Squealer-Rocks.de CD-Review
Spock's Beard - Spock's Beard

Genre: Progressive Rock
Review vom: 22.11.2006
Redakteur: maddin
Veröffentlichung: bereits veröffentlicht
Label: Inside Out



Wenn eine Truppe wie Spock’s Beard ihr nunmehr neuntes Album mit dem Bandnamen betitelt, ist irgendwas im Busch! Es ist nicht schwer zu erraten, dass dieses seltsame Gebaren wenig damit zu tun hat, dass die Kreativ - Köpfe keinen passenden Titel für das neue Machwerk gefunden hätten. So etwas hat immer was mit Selbstfindung und Selbstverwirklichung zu tun. Wie wirkt das auf uns Fans? Richtig – es macht uns Angst! Die klare Abgrenzung vom ehemaligen Mastermind Neil Morse ist also offensichtlich, die Mannschaft um Nick D’ Virgillio will sich anno 2006 endlich freischwimmen von der übermächtigen Präsenz des mittlerweile streng gläubigen Christen Morse. Gelungen? Mal sehen...

Die angesprochene Angst, die Bärte würden nun mittels Selbstfindungstrip ihren Stil ändern, ist – gottlob – größtenteils unnötig. Der himmlisch – schöne Opener „On A Perfect Day“ beamt den Hörer in eine Prog – Welt, wie sie perfekter nicht sein kann. Ein 8 - minüter mit reichlich Retro Feeling und einem Refrain zum Wegschweben. So etwas kennt man von dieser Band, so etwas will man hören. Auch das nachfolgende Instrumental „Skeletons At The Feast“ – eine wuselige Prog Abfahrt mit einer gehörigen Portion Flower Kings Feeling – lässt keine Zeichen erkennen, die dem Bärte Fan suspekt erscheinen sollten.

Bei Startplatz drei hingegen wird sich zumindest so etwas wie Verwunderung breit machen. „Is this Love“ ist eine kurze Nummer, mit reichlich Heavy / Rock / Blues Flair, die wie eine Melange aus Deep Purple und Aerosmith anmutet. Als Gag durchaus gelungen.

Wie auch die relaxte Ballade „All That’s Left“, die den Hörer nach dem voraus gegangen Up Tempo Rocker wieder runter bringt.

Was dann folgt, ist nur mit den Worten „Geil“ oder wahlweise „Schweinegeil“ zu beschreiben. „With Your Kiss“ versprüht knapp 6 Minuten lang eine Art 70er Jahre Love and Peace Feeling, um dann in eine Tribal - mäßige Rakete mit Black Sabbath Touch umzuschlagen. Fast überflüssig zu erwähnen, dass es zum Ende hin wieder besinnlich und episch tragend wird. Ganz starker Song!

Dann die nächste „Überraschung“: „Sometimes They Stay…“ ist erneut ein Blues – und Hardrock getränkter, schleppender Track, der wie eine Mischung aus Led Zeppelin und Lenny Kravitz klingt. Kann man sich anhören – muss man aber nicht.

An siebter Position steht erneut eine Ballade: „The Slow Crash Landing Man“ wirkt - auch durch die orchestrale Begleitung bedingt – sehr pathetisch und fast schon zuckersüß. Trotzdem schön.

Und schon wieder Blues! Bei „Hereafter“ leben Spock’s Beard ihre neue Leidenschaft zum dritten Mal aus. Diesmal fühlt man sich gelegentlich sogar an King’s X erinnert. Na,ja.

Kurz vorm Finale wird es noch mal ganz leise. Nick D’ Virgillio wird lediglich vom Piano begleitet, gibt sich sehr ausdrucksstark und macht aus „Hereafter“ ein sehr ergreifendes Lied.

Der obligatorische Long Track nennt sich diesmal „As Far As The Mind Can See“, ist in 4 Teile gegliedert, dauert 17 Minuten und ist – natürlich – eine Granate. Ich möchte Euch und mir ersparen, dieses Kunstwerk näher zu beschreiben. Nur soviel: es vereint alle musikalischen Tugenden dieser Band.

Nach diesem Brocken lässt „Rearranged“ das Album leichtfüßig ausklingen. Eine flotter Song, mit mitsingkompatiblem Refrain und gespickt mit einer großen Menge an Saga Verweisen.

Unterm Strich bleibt ein sehr, sehr gutes Spock’s Beard Scheibchen, denn folgendes darf man nicht übersehen: zwar werden nicht nur mir die Blues - und Hardrock - Spielchen etwas sauer aufstoßen; die Cd ist allerdings 77 Minuten lang. Da bleibt immer noch weit über eine Stunde allerfeinster Progressive Rock übrig, der mit den alten Großtaten durchaus mithalten kann.

Tracklist:
1. On A Perfect Day
2. Skeletons At The Feast
3. Is This Love
4. All That's Left
5. With Your Kiss
6. Sometimes They Stay, Sometimes They Go
7. The Slow Crash Landing Man
8. Wherever You Stand
9. Hereafter
10. As Far As The Mind Can See - part 1 - Dreaming In The Age Of Answers 4.4
11. As Far As The Mind Can See - part 2 - Here's A Man
12. As Far As The Mind Can See - part 3 - They Know We Know
13. As Far As The Mind Can See - part 4 - Stream Of Unconsciousness
14. Rearranged

Line up:
Nick D’ Virgillio (v), (d), (g)
Dave Meros (b)
Alan Morse (g), (v)
Ryo Okumoto (k)

DISCOGRAPHY:

1995 - The Light
1996 - Beware of Darkness
1998 - The Kindness of Strangers
1999 - Day for Night
2000 - V
2002 - Snow
2003 - Feel Euphoria
2005 - Octane
2005 - Gluttons for Punishment
2006 - Spock’s Beard

SQUEALER-ROCKS Links:

Spock's Beard - Gluttons For Punishment (CD-Review)
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