer etwas gewöhnungsbedürftigen Mischung aus Hard Rock, NWoBHM, Hardcore und Modern Metal gelingt es dem Quintett nur schwerlich die Halle für sich zu gewinnen, wenngleich einige vor der Bühne zustimmend nicken – echte Begeisterung sieht anders aus. Nach etwa 40 Minuten ist Schluss und man sieht gespannt der zweiten Band des Abends entgegen.
„Ihr mögt wohl finnischen Metal“, fragt Sänger/Bassist Lars Eikind, nach dem ersten Stück das Publikum und wen wundert es, dass dieses alsdann in Begeisterungsrufen die Frage lautstark mit ‚Ja‘ beantwortet. „Gut“, meint der sympathische Finne mit der tief ins Gesicht gezogenen schwarzen Mütze, „denn ihr werdet noch einiges davon zuhören kriegen!“
Sprach’s und schon ging’s los. Before The Dawn schaffen mühelos, was den jungen Kollegen zuvor nur schwerlich gelingen wollte, sie wissen das Publikum zu begeistern. Headbangen und geballte Fäuste zeigen, dass der melodische Death der Marke BtD ankommt und nicht zuletzt ist es den beiden Frontmännern Lars und seinem growlenden und schreienden Konterpart Tuomas Saukkonen an der Gitarre zu danken, denn während der eine, Lars, in den kurzen Pausen zwischen den Stücken mit Sprüchen wie: „Wir haben noch nie in einer Metrostation gespielt.“ oder „Wir haben ein neues Album […] dies war eine Werbeunterbrechung.“ für die nötigen Lacher sorgt und mit wunderbarem Gesang aufwartet, beeindruckt Tuomas einfach durch seine physische Präsenz und martialisches Growling.
Mit „My Dying Sun“, „Exile“ und “Monsters” haben es gerade mal drei Stücke des aktuellen, 2008 erschienenen Albums, „Soundscape Of Silence“ in die Setliste geschafft, ansonsten spielt man eine gelungene Mischung aus älteren (Lars: „Lasst uns eine kleine Zeitreise unternehmen.“) und neueren Stücken.
Der Höhepunkt des Sets dürfte wohl „My Room“ vom 2004er Album „4:17 AM“ markieren, denn verlassen hier zu Beginn Schlagzeuger Dani Miettinen und Gitarrist Juha Räihä die Bühne, um Platz zu machen für das wunderbare „Akustik“ Intro des Stückes, welches von Lars gesungen und nur von Bass und Gitarre begleitet wird.
Setlist:
Dying Sun
Unbreakable
Exile
Monsters
Morning Sun
Scar
My Darkness
My Room
Angel
Begeistert werden Before The Dawn vom Publikum gefeiert, als sie die Bühne verlassen, doch dies soll nur ein Vorgeschmack auf das sein, was uns in den folgenden gut 90 Minuten erwarten soll, denn nun ist es Zeit für den Headliner des abends.
Amorphis betreten unter den einleitenden Klängen von “Skyforger” gegen 22:10 die Bühne und werden bereits sehnlichst erwartet und legen gleich mit einem der Topsongs des aktuellen Albums „Silver Bride“ los. Fesselnd verbinden sich Melodik und Metal zu einer erhabenen Hymne, wie man es bereits früher von Amorphis gewohnt war, jedoch blieb zum Leidwesen einiger altgedienter Fans vom ursprünglichen Death Metal nicht viel mehr als einige Growlingpassagen übrig, was jedoch gerade den Reiz der Musik ausmacht, die uns die Finnen hier bieten. Auch das nächste Stück kommt von „Skyforger“ und wartet mit einem bezaubernden Refrain auf, wie eigentlich fast alle Stücke auf jenem.
Fast scheint es, als ob das Publikum einzig auf Amorphis gewartet hätte, denn jedes Lied wird ausgiebig beklatscht und die Stimmung vor der Bühne ist so gut wie der Sound.
Wie im Flug vergeht die Zeit und kaum mag man glauben, dass das Konzert schon zu Ende sein soll, als die Band nach dem „Tales From The Thousand Lakes“ Doppelpack „Magic And Mayhem“ und „Black Winter Day“ die Bühne verlässt.
Nach Minuten langen Zugaberufen betreten Amorphis erneut die Bühne um unter Beifall mit „Sign From The North Side“ ein Stück des ersten Albums von 1993, „The Karelian Isthmus“, zu spielen. Die treibenden Gitarren und folkloren Melodien lassen einen wahlweise hüpfen oder das Haupte im Gleichtakt schwingen.
Nach zwei weiteren Stücken geht dieser wunderbare Konzertabend zu Ende.
Setlist:
Skyforger (Intro)
Silver Bride
Sampo
Towards And Against
The Castaway
Smithereens (Intro)
The Smoke (Eclipse)
Majestic Beast
Alone
Silent Waters
Against Widows / Cares / On Rich And Poor / Against Widows / Better Unborn
From the Heaven of My Heart
Sky Is Mine
Magic And Mayhem
Black Winter Day
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Sign From the North Side
House Of Sleep
My Kantele
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